„Die Stimmung ist eindeutig Pro-Dresden“

Faszination Fankurve 20.03.2009 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In Dresden wird momentan das Rudolf-Harbig-Stadion komplett umgebaut. Doch anstatt herrschender Vorfreude auf das neue Stadion, droht der Umzug nach Leipzig. Stadionwelt sprach mit Christian Kabs vom Fanprojekt Dresden über den Stand der Dinge.

Werbung

Stadionwelt: Wie ist der aktuelle Stand der Dinge in Dresden?
Kabs: Das kann ich leider auch nicht zu hundert Prozent sagen. Da wir vom Fanprojekt keine Einsicht in die Akten haben und auch bei den Verhandlungen nicht mit am Tisch sitzen. Fakt ist aber, es besteht erheblicher Gesprächsbedarf zwischen dem Bauunternehmen und den Bauherren, der Stadt Dresden und Dynamo Dresden.

Bild: Stefan Rittershaus“ loading=“lazy“>

In Dresden herrscht seit jeher ein großes Zuschauerinteresse am Fußball
Bild: Stefan Rittershaus

Stadionwelt: Um was geht es denn überhaupt genau bei der ganzen Angelegenheit?
Kabs: Grundsätzlich dreht es sich bei der ganzen Geschichte um zwei Dinge: Auf der einen Seite wäre da die Vermarktung des Rudolf-Harbig-Stadions nach der Fertigstellung und auf der anderen Seite sind es die angestiegenen Kosten des Umbaus. Den vorgeschlagenen Vermarktungsvertrag für das Stadion kann Dynamo einfach nicht akzeptieren, da der Club aus der ganzen Sache mit einem Minus herausgehen würde. Es wäre mit den Auflagen schlichtweg unrentabel, dann weiterhin im Rudolf-Harbig-Stadion zu spielen. Die angestiegenen Kosten des Umbaus lassen sich nicht genau beziffern, nur dass eben Sachen mit ins Stadion gebaut wurden, die nicht im Vertrag mit der Stadt Dresden stehen. Da ist es auch nachvollziehbar, dass die Stadt diese Kosten nicht tragen will.

Stadionwelt: Und wie kam dann der Spielort Leipzig ins Spiel?
Kabs: Das passierte nur aus dem Grund, dass im Lizenzantrag an den DFB ein Ausweichspielort angegeben werden muss. Und Dynamo Dresden hat eben das WM-Stadion aus dem Jahr 2006, das Leipziger Zentralstadion, dort angegeben. Mit dem aktuellen Vermarktungsvertrag würde es sich für Dynamo Dresden finanziell mehr lohnen, dort zu spielen anstatt hier in Dresden. Wobei man da aber einige Punkte nicht außer Acht lassen darf.

Stadionwelt: Und die wären?
Kabs: Wir spielen dann in Leipzig, das wäre also kein wirkliches Heimspiel mehr. Weshalb auch definitiv nicht so viele Zuschauer wie hier ins Rudolf-Harbig-Stadion kommen würden. Ich persönlich würde auf eine Zuschauerzahl zwischen 3.000 und 5.000 tippen. Mehr werden es aber nicht sein. Man muss eben bedenken, dass es über 100 Kilometer nach Leipzig sind. Es wären also zusätzlich mindestens nochmals 200 Kilometer, für ein Heimspiel wohlgemerkt. Diese Strecke würden viele unserer älteren Fans nicht auf sich nehmen. Es entstehen für sie ja auch nochmals zusätzliche Kosten. Es gibt also größere zeitliche und finanzielle Aufwendungen, die man bewältigen müsste. Zudem kommt noch ein Aspekt hinzu, der durchaus auch größeres Gewicht hat. Das ist der Punkt der Gewährleistung der Sicherheit unserer Spiele in Leipzig. Mit Chemie und Lok Leipzig hat die Stadt ja ohnehin schwer zu kämpfen, da sich die Fangruppen dort auch unter der Woche bekriegen. Wenn Dynamo Dresden dort noch Spiele austrägt, müsste die Polizei insgesamt vier Fangruppen voneinander fernhalten. So ein Unterfangen wird in meinen Augen sehr schwer umsetzbar sein.

Bild: www.bultras.de“ loading=“lazy“>

Beim Heimspiel gegen den Wuppertaler SV Borussia
Bild: www.bultras.de

Stadionwelt: Wo liegen Deiner Meinung nach die Ursachen der aktuellen Situation?
Kabs: Das ist sehr schwer zu sagen, da wir leider keinen Einblick in die aktuelle Sachlage haben. Die Ursachen kann man aber wohl auch in dem enormen Verschleiß von Geschäftsführern bei Dynamo Dresden suchen. Vier Geschäftsführer in nur zwei Jahren sind zu viele für die kurze Zeitspanne. Es fehlte wahrscheinlich einfach die Kommunikation untereinander – zwischen den einzelnen Geschäftsführern und dann auch noch zum Bauunternehmen. Es hätten von Anfang an mehr Gespräche miteinander stattfinden müssen.

Stadionwelt: Wie würde sich denn ein Umzug nach Leipzig auf deinen Arbeitsalltag auswirken?
Kabs: Vor allem müssten wir vom Fanprojekt aus sehr viel mehr an begleitender Arbeit leisten. Wie für die Fans würde es auch für uns im Fanprojekt viel kosten – und zeitintensiver werden. Wir betreuen und beraten die Fans überall vor Ort, müssten also an allen Ecken und Enden sein. Wie das auf eine Distanz von mehr als 100 Kilometern umsetzbar sein soll, müssten wir erst noch sehen.

Stadionwelt: Wie stehen denn die vielen Fans von Dynamo Dresden dem möglichen Umzug gegenüber?
Kabs: Die sehen die gesamte Situation genauso wie wir. Die aktuelle Lage ist nicht zu unterschätzen und sehr ernst zu nehmen. Aber man muss es auch nicht übertreiben. Noch ist ja diesbezüglich nichts entschieden. Spekulieren hilft da nicht weiter.

Bild: www.bultras.de“ loading=“lazy“>

Fandemo gegen den Umzug nach Leipzig in der Dresdner Innenstadt
Bild: www.bultras.de

Stadionwelt: Gab es schon eine Reaktion aus der aktiven Fanszene von Dynamo?
Kabs: Ja, und was für eine. Beim Spiel am Sonntag in Berlin gegen Union hing während des gesamten Spiels ein Spruchband, auf dem sich deutlich für Heimspiele in Dresden ausgesprochen wurde. Die Stimmung ist eindeutig Pro-Dresden. Das macht sich auch daran deutlich, dass nach der Ankunft des Sonderzugs aus Berlin am Sonntagabend über 500 Dynamo-Fans an einer Demo gegen den Umzug teilnahmen. Vom Hauptbahnhof aus zogen die Fans friedlich und lautstark zum Rathaus, wo sie nochmals ihren Unmut über die aktuelle Situation äußerten. (Stadionwelt, 20.03.2009)

Bild: Stefan Rittershaus“>
In Dresden herrscht seit jeher ein großes Zuschauerinteresse am Fußball
Bild: Stefan Rittershaus
Bild: www.bultras.de“>
Beim Heimspiel gegen den Wuppertaler SV Borussia
Bild: www.bultras.de
Bild: www.bultras.de“>
Fandemo gegen den Umzug nach Leipzig in der Dresdner Innenstadt
Bild: www.bultras.de
Werbung
Werbung

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.

weitere Beiträge