„Jedwedes Handeln sollte stetig hinterfragt werden“

Faszination Fankurve 05.12.2012 0 Kommentare

Foto: wh96.de

Am kommenden Samstag findet auch in Köln eine Demonstration für den Erhalt der Fankultur statt. Stadionwelt sprach mit Stephan Schell, einem Vorbereiter der Demo über die Demonstration und das DFL-Sicherheitspapier. Außerdem wagt Schell einen Blick auf die Zeit nach dem 12. Dezember.

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 Stadionwelt:  In eurer Stadt soll am 08. Dezember 2012 eine von euch organisierte Fandemonstration stattfinden. Gegen was möchtet ihr demonstrieren?
 Stephan Schel l: In erster Li nie möchten wir nicht GEGEN, sondern FÜR etwas Demonstrieren. In dem Fall für die Fankultur mit dem Thema „Zum Erhalt der Fankultur“, in Anlehnung der gleichnamigen Kampagne. Inhaltlicher Aufhänger ist dabei auch die Kritik am aktuellen Diskussionspapier der DFL. In erster Linie allerdings, und das möchten wir ganz klar betonen, geht es um gemeinsame Ziele für die wir Fußballfans alle gemeinsam einstehen sollten: Für Erhalt der Stehplätze, für eine farbenfrohe, lautstarke und emotionale Fankultur, für den Volkssport Fußball als öffentliches Kulturgut und für einen besseren Zusammenhalt unter den Fußballfans unabhängig ob man Ultra, Trikotträger oder „Kutte“ ist.

Stadionwelt: Wie seid ihr auf die Idee der Aktionsform Demonstration gekommen und wie gestaltet sich die Planung und Organisation bisher?
Schell: Die Idee entstand im Rahmen des sommerlichen Treffens von Pro Fans, also schon bevor der erste Fußballfan vom Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ gehört hatte. Die bei Pro Fans angeschlossenen Fanszenen hatten sich darauf geeinigt der Sommerloch-Debatte um angeblich gestiegener Fangewalt Herr zu werden, ein Gleichgewicht herzustellen und die Diskussionen zurück in die Sachlichkeit zu katapultieren. Pro Fans sollte dabei lediglich den Rahmen stellen, die Aktionen jedoch regional verschieden ausgelegt und von den Fanszenen eigenständig organisiert werden. Das DFL-Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ und die im direkten Anschluss folgenden Diskussionen und Reaktionen aus verschiedenen Fanlagern hat dann dazu geführt das sich die Situation geändert hat und die Protestformen vielfältiger wurden.

Stadionwelt: Welche anderen Protestformen werden ihr in den nächsten Wochen vor dem 12. Dezember nutzen, um euren Unmut zu verdeutlichen? Beteiligt ihr euch am stillen Protest zu Beginn der kommenden Spieltage?
Schell: Ja wir beteiligen uns daran. Der stille Protest wird bei uns in Köln als Stimmungskontrast bezeichnet und wird von den Gruppen der Südkurve ab dem Auswärtsspiel in Berlin durchgeführt. Klare Frage hierzu: „Wollt ihr es so haben? – Oder so?“

Stadionwelt: Sind die Fans anderer Vereine auf eurer Demonstration willkommen oder sogar in die Organisation eingebunden?
Schell: Schon im Sommer wurde sich darauf geeinigt, dass die jeweiligen Demonstrationen regional verschieden ausgelegt werden können. Hier in Köln hat man sich bei der Frage zur Terminierung auf den 08.12. festgelegt um die Demonstration abseits eines Spieltags zu organisieren. Da die meisten Fanszenen an diesem Tag allerdings ein Pflichtspiel haben, stand die Teilnahme anderer Fanszenen bislang nicht zur Diskussion.

Stadionwelt: Inwiefern habt ihr versucht auf euren eigenen Verein einzuwirken, der ebenfalls ein Stimme auf der DFL-Versammlung am 12. Dezember besitzt?
Schell: Auch wenn wir uns hier in Köln in Sachen Dialog mittlerweile auf einem guten Weg befinden hat man sich mit dieser Thematik zu wenig ausgetauscht. Im Rahmen der AG Fankultur kam das Thema zwar auf den Tisch, jedoch in einem Rahmen der es dem Verein und der Fanszene nicht ermöglicht hat eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Wie auch? Die von der DFL vorgegebene Zeit konnte ja schon von den Vereinen kaum eingehalten werden. Dadurch war ein konstruktiver Austausch nicht möglich. Auch ein grundlegendes Argument dem aktuellen „Diskussionspapier“ eine klare Absage zu erteilen! Unter dem Strich haben wir dem FC lediglich unsere ablehnende Haltung mit kurzen Sätzen, sowie einem Hinweis auf die Stellungnahme von Union Berlin, mitgeteilt.

