Am 9. Oktober findet in Berlin erstmals nach fünf Jahren wieder eine bundesweite Fan-Demo statt. Das Motto: „Erhalt der Fankultur“. Stadionwelt sprach mit Philipp Markhardt von ProFans über die Organisation und die Ziele der Demonstration am Alexanderplatz.
„Über Fans wird meist nur bei negativen Vorfällen berichtet“
Foto: Beckumer Jungs
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Stadionwelt: Momentan scheint sich viel bei ProFans zu tun. Vor wenigen Wochen wurde ein Ultimatum an DFB und DFL gestellt und nun noch der Aufruf zur „Erhalt der Fankultur“-Demo in Berlin. Gab es einen bestimmten Grund weshalb nun alles in so kurzer Zeit geschah, oder ist es vielmehr die logische Konsequenz auf das gestellte Ultimatum?
Markhardt: Die Demo und die Pressemitteilung, die das Ultimatum beinhaltete, gehen Hand in Hand. Zu beidem haben sich die ProFans-Vertreter auf dem diesjährigen Sommertreffen in Kaiserslautern entschlossen. Allerdings war der einhellige Tenor, dass die anderen Fanorganisationen (Anm. d. Red.: u.a. BAFF, Unsere Kurve) bei beidem mit ins Boot geholt werden müssen. Das stellte sich übrigens einfacher dar, als gedacht und zeigt den Unmut der Fans unterschiedlichster Strömungen gut auf.
Egal in welcher Liga – Die Fans machen mobil…
Bild: Beckumer Jungs
Stadionwelt: Kann man die Demo als Weckruf für Fans und für die Verantwortlichen sehen? Beziehungsweise gingen die Fans bislang zu viele Kompromisse ein, so dass die Ansprechpartner sie nicht ernst nahmen?
Markhardt: Auf jeden Fall. Viele Fans, die nicht so nah am Geschehen dran sind, sollen informiert und für die Sache gewonnen werden. Gleichzeitig hoffen wir, dass sich so viele Fanszenen wie möglich auf der Demo zeigen. Auch die, die vielleicht weniger von einer gemeinsamen Aktion halten. Gegenüber den Verantwortlichen wollen wir klarmachen, dass wir es mit unseren Forderungen, endlich einmal Ergebnisse zu schaffen, ernst meinen und dass wir nicht nur die jeweiligen Ansprechpartner bei der AG Fandialog sind, sondern eine große Menge an Fans.
Stadionwelt: Nach Berlin 2002 und Frankfurt im Jahr 2005 kommt die Demo wieder zurück in die Hauptstadt. Was war der ausschlaggebende Punkt, dass gerade dieser Veranstaltungsort gewählt wurde?
Markhardt: Wir wollen mit dieser Demo den Bogen zur Demo 2002 schlagen und das damals begonnene Engagement endlich zusammen weiterführen. Deswegen erhält die Demo/Initiative auch den gleichen Slogan und der Grundlagentext zur Demo vergleicht die Zeit/Entwicklung von damals bis heute.
Stadionwelt: Im Internet lief die Vorankündigung für die Demo schon in so ziemlich jedem Forum und einige große Ultragruppierungen veröffentlichten die Einladung in ihren Kurvenflyern oder auf den jeweiligen Webseiten. Wie ist bisher das Feedback der Fans?
Markhardt: Bei den innerhalb ProFans beteiligten Gruppen ist das Feedback durchweg positiv. Dies ist jedoch nur eine logische Konsequenz, da die Entwicklungen der letzten Saison gemeinsam betrachtet und diskutiert wurden, mit dem Ergebnis eine Demo durchzuführen, um sowohl auf die Vorfälle zu reagieren, als auch die weiterhin bestehenden Probleme der Fans in den Fokus zu rücken.
Bei der Betrachtung der Unterstützerliste auf dem Demo-Blog www.erhalt-der-fankultur.de kann man zum momentanen Zeitpunkt ebenfalls zufrieden sein, vor allem wenn man bedenkt, dass die Presse bislang leider noch nicht auf die Demo eingegangen ist.
