„Nicht für Fußball konzipiert“

Faszination Fankurve 25.02.2009 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In Düsseldorf steht eines der wenigen großen Stadien Deutschlands, das gänzlich ohne Stehplätze auskommt. Rund um die Fortuna hat sich jetzt eine Faninitiative gegründet, die ebensolche fordert. Stadionwelt sprach mit Bernd Schwickerath, Sprecher von „Stonn Op!“.

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Stadionwelt: Erzähl uns bitte kurz etwas über die Faninitiative „Stonn Op!“.
Schwickerath: Den Kampf für Stehplätze gibt es in Düsseldorf schon seitdem das alte Rheinstadion abgerissen wurde und durchsickerte, dass das neue ein reines Sitzplatzstadion werden soll. Leider ist das Thema in den vergangenen Jahren aber sehr in den Hintergrund geraten, weil das finanzielle Chaos und die ständig wechselnde sportliche Situation die Szene in Atem gehalten hatten. Auf die Ultras Düsseldorf kamen im November dann zwei Düsseldorfer zu, die sich seit Jahren für Stehplätze einsetzen und durch ihre zahlreichen Unterlagen und Gespräche mit Politikern, Vereinsoffiziellen und Bauherren das meiste Hintergrundwissen haben. Sie wollten den Protest nicht weiter im stillen Kämmerlein ausfechten, sondern endlich eine Initiative gründen, die die gesamte Szene repräsentiert. Daraufhin gab es erste lockere Gespräche mit allen wichtigen Institutionen, wie Supporters Club, Arbeitskreis, Diskussionsforum, Fanprojekt, Fanbeauftragter und große Fanclubs, aus denen schließlich die Initiative entstanden ist.

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Das Düsseldorfer Stadion kommt derzeit ganz ohne Stehplätze daher.
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Stadionwelt: Was genau wird denn gefordert?
Schwickerath: Das große Ziel ist natürlich, endlich Stehplätze und ein fanfreundliches Stadion zu bekommen. So weit sind wir aber noch lange nicht, da es in der Vergangenheit widersprüchliche Aussagen gab, ob die Statik überhaupt für Stehplätze reicht. Also geht es in erster Linie darum, Fakten zu schaffen. Dafür ist notwendig, dass ein unabhängiger Gutachter die Möglichkeit erhält, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen.

Stadionwelt: Was ist an Aktionen geplant?
Schwickerath: Beim Spiel gegen Burghausen haben wir erst einmal relativ klein gestartet: Wir haben 5.000 Flyer verteilt, eine eigene „Stonn Op!“-Zaunfahne präsentiert sowie in unserem Fanzine „Der Schlossturm“ den Kampf für Stehplätze zum Titelthema gemacht. Dazu ging am gleichen Tag die Homepage online. Zum nächsten Heimspiel gegen Sandhausen wird es eine große Blockfahne mit dem Logo von „Stonn Op!“ geben. Für uns ist und war es erst einmal wichtig, die eigene Kurve wieder für dieses Thema zu sensibilisieren. Viele sind halt von der Historie dieses Themas, auf das wir in den Augen vieler ohnehin keinen Einfluss hätten, genervt.

Stadionwelt: Stichwort Historie: Gibt es eigentlich einen bekannten Grund, wieso beim Bau der LTU arena auf Stehplätze verzichtet wurde? Sämtliche anderen großen Stadien, die in diesem Zeitraum entstanden sind, haben teilweise sogar sehr große Stehplatzbereiche.
Schwickerath: Als das Stadion in Planung war, wurde behauptet, dass es auch völlig ohne Fußball auskommen könne. Zwar gab es während der Bauphase ein unabhängiges Gutachten, das feststellte, dass sich ein Stadion in dieser Region nicht ohne Fußball trägt, aber das wurde ignoriert. Offiziell ist das Stadion sogar als Theater gemeldet. Es wurde also für Konzerte und andere Veranstaltungen, aber eben nicht für Fußball konzipiert. Damals spielten auch noch die Footballer von Rhein Fire da, deren Fans Stehplätze völlig egal waren, während Fortuna nur viertklassig war. Später hieß es, Stehplätze würden kommen, wenn Fortuna regelmäßig dort spielt. Als wir durch die Sonderstellung des damaligen Oberbürgermeisters Erwin – Aufsichtsratschef bei Fortuna und erster Bürger der Stadt, der dieses Stadion gehört – dann dazu gezwungen wurden, alle Heimspiele im Norden der Stadt auszutragen, hieß es, Stehplätze gäbe es, wenn wir aufsteigen würden. Zwischendurch wurde aber immer wieder das angebliche Statik-Problem bemüht, um das Thema zu umgehen.

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Der Anhang der Fortuna würde sich über Stehplätze in der LTU arena freuen.

