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Ein Wiedersehen mit Folgen: Hertha-Fans boykottieren Auswärtsspiel in Dresden

Stefan Langer 18.09.2026 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Am Samstag treffen Dynamo Dresden und Hertha BSC erstmals seit den schweren Ausschreitungen im April wieder aufeinander. Damals sorgten Pyrotechnik, Fahnenklau, ein Platzsturm und eine fast 20-minütige Unterbrechung für Schlagzeilen. Nun sind die Folgen des Abends unübersehbar: ein halbierter Gästeblock, personalisierte Tickets und eine aktive Hertha-Fanszene, die dem Spiel fernbleibt.

Es war ein Abend, der sich tief in die jüngere Geschichte der beiden Fanszenen eingebrannt hat. Am 4. April 2026 trafen Dynamo Dresden und Hertha BSC im Rudolf-Harbig-Stadion aufeinander. Sportlich gewannen die Berliner mit 1:0. Doch das Ergebnis geriet schnell zur Nebensache.

Faszination Fankurve berichtete ausführlich über das Aufeinandertreffen und die Ereignisse rund um die Partie. Zu Beginn des Spiels sah man im Gästeblock eine groß angelegte Pyroshow. Im dichten Rauch kam es anschließend zu einem Fahnenklau durch Dresdner Anhänger.  Hertha-Fans gelangten daraufhin aus dem Gästeblock in den Innenraum, auf Dresdner Seite überwanden ebenfalls zahlreiche Anhänger die Absperrungen. Pyrotechnik wurde in Richtung der jeweils anderen Fanbereiche eingesetzt. Das Spiel musste für rund 20 Minuten unterbrochen werden.

Die Polizei nahm anschließend zahlreiche Ermittlungen auf. Bereits wenige Tage nach dem Spiel richtete die Polizeidirektion Dresden die Ermittlungsgruppe „Fahne“ ein. Die zunächst 14-köpfige Gruppe wurde von der Berliner Polizei unterstützt und sollte die Abläufe rund um die Ausschreitungen aufarbeiten und Tatverdächtige identifizieren.

Die Ereignisse beschäftigten Dynamo Dresden unmittelbar nach dem Spiel. Der Verein kündigte eine umfassende Aufarbeitung an und wollte gemeinsam mit Polizei, Verbänden, Sicherheitsverantwortlichen, Fanprojekt, Fanszene und Hertha BSC analysieren, wie es zu der Eskalation kommen konnte.

Auch die Konsequenzen wurden anschließend konkret. Dynamo wurde mit einer Geldstrafe von 91.200 Euro belegt, Hertha mit 152.000 Euro. Für die direkten Duelle in dieser Saison wurde außerdem das Gästekontingent jeweils auf die Hälfte reduziert. Die Tickets für diese Bereiche müssen personalisiert sein.

Genau diese beiden Auflagen sind nun der Ausgangspunkt für den Protest der Berliner Fanszene. Die Ostkurve Hertha BSC hatte bereits am 30. August unmissverständlich angekündigt, unter diesen Bedingungen nicht nach Dresden zu fahren.

„Unter den gegebenen Bedingungen (Einschränkungen des Gästekontingents, personalisierte Tickets) werden wir dem Auswärtsspiel in Dresden nicht beiwohnen“, heißt es in der Stellungnahme. Die Fanszene verbindet ihre Entscheidung ausdrücklich mit grundsätzlicher Kritik an Kollektivstrafen.

„Kollektivstrafen lösen keine Probleme und verfehlen somit ihren Zweck“, schreibt die Ostkurve. Gleichzeitig wird den Verbänden vorgeworfen, weiterhin keine „vernünftigen Lösungen“ anzubieten.

Die Botschaft ist damit eindeutig: Die aktive Fanszene will die Sanktionen nicht einfach hinnehmen. Stattdessen soll das Fernbleiben vom Spiel ein gemeinsames Signal gegen Kollektivstrafen setzen.

„Holt Euch keine Tickets für das Spiel in Dresden!“, fordert die Ostkurve ihre Anhänger auf. Gleichzeitig kündigte sie eine Alternativveranstaltung für die Hertha-Fans an.

Der Boykott ist damit nicht lediglich eine Reaktion auf ein reduziertes Kartenkontingent. Er steht im Kontext einer seit Jahren geführten fanpolitischen Auseinandersetzung um die Frage, wie Verbände auf ein aus ihrer Sicht festgestelltes Fehlverhalten in und rund um Fußballstadien reagieren sollen.

Der Unterschied zum vergangenen Duell dürfte deshalb unmittelbar sichtbar werden. Im April waren rund 3.000 Hertha-Anhänger in Dresden. Für das kommende Spiel ist das Gästekontingent auf 1.400 Plätze begrenzt. Eines dürfte bereits vor dem Anpfiff feststehen: Die Berliner Fanszene wird am Samstag nicht schweigend fehlen. Ihr Fernbleiben ist selbst die Botschaft.

„Gemeinschaft statt Kollektivstrafe“ lautet ihr Aufruf. Im Rudolf-Harbig-Stadion wird am Samstag zu sehen sein, wie dieser Protest aussieht.

Faszination Fankurve dokumentiert den Aufruf der Ostkurve Hertha BSC:

Gemeinschaft statt Kollektivstrafe!

Unter den gegebenen Bedingungen (Einschränkungen des Gästekontigents, personalisierte Tickets) werden wir dem Auswärtsspiel in Dresden nicht beiwohnen. Ein solches Vorgehen darf keine Schule machen:
Kollektivstrafen lösen keine Probleme und verfehlen somit ihren Zweck. Sie zeigen, dass die Verbände weiterhin keine vernünftigen Lösungen anzubieten haben.

Daher möchten wir alle Herthaner dazu aufrufen: Lasst uns ein gemeinsames Signal senden, damit Kollektivstrafen durch die Verbände nicht erneut Einzug erhalten.
Holt Euch keine Tickets für das Spiel in Dresden!

Wir informieren zeitnah über eine geplante Alternativverstanstaltung für alle!

30.08.2026, Ostkurve Hertha BSC