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Im Kampf um den Erhalt von Extrazügen: Südkurve des FC Zürich auf dem Weg nach Sion mit Protestaktion in Bern

Stefan Langer 06.10.2026 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Der Kampf um den Erhalt von Extrazügen geht in die nächste Runde. Weil die SBB keine Extrazüge für die Fans des FC Zürich zu ihrem Gastspiel beim FC Sion bereitstellte, tauchten diese in der Bundesstadt Bern am Bahnhof auf und zeigten einen lautstarken und zugleich aktiven Protest, der für starke Aufmerksamkeit sorgte.

Streit um Extrazüge spitzt sich zu

Seit Beginn der Saison 2026/27 bietet die SBB keine Extrazüge mehr außerhalb des regulären Fahrplans an. Begründet wird dieser Schritt unter anderem mit knappen Ressourcen, hohen Kosten und Baustellen. Dabei betrifft die neue Situation vor allem die fünf großen Fanszenen rund um FC Zürich, FC Luzern, FC St. Gallen, FC Basel und BSC Young Boys. Bei deren Auswärtsspielen reisen regelmäßig mehr als 400 Fans mit, wodurch bislang in der Regel ein Extrazug eingesetzt wurde. Beim Grasshopper Club Zürich ist diese Zahl nicht bei jedem Spiel erreicht. Die grundsätzliche Regelung, wonach eine bestimmte Anzahl an Mitreisenden für einen Extrazug relevant ist, ist dabei nicht neu.

Die SBB führt zudem enorme Schäden und ungedeckte Kosten als Argument für die neue Praxis an. Diese sollen sich unter anderem aus Reinigungskosten und Leerfahrten zusammensetzen. Wie hoch diese ungedeckten Kosten tatsächlich sind, wird von der SBB allerdings nicht transparent aufgeschlüsselt. Auch Konflikte mit dem Zugpersonal werden als Begründung angeführt. In der Vergangenheit soll es dabei zu erheblichen Grenzüberschreitungen gekommen sein. Aus den Fanszenen und von eingesetztem Personal wird die Situation teilweise anders dargestellt.

Für das Gastspiel des FC Zürich beim FC Sion kam zusätzlich eine besondere Situation hinzu. Auf den Strecken Visp–Brig und Bex–Villeneuve fanden Bauarbeiten statt, wodurch die Kapazitäten im Bahnverkehr eingeschränkt waren. Dies nahm die SBB zum Anlass, keinen Extrazug bereitzustellen.

Beim FC Zürich sorgte diese Entscheidung für Unverständnis. Der Verein widersprach der Darstellung der SBB, wonach keine alternativen Maßnahmen geprüft worden seien. Bereits am 8. September hatte der FCZ bei der Swiss Football League eine Vorverlegung der Partie beantragt. Zunächst wurde dieser Antrag mit dem Hinweis abgelehnt, dass eine entsprechende Verschiebung nur aufgrund einer behördlichen Anordnung möglich sei.

Kurz vor dem Spiel kam es dann doch zur Vorverlegung. Aufgrund behördlicher Auflagen im Wallis wurde die Partie nicht wie ursprünglich geplant um 20:30 Uhr, sondern bereits um 18 Uhr angepfiffen. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Zürcher Fans nach dem Spiel noch mit dem öffentlichen Verkehr zurückreisen konnten. Einen Extrazug gab es aufgrund der Baustellensituation trotzdem nicht.

Südkurve reist trotzdem nach Sion

Von der fehlenden Extrazugverbindung ließen sich die Zürcher nicht abhalten. Unter dem Motto „Sion eifach“ verkündete die Südkurve vorab: „Die SBB stellt am 19. September keinen Extrazug, wir reisen dafür umso zahlreicher ins Wallis! Stadiontickets, Infos zum Spiel und zum Programm danach gibt's nochmals diesen Dienstag und Freitag im LOKAL (Zutritt nur für Mitglieder). Am Samstig alli uf Sion!“

Rund 1.000 Fans des FCZ machten sich auf den Weg ins Wallis und mussten dafür auf reguläre Züge ausweichen. Bereits am Bahnhof Bern zeigte sich, welche Auswirkungen die neue Situation haben kann. Mehrere Hundert Anhänger versammelten sich dort, sangen gemeinsam und zündeten etwas Pyro. Die Bilder aus dem Berner Hauptbahnhof sorgten entsprechend für Aufmerksamkeit.

Auf der Fahrt von Zürich nach Bern sowie später in Bern wurde außerdem in zwei Intercity-Zügen wiederholt der Brandalarm ausgelöst. Beide Züge konnten daraufhin nicht weiterfahren und sorgten für weiteren Ärger bei der Bahngesellschaft.

Bereits andere Szenen protestierten

Der Protest der Zürcher Fans kommt dabei nicht aus dem Nichts. Bereits die Fanszene des Stadtrivalen Grasshopper Club Zürich hatte sich zu Beginn der neuen Spielzeit mit einer kreativen Aktion gegen die Abschaffung beziehungsweise Einschränkung der Extrazüge positioniert. In der Folge kam es unter anderem zu Betätigungen von Notbremsen und Brandalarmen. So sind auch Szenen betroffen, die nicht bei jedem Spiel auf eine gewisse Anzahl von Mitfahrenden kommen können. Faszination Fankurve berichtete darüber.

