Kurzinterview Pyrotechnik legalisieren: Commando Cannstatt

Faszination Fankurve 06.12.2010 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Stadionwelt hat alle an der „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ beteiligten Fangruppen um ein Kurzinterview gebeten. Die erhaltenen Antworten werden hier nach und nach veröffentlicht. Die Ultras des VfB Stuttgart anworteten ausführlich.

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Stadionwelt: Warum macht Ihr bei der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ mit?
Commando Cannstatt: Die Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ist die erste bundesweite Aktion, an der wir nach fünf Jahren Abstinenz wieder teilnehmen. Um die Gründe hierfür zu erläutern, muss man etwas weiter ausholen. Bis 2005 hat unsere Gruppe an allen überregionalen Aktivitäten und Aktionen teilgenommen. Darunter unter anderem die Fandemos in Berlin 2002 und Frankfurt 2005, diverse Pro 15:30-Aktionen etc. Nach dem gescheiterten bundesweiten Stimmungsboykott 2005 haben wir uns als Gruppe von überregionalen Aktivitäten weitgehend zurückgezogen. Allerdings haben wir immer betont, dass wir szeneübergreifenden Aktionen generell offen gegenüberstehen – aber eben nur, wenn wir darin auch einen Sinn sehen. Hauptgrund für unseren Rückzug war und ist, dass Pro Fans als Organisator dieser Aktionen in unseren Augen ein gescheitertes Bündnis ist, dem es an lösungsorientiertem Handeln und nachhaltigem Engagement fehlt. Anderen Gruppen in Deutschland ging es anscheinend ähnlich wie uns und so zogen sich nach und nach immer mehr, vor allem größere Gruppen zurück. Dies trug sicherlich auch einen Teil dazu bei, warum szeneübergreifenden Aktionen in den letzten Jahren die nötige Durchschlagskraft fehlte. Spruchbandaktionen und weitere Aktivitäten verliefen zunehmend im Sande, es mangelte an öffentlicher Wahrnehmung und einem eigenen Profil. Außenstehenden war nicht ersichtlich, was Pro Fans überhaupt macht, welche Themen vorrangig verfolgt werden und was eigentlich der Unterschied zwischen Pro Fans, Unsere Kurve und BAFF ist.
Unter diesen Vorzeichen sahen wir auch ein so großes und vorbereitungsintensives Projekt wie die diesjährige Demo in Berlin sehr skeptisch. Zudem sehen wir grundsätzlich den Ansatz einer bundesweiten Demo derzeit als nicht zielführend an. Den wesentlichen Ausschlag für unser Fernbleiben bei der Demo gab schließlich die thematische Struktur. Statt der Fokussierung auf ein Kernthema wurde praktisch gegen die gesamte Palette an Problemen des modernen Fußballs demonstriert. Auch wenn jedes einzelne dieser Themen für uns als Ultras absolut wichtig und unterstützenswert ist, verpufft der Effekt, wenn für die Öffentlichkeit kein nachvollziehbares Kernthema ersichtlich ist, um das es „den Fußballfans, die da auf der Straße demonstrieren“, geht. Letztlich war die Demo von außen betrachtet zwar bunt, kreativ und auch gar nicht schlecht besucht, allerdings in unseren Augen durch fehlende Konkretisierung der Zielsetzung im vorhinein zum Scheitern verurteilt. Wir wollen aber nicht nur kritisieren, denn es gab auch Dinge, die uns positiv aufgefallen sind. Sehr gut fanden wir zum Beispiel die Redebeiträge, die es später für Nicht-Teilnehmer wie uns auch in Blickfang Ultra sowie auf diversen Internetseiten der Gruppen zu lesen gab. Das Thema Selbstreflexion, welches wir in unserem Blickfang-Ultra-Artikel „Einbrüche, Aufbrüche, Hausbesuche – die neuen Werte der Ultras?“ ja auch angesprochen hatten, wird die Kurven in Deutschland hoffentlich noch eine Weile beschäftigen. Im angesprochenen Artikel haben wir, ausgehend vom Thema Raumaufbrüche und Fahnenklau, unter anderem zu einer Diskussion über das Selbstverständnis der Ultras sowie einer bundesweiten Zusammenarbeit der Gruppen für die Werte der Ultras aufgerufen. Genau jenes geschieht jetzt – wenn auch zunächst nur auf das Thema Pyro beschränkt – mit der Kampage. Wir unterstützen die Idee, in Deutschland eine vergleichbare Aktion zur österreichischen Initiative "Pyrotechnik ist kein Verbrechen" zu starten. Bei der jetzigen Kampagne stimmt bisher nicht nur das Engagement, es wird auch oben genannte Konkretisierung auf ein wichtiges Kernthema umgesetzt. Wir hoffen, dass die Kampagne langfristig eine Veränderung der Sichtweise zum Thema Pyro bei Vereinen, Verbänden und normalen Stadionbesuchern bewirken kann. Damit dies gelingt, muss es aber vor allem zu einer Sensibilisierung der deutschen Szenen (auch der unseren) kommen – hin zu Pyro als eindrucksvollstes optisches Stilmittel der Ultras, weg vom „Krawallzündeln“, Bengalwürfen, dem Abschuss von Leuchtspurmunition und Böllern. Unser Auswärtsspiel in Bern ist ein schönes Beispiel dafür, wie der Einsatz von Pyrotechnik aussehen kann und wie wir ihn uns vorstellen. Lautstarke Gesänge hallen durchs Stadion, Fahnen werden geschwenkt und Bengalos erleuchten den Block. Pyro als Ausdruck purer Emotionen! Dazu ein verantwortungsvoller Umgang, Bengalos in der Hand gehalten und eben nicht auf dem Boden oder gar anderen Blöcken entsorgt. Zusätzlich erachten wir es als wichtig, dass hochwertige pyrotechnische Produkte verwendet werden und keine minderwertigen Artikel. Unsere Beteiligung an der bundesweiten Kampagne fußt aber nicht nur auf deren Zielen, die wir unterstützen, sondern auch auf der Hoffnung, in Zukunft durch eine bessere Organisationsform wieder bundesweit nachhaltige Aktionen für die Ultras- und Fankultur in Deutschland starten zu können.

