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Nach Öffnung der Pappelkurve in Lübeck: Fanclub Halunken mit Stellungnahme

Stefan Langer 25.09.2026 0 Kommentare
Nach Öffnung der Pappelkurve in Lübeck: Fanclub Halunken mit Stellungnahme

Foto: Faszination Fankurve

Nachdem der VfB Lübeck bekanntgab ab dem heutigen Heimspiel gegen Todesfelde wieder die Pappelkurve für Fans zu öffnen und das UKL als erste der beiden Streitparteien wieder an den alten Standort zurückkehren darf, positionierte sich der Fanclub Halunken nun in einer lokalen Zeitung mittels Stellungnahme kritisch zu dieser Entscheidung, wo insbesondere das Handeln des Vereins hinterfragt wird.

Nachdem es im März 2026 nach dem Heimspiel gegen den HSV II zu einer szeneinternen Auseinandersetzung hinter der Pappelkurve zwischen UKL und Halunken gekommen war, sperrte der Verein diese und wies den beiden Konfliktparteien neue Standorte im Stadion zu.

In dieser Woche hatte der VfB Lübeck dann bekanntgegeben, die Pappelkurve zum Heimspiel gegen den SV Todesfelde wieder zu öffnen. Zwar existiert laut Verein ein lösungsorientierter Plan. Für den Fanclub Halunken bleibt die Pappelkurve aber zunächst gesperrt. Das UKL sowie andere Fanclubs, Gruppen und Einzelpersonen dürfen ab dem heutigen Heimspiel aber wieder an ihren alten Standort zurückkehren. Faszination Fankurve berichtete darüber.

Die andere Konfliktpartei rund um den Fanclub Halunken betrachtet dies kritisch und positionierte sich mittels Stellungnahme nun gegen diese Teilöffnung. Diese wurde über eine lokale Presse veröffentlicht und kritisiert insbesondere die handelnden Personen im Verein.

Faszination Fankurve dokumentiert
die Stellungnahme des Fanclub Halunken:

„Moin VfBer,

zunächst möchten wir all jenen danken, die uns seit der Zäsur vom 13.03.2026 unterstützt, ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht oder den direkten und sachlichen Austausch mit uns gesucht haben. Ebenso danken wir allen, die sich in den vergangenen Monaten ihr eigenes Bild gemacht haben, anstatt uns zu den ‚Monstern‘ zu erklären, als die wir in gewissen Kreisen dargestellt wurden.

Nach mehr als sechs Monaten Aufarbeitung müssen wir allerdings feststellen:

Unser Vertrauen in die Objektivität dieses Prozesses ist weitgehend aufgebraucht.
Seit dem 13.03. haben wir Gesprächsbereitschaft nicht nur angekündigt, sondern gelebt. Wir haben jede vom VfB angesetzte Kommunikation wahrgenommen, persönliche Gespräche geführt, an Video- und Teams-Terminen sowie am Runden Tisch teilgenommen, schriftlich zu Vorwürfen Stellung bezogen und uns schließlich auch einem professionell begleiteten Vermittlungsprozess gestellt.

Wir haben uns der Aufarbeitung zu keinem Zeitpunkt entzogen.

Ein direkter und umfassender Austausch zwischen den Konfliktparteien kam dennoch über Monate nicht zustande. Nicht, weil wir hierzu nicht bereit gewesen wären. Entsprechende Gesprächsmöglichkeiten wurden von der anderen Seite wiederholt nicht wahrgenommen bzw. abgelehnt.

Mit den personellen Veränderungen innerhalb der Vereinsführung veränderte sich aus unserer Sicht zunehmend auch die Art der Aufarbeitung.

Ausgangspunkt dieses Konflikts war und bleibt der 13.03.2026.

An diesem Tag wurde eine Grenze überschritten, deren Folgen die Lübecker Fanszene bis heute spalten. Statt diesen Ausgangspunkt, seine Ursachen und seine Folgen konsequent aufzuarbeiten und daraus gemeinsam eine nachhaltige Lösung zu entwickeln, verlagerte sich der Fokus aus unserer Wahrnehmung zunehmend.

Seit einigen Wochen werden wir immer wieder mit neuen Anschuldigungen konfrontiert. Einige sind aus unserer Sicht nachvollziehbar, aber stehen aus unserer Sicht in keinerlei Relation zu dem Verrat vom 13.03. Weitere Anschuldigungen sind teilweise nicht nachvollziehbar oder schlichtweg erlogen.

Zu anderen Themen haben wir mehrfach eindeutig Stellung bezogen und unsere Haltung insbesondere gegenüber Extremismus und entsprechender Symbolik unmissverständlich klargemacht, trotzdem werden bereits beantwortete Sachverhalte immer wieder erneut aufgegriffen.

Für uns entsteht dadurch zunehmend der Eindruck, dass nicht mehr ergebnisoffen aufgearbeitet wird, sondern immer neue Gründe gesucht werden, um eine bereits entstandene Bewertung unseres Fanclubs zu bestätigen.

Besonders problematisch ist für uns dabei die mittlerweile vorgenommene Zurechnung einer vermeintlichen Verantwortung für Personen, die sich in unserem Umfeld oder aktuell im B-Block bewegen sollen. Wir übernehmen Verantwortung für unseren Fanclub und für das Verhalten unserer Mitglieder.

Soll ein solcher Maßstab Bestandteil der Aufarbeitung sein, muss er transparent definiert und ausnahmslos auf alle beteiligten Gruppen und deren jeweiliges Umfeld angewendet werden.

