„Wir verstehen uns schon als Ultras“

Faszination Fankurve 23.04.2008 0 Kommentare

Foto: Pumuckl94

Nach der Auflösung der Eastside vor einigen Jahren ist die Fanszene bei Werder Bremen für Außenstehende etwas unübersichtlich geworden. Stadionwelt sprach mit Frank von den Wanderers über die allgemeine Situation der Fans beim Bundesligisten.

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Stadionwelt: Erzählt bitte kurz etwas über die Wanderers Bremen.
Frank: Gegründet haben wir uns im September 2007. Wir verstehen uns schon als Ultras, zumal ja auch alle unsere Mitglieder zuvor bei Racaille Verte beziehungsweise in deren damaligen Aspirantenkreis waren. Zu finden sind wir nach einem kurzen Zwischenspiel im Block 64 wieder im Block 62 in der Ostkurve des Weserstadions.

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Die Heimkurve von Werder Bremen.
Bild: Pumuckl94

Stadionwelt: Du hast es gerade erwähnt: Ihr selbst wart früher bei Racaille Verte zu finden. Wie weit kannst oder willst Du dich zu dieser Geschichte äußern?
Frank: Es hat zumindest in der Einstellung damals nicht mehr miteinander gepasst. Die Trennung war die logische Konsequenz für uns, damit beide Seiten ihren Weg weiter gehen und es nicht weiterhin faule Kompromisse innerhalb der Gruppe gibt.

Stadionwelt: Anders als in anderen Bundesligaszenen gibt es im Umfeld von Werder viele von der Mitgliederzahl eher kleine Gruppen. Ist das aus deiner Sicht vorteilhaft oder ließ sich zu Zeiten der Eastside mehr bewegen?
Frank: Im Moment trauern viele Leute hier in Bremen der Eastside hinterher. Ganz klar ließ sich damit mehr bewegen. Aber damals ging es halt innerhalb der Eastside so nicht weiter und bevor die Selbstzerfleischung überhand genommen hätte, war die Auflösung sicher der richtige Schritt. Die kleinen Gruppen haben den Vorteil genau das tun zu können, was sie möchten, weil sie einfach keine Kompromisse oder Mittelwege suchen müssen. Für die Leute innerhalb der Gruppen ist das natürlich viel besser.

Stadionwelt: Als „neue” Gruppe müssen erst einmal Dinge wie Fahnen, Doppelhalter und so weiter erstellt werden. Wie weit seid Ihr da schon? Sind möglicherweise schon größere Aktionen in Planung?
Frank: Größere Heimaktionen sind bei uns in Bremen ja eh aufgrund der untragbaren Choreoeinschränkungen seitens der Werder Bremen GmbH und Co.KgaA nicht denkbar. Aber ansonsten sieht es nicht schlecht aus, lasst euch überraschen.

Stadionwelt: Wie ist denn das Verhältnis der einzelnen Gruppen untereinander? Bei den Spielen steht Ihr nebeneinander, oder?
Frank: Im Großen und Ganzen kommen die einzelnen Gruppen schon miteinander klar. Sicherlich gibt es immer wieder Differenzen, aber die halten sich im Rahmen. Im Stadion stehen alle Gruppen nebeneinander und auch Auswärtsfahrten werden abgesprochen, wenn es sich anbietet.

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Nach der Auflösung der Eastside gibt es in Bremen viele eher kleine Ultragruppen.
Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: Im Laufe der Saison hat der Vorsänger aus persönlichen Gründen sein „Amt“ niedergelegt. Hat die Stimmung darunter gelitten?
Frank: Wir haben ja inzwischen in dieser Saison schon zweimal den Vorsänger gewechselt, einmal wie oben genannt aus persönlichen Gründen, was gerade bei ihm sehr schade ist und der nächste durfte nach ein paar Spielen aufgrund eines völlig absurden Stadionverbots nicht mehr. Die Stimmung war aber schon seit jeher gerade zu Hause immer mies bei uns, das wird durch die Unmengen an Erfolgsfans bei Werder auch nicht wirklich rosiger. Jeder neue Vorsänger hat es schwer, da er sich erst mal bekannt machen muss. Man wird sehen, was die Zeit bringt.

Stadionwelt: Kannst du bezüglich der Stimmung noch etwas konkreter werden?
Frank: Für die aktiven Fans ist die Stimmung im Stadion momentan sehr niederdrückend. Das Publikum in der Kurve besteht jeden Spieltag aus völlig anderen Leuten. Größtenteils ohne jegliche Ahnung von der Fanszene und auch so gibt es von Seiten des Vereins oder der Polizei fast zu jedem Spiel neue Verbote oder Einschränkungen.

Stadionwelt: Du hast das Thema schon erwähnt: Im Laufe der letzten Saison gab es die Anordnung des Vereins, dass Choreos künftig nicht mehr über den Unterrang der Ostkurve hinausgehen dürfen. Seitdem gab es auch keine größeren Aktionen mehr, oder?
Frank: Nein, da sind sich alle Gruppen einig: Solange diesbezüglich keine Besserung kommt, gibt es auch keine Choreographien mehr im Weserstadion.

Stadionwelt: Das Weserstadion wird jetzt nach und nach umgebaut. Wie steht man in der Szene zu dem Umbau?
Frank: Mit den jetzigen Umbauplänen ist die Szene im Großen und Ganzen zufrieden, da hat sich der Einsatz der Weserstadion-Faninitiative vielleicht doch mal gelohnt. Einzig das am momentanen System der umwandelbaren Stehplätze festgehalten wird, ist nicht in unserem Interesse.

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Choreos wird es in Bremen vorerst keine geben.
Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: Im Europapokal stand mit der Fahrt nach Glasgow zu den Rangers zuletzt ein sehr interessanter Trip an.
Frank: Mal wieder mit Werder nach Schottland zu fahren, war für viele altgediente Werderfans schon seit langem ein Traum. Umso enttäuschender ist die geringe Zahl der mitgereisten Fans zu sehen. 600 Fans sind einfach zu wenig.

Stadionwelt: Was waren denn aus deiner Sicht die Höhepunkte im UEFA-Pokal und der Champions League der laufenden Saison?
Frank: Höhepunkte waren ganz klar das Spiel bei Olympiakos Piräus und die Spiele gegen Dinamo Zagreb. Wobei die Anzahl der mitgereisten Werderfans bei allen Spielen einfach nur enttäuschend und fast sogar beschämend schlecht war.

Stadionwelt: Zu guter Letzt soll es um den Ethik-Kodex gehen, den Werder Bremen mal einführen wollte. Fangruppen sollten neben der Ablehnung von Gewalt und Diskriminierung beispielsweise auch unterzeichnen, auf Pyro zu verzichten. Ist das noch immer noch ein Thema?
Frank: Ja ist es, auch wenn der Kodex inzwischen auf eine sehr allgemein gehaltene Form entschärft wurde. Das Problem ist, dass Werder Bremen von uns Fans sehr großes Vertrauen in sie in Bezug auf diesen einseitigen Kodex abfordert, aber von Vereinsseite einfach nur Misstrauen herrscht. Das ist so nicht akzeptabel. (Stadionwelt, 22.4.2008)

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Die Heimkurve von Werder Bremen.
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Choreos wird es in Bremen vorerst keine geben.
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Nach der Auflösung der Eastside gibt es in Bremen viele eher kleine Ultragruppen.
Bild: Stadionwelt
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