Stadionwelt: Lässt sich ein Umbau aus statischer Sicht überhaupt realisieren?
Schwickerath: Die einen sagen so, die anderen sagen so. Deswegen muss das unabhängige Gutachten her. Falls ein Umbau möglich sein sollte, müssen die nächsten Schritte eingeleitet werden. Wir vertreten die Meinung, dass die Stadt den Umbau bezahlen müsste, weil das Stadion ursprünglich einmal für wandelbare Stehplätze ausgeschrieben wurde, diese aber nie gebaut wurden. Dieser Fehler muss nun von denen korrigiert werden, die ihn begangen haben.

Stadionwelt: Die Düsseldorfer SPD-Fraktion prüft gerade den finanziellen Rahmen, oder?
Schwickerath: Das stimmt. Sie hat das bei der kommenden Ratssitzung auf die Agenda gesetzt und fordert ebenfalls eine Machbarkeitsstudie.

Stadionwelt: Habt ihr eventuell eine Vorstellung, was ein Umbau Kosten könnte?
Schwickerath: Es steht immer mal wieder eine Summe von zehn Millionen Euro im Raum, aber letztendlich ist das wohl nur Spekulation. Sicher ist, dass bei einem Umbau nicht nur die Sitzplatzbereiche verändert werden müssten. Auch die Fluchtwege und Eingänge müssten angepasst werden. Allerdings wurden beim Bau der Arena mehrere Millionen Euro für den Umbau zu einem WM- und Olympiastadion zurückgelegt. Die Arena musste nie umgebaut, das Geld nie ausgegeben werden. Wenn es sich nicht in Luft aufgelöst hat, könnte es nun verwendet werden.

Stadionwelt: Setzt Ihr euch zeitgleich auch für Stehplätze im Gästesektor ein?
Schwickerath: Das tun wir. Uns geht es nicht nur um unser Vergnügen, wir wollen ein Stadion haben, im dem auch die Gäste alle Rechte erhalten. Mit Aue, zu denen einige Düsseldorfer Fanclubs seit vielen Jahren Kontakt haben, ist bei unserem Heimspiel Mitte März sogar eine gemeinsame Aktion in Planung.

Stadionwelt: Hat sich Fortuna Düsseldorf schon zu dem Thema geäußert?
Schwickerath: Das ist ein großes Problem. Als Fortuna zum kompletten Umzug verdonnert wurde, hätte der Verein mehr fordern können, da er zu dieser Phase eine Art Rettung für die Fehlplanung der Bauherren war. Heute hat der Club durch die astronomische Miete aber hohe Schulden bei der Betreibergesellschaft und muss nun vermutlich sogar dankbar sein, überhaupt noch dort spielen zu dürfen. Dementsprechend ist der Fortunavorstand derzeit sehr kleinlaut zu diesem Thema. Es gab Aussagen Verantwortlicher, dass Stehplätze für die Fans wichtig seien, aber kein klares Bekenntnis der Unterstützung.

Stadionwelt: Wie würdest du die Chancen einschätzen, dass euer Anliegen wirklich realisiert wird?
Schwickerath: Das ist leider völlig offen. Aber wenn man sich als kritischer und denkender Fan versteht, ist es den Versuch alleine wert. Überall in Deutschland sind Stehplätze Standard. Selbst in Hoffenheim und Wehen. Da kann es nicht sein, dass das bei Fortuna anders ist. Letztendlich steht und fällt aber vieles mit der sportlichen Situation. Sollte der Aufstieg gelingen, ist die Wahrscheinlichkeit vermutlich höher. Aber auch im Falle des Nicht-Aufstiegs kann eine Stadt wie Düsseldorf Fortuna nicht völlig fallen lassen und sie in einem Stadion spielen lassen, in dem sich so gut wie kein Fortunafan wohl fühlt.

Stadionwelt: Würde es bei einer großen Stehplatztribüne wieder eine gemeinsame Fortuna-Kurve geben?
Schwickerath: Einen gemeinsamen Block gibt es ja jetzt schon. Nur ist der aktive Stimmungsteil in die Ecke gezogen, um nicht mehr gegen die große schweigende Masse ansingen zu müssen. Ob sich nach dem Umbau etwas ändern würde, ist offen. Darüber hat sich noch gar keiner Gedanken gemacht. Der Eckblock, in dem UD steht, soll ja auch ein Stehplatzbereich werden. Also spräche nichts dagegen, in der Ecke zu bleiben. Aber all das ist Zukunftsmusik. Erst mal geht es darum, die Machbarkeit zu klären und endlich die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen. (Stadionwelt, 25.02.2009)

Zur Homepage von Stonn Op!

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Das Düsseldorfer Stadion kommt derzeit ganz ohne Stehplätze daher.
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Der Anhang der Fortuna würde sich über Stehplätze in der LTU arena freuen.
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