Hinzu kommt ein Punkt, den wir bislang bewusst nicht in den Mittelpunkt unserer öffentlichen Kommunikation gestellt haben:

Im und um den Verein bestehen persönliche, fanbezogene und geschäftliche Verbindungen zwischen Personen, die auf der einen Seite mit der Aufarbeitung und Bewertung dieses Konflikts befasst und auf der anderen Seite für diesen verantwortlich sind. Darüber hinaus wurde von außen durch eine politisch exponierte Person, welche ebenfalls Verbindungen zur Konfliktpartei unterhält, auf die Debatte um diesen Konflikt eingewirkt.

Die Bewertung ob diese Beziehungen zu einer ehrlichen und objektiven Konfliktaufarbeitung geführt haben, überlassen wir jedem VfBer.

Wir haben das Vertrauen in eine objektive, mit der notwendigen Distanz geführten Aufarbeitung verloren. Umso schwerer wiegt für uns, dass konstruktive Lösungsansätze aus der Fanszene bislang keine erkennbare Berücksichtigung gefunden haben.

Am 10.08.2026 wandten sich mehrere Fangruppen gemeinsam an den Verein und sprachen sich ausdrücklich gegen eine dauerhafte Mehrfach-Block-Lösung aus. Dieses Schreiben blieb unbeantwortet.

Währenddessen wurden wir vor dem Spiel gegen Phönix vom Vorstand mit folgendem aus unserer Sicht zweifelhaften ‚Lösungsvorschlag‘ durch den eingesetzten Vermittler konfrontiert: Wir sollten uns innerhalb einer gesetzten Frist öffentlich zum vorgesehenen Weg im B-Block bekennen, andernfalls sollte nach unserer Erinnerung seitens des Vereins kommuniziert werden, dass wir kein Interesse an einer Konfliktlösung hätten. Diesen Vorgang haben wir als massiven Druckversuch empfunden, der mit einer ergebnisoffenen Vermittlung für uns nur schwer vereinbar war.

Am 24.08.2026 richteten wir uns an die Gremien des VfB und stellten ausdrücklich die Frage, ob es im laufenden Prozess noch um eine gemeinsame Aufarbeitung und eine nachhaltige Befriedung der Fanszene geht.

Gleichzeitig unterbreiteten wir einen konkreten Kompromiss:

Die Pappelkurve für alle Fans und Fangruppen wieder zu öffnen und zunächst beide unmittelbar am Konflikt beteiligten Gruppen außerhalb dieses Blocks zu belassen.
Damit wären nicht die Interessen einer einzelnen Gruppe, sondern die Pappelkurve, die übrige Fanszene und der VfB in den Mittelpunkt gestellt worden.

Auch dieser Vorschlag fand keinen erkennbaren Eingang in die nun gewählte Lösung.

Stattdessen darf eine der beiden Konfliktparteien in die Pappelkurve zurückkehren. Wir verbleiben im B-Block und unsere mögliche spätere Rückkehr wird an weitere uns unbekannte Voraussetzungen und eine aus Sicht des Vereins noch zu leistende, uns ebenso nicht definierte, interne Aufarbeitung geknüpft.

Die Frage, ob die Verantwortung für die Ereignisse seit dem 13.03. und die daraus resultierenden Konsequenzen für alle Beteiligten tatsächlich nach denselben Maßstäben bewertet wurden, möchten wir an dieser Stelle bewusst nicht selbst beantworten.

Wir überlassen diese Bewertung Euch.

Wir haben eigene Fehler nie grundsätzlich ausgeschlossen. Wir waren und sind bereit, über konkrete und belegbare Verfehlungen zu sprechen, eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.

Was wir nicht akzeptieren können, ist eine immer weiter abschweifende Suche nach Verfehlungen auf unserer Seite, während der eigentliche Ausgangspunkt dieses Konflikts zunehmend in den Hintergrund tritt.

Aufarbeitung darf keine Einbahnstraße sein. Gesprächsbereitschaft darf nicht zum Nachteil derjenigen werden, die sich Gesprächen stellen und gleiche Maßstäbe dürfen nicht nur eingefordert werden, sie müssen für alle gelten!

Nach mehr als sechs Monaten kennen wir unseren Anteil an diesem Prozess. Wir wissen, wie viele Gespräche wir geführt haben. Wir wissen, welchen Fragen und Vorwürfen wir uns gestellt haben. Und wir wissen, wie oft wir versucht haben, Kompromisse und Lösungswege aufzuzeigen.

Deshalb werden wir weder akzeptieren, dass unsere Gesprächsbereitschaft rückblickend anders dargestellt wird, noch dass der Ausgangspunkt dieses Konflikts irgendwann zu einer Randnotiz seiner Aufarbeitung wird.

Ob das Ergebnis dieses Prozesses dem Anspruch einer objektiven, ausgewogenen und an gleichen Maßstäben orientierten Aufarbeitung gerecht wird, kann und soll jeder selbst beurteilen.

Eines steht für uns jedoch unabhängig davon fest:

Die Halunken sind Teil des VfB Lübeck. Die Menschen, die uns in den vergangenen Monaten begleitet und unterstützt haben, sind Teil dieses Vereins und unsere Verbundenheit mit dem VfB hängt nicht davon ab, wer diesen Verein gerade versucht zu führen.

Grün-Weiße-Grüße
Halunken“

In den ersten drei Heimspielen der aktuellen Saison fand weiterhin eine Teilung der Fangruppen statt. Etwa 100 Fans wohnten pro Spiel dem Standort des Fanclub Halunken bei. Der Block von UKL wurde im Schnitt von rund 160 Personen bevölkert. Als der VfB Oldenburg im Mai im Stadion an der Lohmühle gastierte, war der Fanblock um UKL über 300 Fans stark, im Block B bei Halunken standen rund 210 Fans. Faszination Fankurve berichtete von dieser Partie.