Stadionwelt: Welche Entscheidung wünscht ihr euch für den 12. Dezember 2012 von den DFL-Mitgliedern und welche haltet ihr für realistisch?
Schell: Wir wünschen uns dass man der Öffentlichkeit endlich die Wahrheit sagt: Das keine Notwendigkeit für ein derartiges Handlungsspektrum besteht! Vorgänge, die bei großen Menschenversammlungen nun mal vorhanden sind, sollten mit den Fans im Dialog angegangen werden. Außerdem wünschen wir uns, dass die Agitatoren, welche sich scheinbar die Ausrottung einer lebendigen Fankultur zum Ziel gemacht haben, endlich Mundtot gemacht werden. Zurück zur Sachlichkeit sollte das Motto lauten! Hierbei sind allerdings auch wir Fußballfans in die Pflicht genommen. Jedwedes Handeln sollte stetig hinterfragt werden.
Realistisch betrachten wir es negativer. Das Vertrauen in die Verbände tendiert derzeit gen Null! Man erkennt durch die von der DFL gestellten Maximalforderungen in der ersten Version, der medialen Begleitung der Thematik und dem nicht aufhörenden Druck von Außen eine Art Konzept hinter dem Konzept. Der sogenannte „Schulterschluss“ ist für uns daher eine Scheinnummer, insbesondere weil der Dialog an der Schulter der Fußballfans vorbei gegangen ist! So schätzen wir die Situation auch nach der Überarbeitung des Konzepts „Sicheres Stadionerlebnis“ als gegenwärtiges „Diskussionspapier“ für die Fußballfans in diesem Land als sehr kritisch ein. Ehrlich gesagt könnten die Inhalte des „DFL-Papiers“ in der Tat der Anfang vom Ende einer lebendigen Fankultur sein.

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Bereits gegen Hertha und Ingolstadt schwiegen die FC-Fans am Anfang der Partie.
Bild: wh96.de

Stadionwelt: Wie geht es nach dem 12 Dezember weiter?
Schell: Wir werden weitere Einschnitte in unsere Rechte nicht hinnehmen und werden auch weiterhin reagieren. Wie dies im Einzelnen aussieht kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht gesagt werden. Wir sind der Hoffnung, dass weitere Vereine dem Beispiel vom FC St. Pauli folgen und ebenfalls dem am 15.11. überarbeiteten „DFL-Papier“ eine Absage erteilen werden, auch wenn wir nicht wirklich daran glauben. Daher stellt sich für uns auch die Frage nach den regionalen Auslegungen der einzelnen Formulierungen im aktuellen „Diskussionspapier“. Es scheint so als wäre die DFL mit der Überarbeitung des ersten Pamphlets den Schritt auf die Fußballfans zugegangen. Doch lassen die neuen publizierten Formulierungen nach unserer Einschätzung relativ viel Spielraum für jegliche Auslegungen zu. Diese würden wiederum in Maßnahmen münden, die am Ende dann doch alle Fußballfans betreffen. Die nächsten Fragen werden daher offenbar von den Fanszenen an ihre Vereine gestellt: Wie sieht bei euch die Umsetzung in die Praxis aus? Und da könnte es in der Tat sehr spannend werden, wenn man bedenkt dass es heute schon Vereine gibt die für „Kontrolleinrichtungen“ (z.B. Container in den man sich der Kleidung entledigen muss damit man ins Stadion darf) noch nicht einmal ein „DFL-Papier“ benötigen. Wir wollen die Sache nicht schwärzer malen als sie wirklich ist, aber in der nächsten Saison wird sich zeigen, welcher Verein hinter seinen Fans steht und wie viel Freiräume den Kurven noch zugeteilt werden. Um dem von uns gewünschten Freiraum auch gerecht zu werden, müssen jedoch auch wir Fußballfans unseren Teil dazu beitragen. (Stadionwelt, 03.12.2012)

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Bereits gegen Hertha und Ingolstadt schwiegen die FC-Fans am Anfang der Partie.
Bild: wh96.de
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