Jens „Gurke“ Batzdorf von Ultima Raka ist Fan von Energie Cottbus. Im Sommerpausen-Interview mit Stadionwelt äußert er sich über den Klassenerhalt, die Stimmung im Stadion der Freundschaft und weshalb der Block letzte Saison einmal gelb getragen hat.
Strohfeuer oder Rückkehr zum Hexenkessel?
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Stadionwelt: Im Winter hast Du kein wirklich positives Fazit ziehen können, hat sich das mit dem geschafften Klassenerhalt etwas verbessert?
Batzdorf: Sportlich ist es sicher sehr gut gelaufen. Mehr als den Klassenerhalt kann man in Cottbus einfach nicht erwarten.
Stadionwelt: Die Besucherzahlen im Stadion der Freundschaft waren dennoch nicht gerade berauschend. Im Schnitt waren „nur“ etwa 16.500 Zuschauer da.
Batzdorf: In der Rückrunde ist das besser geworden. Mit Rostock oder Hertha kamen interessantere Gegner. Die Stimmung hat sich erst zum Ende verbessert. Rostock war in dieser Hinsicht sicherlich das beste Heimspiel. In der zweiten Halbzeit hat sich alles richtig schön hochgeschaukelt, gegen Ende der Partie glich das Stadion der Freundschaft endlich mal wieder einem Hexenkessel. Die Frage ist nun natürlich inwieweit das alles nur ein Strohfeuer war.
Die neue Nordwand wird seit mittlerweile einem Jahr von den Energie-Fans bevölkert.
Bild: www.stussyswelt.de
Stadionwelt: Auswärts gibt es keinen Grund sich über die Mitreisenden zu beklagen, oder?
Batzdorf: Das stimmt, die Zahlen sind ein bisschen in die Höhe gegangen. Selbst unter der Woche auf Schalke standen 400 bis 500 Cottbusser im Gästeblock. In Duisburg an einem Freitag waren es ähnlich viele. In Bremen sind sogar fast 2.000 gewesen. Alles Zahlen, die man in der Hinrunde nicht erleben durfte. Da waren es selbst samstags in Bielefeld nur etwa 300.
Stadionwelt: Eine Serie steht die neue Nordtribüne im Stadion der Freundschaft. Haben sich Strukturen bilden können? Viele Szenen benötigen eine gewisse Zeit, sich an einen neuen Standort zu gewöhnen.
Batzdorf: Die Strukturen haben sich ziemlich eingespielt. Jeder weiß, wo er zu stehen hat. Die Fanclubs haben sich ja im Vorfeld im Internet schon abgesprochen. Die Leute haben sich einigermaßen daran gewöhnt. Ich persönlich nicht, denn ich komme mir nach wie vor wie in einem Käfig vor.
Stadionwelt: Ihr seid vor dem Umzug von der Osttribüne kritisch gewesen, dass sich die Stimmung auf der Nordwand deutlich verbessern würde. Hat sich dies bestätigt?
Batzdorf: Wir haben das tatsächlich vor der Saison so gesehen und letztendlich Recht behalten. Noch immer macht der gleiche Teil der Supporter mit, der das auch im alten I-Block getan hat, die Masse hat sich nicht wesentlich vergrößert. Von der Haupttribüne kommt anders als früher sehr wenig. Die Osttribüne ist totenstill.
Stadionwelt: Nach der bereits erwähnten Partie gegen Rostock stand Keeper Gerhard Tremmel mit dem Megaphon auf dem Zaun und hat sich negativ über Rostock und Hertha geäußert. Dafür wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Wie steht Ihr dazu?
Batzdorf: Die Bestrafung ist typisch für den DFB. Es soll sogar im Raum gestanden haben, Tremmel dafür zu sperren. Andere Vereine beziehungsweise Spieler sind bei vergleichbaren Vorfällen nicht bestraft worden. Wie auch immer: Tremmel ist im Ansehen vieler Fans dadurch sicherlich gestiegen.
Stadionwelt: Nicht gestiegen ist Eure Motivation bei Heimspielen Choreos zu machen…
Batzdorf: Mittlerweile diskutieren wir da über ein Jahr lang und nichts ist passiert. Wir haben Behörden und Verein einen Materialienkatalog vorgelegt. Vieles darin Enthaltene war jahrelang erlaubt, jetzt ist es das plötzlich nicht mehr. Wir fordern den Standard des ehemaligen I-Blocks auf der Osttribüne, sonst werden wir keine Choreos mehr organisieren beziehungsweise andere Gruppen dabei auch nicht unterstützen. Dieser Materialienkatalog soll in der Sommerpause diskutiert werden, allerdings ist die ja nun auch schon zur Hälfte rum, ohne dass sich etwas getan hätte. Mitte Juli sollen aber mal wieder Gespräche stattfinden. Dass es ohne uns nicht zu gehen scheint, hat man gegen Rostock gesehen. Die Aktion mit der Sponsorenfahne und den Pappen mit der Aufschrift „Gekommen um zu bleiben“ war nicht wirklich gelungen.
