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Als die Polizei 26 Energie-Fans durch den „unverhältnismäßigen“ Einsatz von Pfefferspray verletzte
Faszination Fankurve09.12.20230 Kommentare
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Im 9. Türchen des diesjährigen Adventskalenders blicken wir zurück auf den 11. Juni 2023. An diesem Sonntagnachmittag spielte der FC Energie Cottbus im Rückspiel um den Aufstieg in die 3. Liga bei der SpVgg Unterhaching. Nachdem sich im Gästeblock ein Sicherheitstor geöffnet und anschließend wieder geschlossen hat, setzte die Polizei hier „maß- und ziellos“ Pfefferspray gegen die Gästefans ein.
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Foto: Faszination Fankurve
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Zu diesem Zeitpunkt habe es weder eine Relevanz noch Rechtfertigung für einen derartigen Einsatz gegeben, da sich die Situation im Gästeblock bereits wieder entspannt hatte, erklärte das Fanprojekt Cottbus in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Verein wenige Tage später. Weiter hieß es dort: „Erst im Nachgang des wahllosen Pfeffersprayeinsatzes kam es als Reaktion zu vermehrten Becherwürfen und zusätzlicher Aggression aus dem Gästeblock.“ Insgesamt seien dabei mindestens 26 Personen verletzt worden, darunter auch Kinder.
Bereits vor dem Spiel sei auffällig gewesen, dass die eingesetzten Ordnungskräfte zahlenmäßig mit der hohen Besucherzahl überfordert gewesen seien. Zudem berichtete das Fanprojekt Cottbus von „teils haltlos und willkürlich“ ausgesprochenen Hausverboten gegenüber Cottbusser Anhängern, die nicht zur Deeskalation im Vorfeld des Spiels beigetragen hätten.
Umstrittene Polizei-Einsätze im Jahr 2023 im Rückblick:
Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft 2024 in Deutschland an. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2006 beobachten Fußballfans im Ligaalltag eine Zunahme von Repressionen und überharten Einsätzen der Polizei in und um die Stadien. Im diesjährigen Adventskalender von Faszination Fankurve schauen wir auf die umstrittenen Polizei-Einsätze im Kalenderjahr 2023.
Zuletzt häuften sich Einsätze an Spieltagen, die von betroffenen Ultras, aber auch von anderen Fans in den Stadien als überhart, überzogen oder völlig daneben eingestuft werden. Bundesweit fanden solche Vorfälle zuletzt medial Beachtung. Weil, anders als im Jahr 2006, mittlerweile in vielen Fanszenen sogenannte Fanhilfen entstanden sind, findet die Sicht von aktiven Fußballfans in der Berichterstattung regelmäßiger Aufmerksamkeit. Wie schon beim letzten Großturnier in Deutschland vor über 17 Jahren sind von umstrittenen Einsätzen vor allem Fußballfans betroffen, die ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen begleiten. Dieser Adventskalender zeigt, dass solch umstrittene Einsätze der Exekutive keine Einzelfälle sind. (Faszination Fankurve, 09.12.2023)
Aufarbeitung der Vorfälle vom Auswärtsspiel in Unterhaching
Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz
Voranstellen möchten wir gemeinsam und eindeutig, dass jedwede Formen von Gewalt sowie der Einsatz von Pyrotechnik generell abzulehnen und zu verurteilen ist. Derartige Handlungsweisen stehen den Werten des sozialpädagogischen Fanprojektes sowie denen unseres FC Energie grundlegend entgegen. Weiterhin verurteilen wir mutwillige Beschädigungen von Werbebanden sowie das Öffnen des Tores mit der Intention, in den Innenraum zu gelangen. Friedliche und faire Unterstützung des FC Energie findet ausschließlich auf den Rängen statt!
Unabhängig davon muss insbesondere das Vorgehen der im Sportpark Unterhaching eingesetzten Polizeikräfte sowie das gesamtheitliche Sicherheitskonzept des Veranstalters infrage gestellt werden. Den FC Energie Cottbus haben dazu zahlreiche Hinweise von Beobachtern sowie geschädigten Fans erreicht, die in die Bewertung der Vorgänge eingeflossen sind.
Augenscheinlich waren die eingesetzten Ordnungskräfte zahlenmäßig nicht ihren am Spieltag gestellten Aufgaben gewachsen. Kontrollen am Einlassbereich fanden nach übereinstimmenden Berichten vollkommen unzureichend und teilweise gar nicht statt. Andererseits sollen gegenüber Cottbuser Anhängern teils haltlose und willkürliche Hausverbote ausgesprochen worden sein. Beides sind Umstände, die bereits im Vorfeld des Spiels weder zu einer Deeskalation noch einem ordnungsgemäßen Ablauf im Sinne der Sicherheit beitragen konnten.
Weiterhin ungeklärt ist, wie ein Sicherheitstor am Gästebereich geöffnet werden konnte, zudem war in jedem Fall eine unzureichende personelle Sicherung durch den eingesetzten Ordnungsdienst gegeben. Das sofortige Hinzuziehen der Polizei führte binnen weniger Augenblicke sowohl zur Schließung dieses Tores als auch einer Befriedung der Situation, so dass ein weiteres Vorgehen sowie eine fortwährende massive Polizeipräsenz unangebracht erscheinen.
Absolut unverhältnismäßig war im Anschluss der maß- und ziellose Einsatz von Pfefferspray gegen die im Gästeblock befindlichen Energiefans. Es gab zu diesem Zeitpunkt weder eine Relevanz noch Rechtfertigung für einen derartigen Einsatz. Erst im Nachgang des wahllosen Pfeffersprayeinsatzes kam es als Reaktion zu vermehrten Becherwürfen und zusätzlicher Aggression aus dem Gästeblock. Nach Polizeiangaben wurden bisher 26 verletzte Personen, darunter Kinder, registriert. Entsprechendes Videomaterial liegt vor.
Im Nachgang dessen war es dem Veranstalter zudem nicht möglich Wasser als erste Hilfeleistung für die zahlreichen Verletzten bereitzustellen. Erst später sorgte der vor Ort eingesetzte Sanitätsdienst für eine Erstversorgung hinter dem Gästebereich. Vielen Dank dafür an die Einsatzkräfte.
Weitere betroffene Energiefans können sich jederzeit beim Fanprojekt Cottbus sowie dem FC Energie melden, etwaige Strafanzeigen können bei der Polizeidirektion Süd gestellt werden.
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