Wir hoffen natürlich, dass sich das ändert und auch innerhalb der Szenen weiterhin Aufklärungsarbeit betrieben wird. Es ist natürlich bedauerlich, dass einige Szenen aus verschiedensten Gründen nicht mitziehen können oder wollen.
Stadionwelt: Wie bereits erwähnt wurde bisher nur über die eigenen Kanäle von Euch Werbung gemacht. Seid Ihr etwas enttäuscht über das bisher noch geringe Medienecho?
Markhardt: Natürlich. Allerdings werden wir zeitnah noch mal eine Presseerklärung veröffentlichen, was die Situation hoffentlich ändern wird. Letztendlich spiegelt das jedoch momentan genau die Situation wieder, die wir durch die Demo kritisieren. Über Fans wird meist nur bei negativen Vorfällen berichtet. Die positiven Entwicklungen, wie zum Beispiel Choreographien, Stimmung, soziales Engagement und so weiter finden leider viel zu wenig Beachtung.
…für die bundesweite Fan-Demo am 9. Oktober in Berlin
Bild: WH96.de
Stadionwelt: Was erhofft Ihr Euch genau von der Demonstration am Alexanderplatz und wie hoch schätzt Ihr die Teilnehmerzahl?
Markhardt: Sollte sich, wie bereits angesprochen, das Medienecho in Bezug auf die Demo noch verbessern und dadurch auch noch mehr Fans erreicht werden, sowie auch die Mobilisierung der organisierten Fan- und Ultragruppen wie erhofft verlaufen, dann ist eine Teilnehmerzahl von knapp 3.500 Personen aufwärts nicht unrealistisch.
Sollte jedoch wider Erwarten eine geringere Zahl erreicht werden, dafür jedoch der Ablauf reibungslos funktionieren und die Themen positiv dargestellt und vermittelt werden, dann könnte man natürlich trotzdem ein positives Fazit ziehen.
Die Ziele sollten eigentlich klar sein. Vor allem wollen wir auf die Vorwürfe der letzten Saison reagieren und diese richtig stellen und die positiven Elemente der Fankultur wieder mehr in den Fokus rücken.
Die aktuellen Entwicklungen, Probleme und Gefahren unserer Fankultur werden durch die teilnehmenden Fans natürlich ebenfalls aufgezeigt.
Wir wollen gemeinsam für die Fankultur, die wir leben, einstehen und dafür werben sowie das Verständnis der Fanszenen für fanpolitische Zusammenarbeit wecken. Ganz wichtig ist jedoch auch die Selbstreflexion der Fanszenen über ihr eigenes Denken und Handeln.
Weiterhin konnten bei der AG Fandialog mit DFB/DFL während der letzten Jahre keine Verbesserungen erzielt werden. Vielmehr schien es so, dass die Veranstaltung dazu dienen sollte, dass sich der DFB und die DFL als gesprächsbereit und fannah hinstellen konnten. Durch diese Demo sollen sowohl der DFB/DFL als auch die Öffentlichkeit sehen, dass der angedrohte Ausstieg aus eben dieser AG Fandialog nicht nur den Unmut der Teilnehmer der Fanorganisationen darstellt, sondern dass dahinter auch eine große Masse an Fans steht.
Außerdem soll die Demo erst der Anfang sein und als Startschuss für eine langfristig angelegte Kampagne dienen, an der jeder einzelne Fan, aber auch Fan- und Ultragruppen, die bislang nicht die Zusammenarbeit innerhalb ProFans gesucht haben, herzlich eingeladen sind mitzuarbeiten. Schließlich gilt es, hier gemeinsam für den „Erhalt der Fankultur“ zu kämpfen. (Stadionwelt, 28.09.2010)
Den zweiten Teil des Interviews mit Philipp Markhardt von ProFans gibt es morgen!
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