Auswärts in Wolfsburg.
Bild: gwa-matze
Stadionwelt: Auswärts sieht das anders aus: In Bochum und Wolfsburg gab es etwas zu sehen.
Batzdorf: Ja, wir haben beide Aktionen vorher angemeldet. In Bochum hat man die Fahnen vorher auf Brandfestigkeit getestet. In Wolfsburg, das muss man auch mal erwähnen, gab es gar keine Probleme. Das ist zwar ein VW-Konstrukt vor dem Herrn, aber was die vorher absprechen, das halten sie auch ein. Und man höre und staune, die Choreos wurden nicht verbrannt, obwohl die Materialien keine B1-Kennzeichnung hatten. Wir werden auch in der kommenden Saison versuchen, auswärts immer wieder mal eine Aktion zu starten.
Stadionwelt: In Hannover zum Saisonabschluss erstrahlte der sonst eher rot-weiße Cottbuser Block plötzlich in gelb. Was war da los?
Batzdorf: Das war die „Weiterentwicklung einer Schnapsidee“, die auf der Rückfahrt aus Bremen entstanden ist. Zum einen kommt die Farbe Gelb ja im FCE-Wappen vor, zum anderen gibt es den Spruch „Im Osten geht die Sonne auf“. Der stand wie „BSG 1966“ auf den Hemden. Das Gelb sollte die Sonne symbolisieren. Zudem haben wir uns dadurch deutlich vom restlichen Stadion abgehoben, da ja die 96er eher in roten Trikots rumlaufen. Irgendwie scheinen wir damit mal den Nerv der Leute getroffen zu haben. Innerhalb von acht Tagen waren sämtliche Shirts ausverkauft.
Viel Gelb im an sich rot-weißen Block.
Bild: www.trotsvanhetnoorden.nl
Stadionwelt: Direkt vor Weihnachten hast Du als einer von zwei Energie-Fans das Team zu einer Auslandreise nach China begleitet. War das der Höhepunkt deines Fanlebens?
Batzdorf: Auf jeden Fall war es mal etwas ganz anderes. Da Energie anfangs selbst keine Reise angeboten hat, haben wir uns um alles in Eigenarbeit gekümmert. Wir haben zwei Spiele gesehen: Energie gegen die Olympiaauswahl und gegen die Nationalmannschaft Chinas.
Stadionwelt: Apropos weite Reisen: Es gibt Pläne, dass die Zweitvertretung des FCE in der Regionalliga Süd landen könnte. Wie steht Ihr dazu?
Batzdorf: Das ist eine Katastrophe. Es würde zu keinem „Derby“ mehr kommen. Die Wege sind sehr weit. Ich hoffe, dass sich der DFB in dem Punkt noch bewegt. Wenn es tatsächlich so kommen sollte, wird das eine „tolle“ Saison. Der Auswärtssupport der Amateure wäre sicherlich extrem schwach, obwohl ja auch derzeit kaum Leute hinfahren beziehungsweise zu den Heimspielen gehen. Ich denke, dass es hin und wieder sogar Spiele ganz ohne FCE-Fans geben würde. In den Süden kann man nicht vernünftig mit dem Wochenend-Ticket reisen, die Fahrten kosten viel Geld und Zeit. Das klappt dann halt irgendwann nicht mehr.
Stadionwelt: Ein anderes Thema, das Fangemüter erhitzt, sind die Anstoßzeiten.
Batzdorf: Das ist vor allem für die zweite Liga auch eine Katastrophe. Ich hoffe die Leute werden mit den Füßen abstimmen. Letztendlich treffen die Pläne nämlich weniger die Fans, die sowieso hingehen, egal wann und wo gespielt wird. Die Masse der Leute im Stadion sind die Normalos, also Familienväter mit Kind, der alte Opa und eben auch der „Konsument“. Ich möchte sehen, ob die sich das Mittagessen am Sonntag nehmen lassen.
Stadionwelt: Wird es von Eurer Seite Proteste geben?
Batzdorf: Unser Dachverband soll wohl explizit mit dem Ziel an die Geschäftsführung herantreten: Sie soll aufgefordert werden, gegen die Pläne zu stimmen. Inwieweit wir an bundesweiten Protesten teilnehmen, hängt sicherlich von den Inhalten und der Art und Weise ab. (Stadionwelt, 24.6.2008)
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