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Bereits vor Inkrafttreten der neuen Regelung hatte es zudem Diskussionen um Auswärtsspiele gegeben. Bei Partien in Bern und Luzern wurden seitens der Behörden Bedenken geäußert, wenn größere Fangruppen ohne Extrazug anreisen sollten. In Luzern wurde die Ansetzung daraufhin frühzeitig angepasst. Auch beim Spiel in Bern wurde deutlich gemacht, dass eine Anreise ohne Extrazug erhebliche Konsequenzen für die spätere Abreise der Fans haben könnte.

Protest gegen die neue Praxis der SBB

Aus Sicht der Fans steht hinter den Aktionen eine grundsätzliche Auseinandersetzung um den Erhalt der Extrazüge. Diese ermöglichen es den Anhängern, geschlossen und organisiert zu Auswärtsspielen zu reisen. Mit dem Wegfall der Sonderzüge werden die Fans stattdessen auf reguläre Verbindungen verteilt, was gerade bei gut besuchten Spielen zu stark ausgelasteten Zügen und Konflikten führen kann. Beim FCZ fahren oftmals gleich zwei Extrazüge zu den Auswärtsspielen, so groß ist das Interesse.

Die SBB schlägt den Fans inzwischen vor, Züge selbst zu chartern, also ein Modell zu nutzen, das eher mit der Situation in Deutschland vergleichbar ist. Dies wird von Fans und Vereinen jedoch abgelehnt. Die bisherige Lösung mit regulären Extrazügen soll stattdessen erhalten bleiben.

Extrazüge sind in etwa mit Sonderzügen in Deutschland zu vergleichen, nur fahren sie deutlich häufiger und sind das Hauptreisemittel unter Fanszenen in der Schweiz. Mit dem Football-Ticket reisen Fußballfans mit einem Extrazug vergünstigt zu festgelegten Preisen auswärts. Die Tickets sind ganz gewöhnlich über die SBB erhältlich. So müssen die Fans keine finanziellen Risiken eingehen und vorab bereits einen ganzen Zug chartern.

Die Swiss Football League stellt sich ebenfalls gegen einen dauerhaften Abbau der bisherigen Fanzug-Lösung. Nach Angaben der Liga habe sich das Modell über Jahrzehnte bewährt. Gleichzeitig muss die SFL ihren Spielplan derzeit an die neue Situation anpassen, damit Fans auch bei späteren Anpfiffzeiten noch mit dem öffentlichen Verkehr nach Hause kommen können.

FCZ-Fans sorgen für eindrucksvolle Bilder

In Bern machte die Südkurve deutlich, dass sie sich mit dem Ende der bisherigen Fanzug-Praxis nicht einfach abfinden möchte. Neben lautstarken Gesängen und etwas Pyro wurden auch Flyer verteilt, die sich mit der Situation rund um die Extrazüge und dem Vorgehen der SBB auseinandersetzten. Die Aktion machte damit nicht nur innerhalb der Fußballfans auf den Streit aufmerksam, sondern erreichte auch zahlreiche andere Reisende im Berner Hauptbahnhof.

konnte nicht eingebettet werden.

Die Auseinandersetzung um die Extrazüge hatte dabei bereits vor dem Gastspiel in Sion konkrete Auswirkungen. Bei Spielen in Bern und Luzern mussten Lösungen gefunden werden, weil eine Anreise größerer Fangruppen mit regulären Zügen aus Sicht der Behörden problematisch gewesen wäre. Beim FC Zürich wurde die Situation schließlich erstmals unter der neuen Praxis der SBB unmittelbar angewendet. Vordergründig wurde am Ende die Baustellensituation als Grund für den fehlenden Extrazug angeführt, nachdem sich auch andere beteiligte Parteien gegen die ursprünglich geplante Lösung ausgesprochen hatten.

Während die SBB die konkreten Vorfälle aufarbeiten will, bleibt die grundsätzliche Frage nach der Zukunft der Extrazüge offen. Die SBB betont, grundsätzlich weiterhin zu Extrazügen zu stehen und gemeinsam mit den beteiligten Parteien nach Lösungen suchen zu wollen. Gleichzeitig hält das Unternehmen an der Einschränkung von Extrazügen außerhalb des regulären Fahrplans fest.

Trotz aller Umstände zahlreich nach Sion

Sportlich endete das Gastspiel des FC Zürich beim FC Sion vor 9.700 Zuschauern mit einem 1:1-Unentschieden. Für die mitgereisten Zürcher stand an diesem Tag allerdings nicht nur das Geschehen auf dem Rasen im Mittelpunkt. Rund 1.000 Anhänger hatten trotz der schwierigen Anreise den Weg ins Wallis gefunden. Mit einem Spruchband in Richtung SBB kommentierten die Fans in Sion noch die aktuell unzufriedenstellende Situation rund um die Extrazüge.

Die Proteste dürften damit nicht beendet sein. Die Frage, wie die großen Schweizer Fanszenen künftig geschlossen zu Auswärtsspielen reisen können, bleibt weiterhin offen.