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Pyrotechnik der Stuttgarter in der EuroLeague in Bern
Bild: www.ybfoever.ch

Stadionwelt: An der Kampagne sind verschiedene Ultràgruppen von Vereinen, die in unterschiedlichen Spielklassen spielen, beteiligt. Wie schätzt Ihr die Chancen für die Umsetzung der Forderungen der Kampagne bei Euch vor Ort ein?
Commando Cannstatt: In der Bundesliga sind die Rahmenbedingungen für eine Legalisierung natürlich um eine vielfaches schwieriger als in unteren Klassen. Allerdings dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein, dass sich Pyrotechnik durch ein generelles Verbot nicht aus den Stadien vertreiben lässt. Im Gegenteil, aufgrund des Verbotes wird in engen Blöcken verdeckt gezündet. Die Gefahren dieses verdeckten Zündens und dem Abbrennen auf dem Boden sind viel höher als bei einer kontrollierten Form. Ein Beispiel hierfür ist sicherlich der Fall der verletzten Nürnberger Fans im Bochumer Gästeblock. Diese Erkenntnis ist mittlerweile wohl auch beim DFB angekommen, von welchem bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert wurde. Deshalb sind wir recht zuversichtlich auf diesem Gebiet bundesweit eine Verbesserung erzielen zu können.

Stadionwelt: Wie habt Ihr die Kampagne am letzten Wochenende bekannt gemacht und welche weiteren Aktionen sind von Euch eventuell noch geplant?
Commando Cannstatt: Das letzte Wochenende diente vor allem dazu, die Kampagne bekannt zu machen. Dies wurde bei uns über Infotexte in unserem Kurvenflyer „Cannstatter Blättle“, unserer Homepage und Newsletter durchgeführt. Zudem gab es noch ein Spruchband mit dem Titel der Kampagne: „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren!“ In der bereits oben angesprochenen Sensibilisierung der Fanszene sehen wir auch bei uns in Stuttgart eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit. Natürlich können wir auch in Zukunft nicht für jede Person unserer Fanszene die Hand ins Feuer legen, aber generell muss einfach jedem klar werden, dass der Einsatz von Böllern, fliegende Bengals etc. unserem gemeinsamen Ziel nur schadet und die Glaubwürdigkeit der gesamten Kampagne zerstört.
(Stadionwelt, 06.12.2010)

Hier geht es zum großen Interview mit einem Vertreter der Kamapgne "Pyrotechnik legalisieren – Emotinen respektieren":
Interview mit Jannis Busse

Hier geht es zu weiteren Kurzinterviews zum Thema:
Kurzinterview Legio Augusta
Kurzinterview Borussia Dortmund

Kurzinterview Chosen Few Hamburg

Kurzinterview Fialova Sbor

Kurzinterview Aachen Ultras

Kurzinterview Ultras Chemnitz

Kurzinterview Ultras Krefeld
Kurzinterview Ultras Gelsenkirchen

Kurzinterview Weekend Brothers

Kurzinterview Wuhlesnydikat

Kurzinterview Cattiva Brunsviga
Kurzinterview B-Block Würzburg
Kurzinterview Pfalz Inferno Kaiserslautern
Kurzinterview Commando Cannstatt – VfB Stuttgart
Kurzinterview Ultras Essen

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Pyrotechnik der Stuttgarter in der EuroLeague in Bern
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