„Das passt aber nicht nach Braunschweig“

Faszination Fankurve 17.04.2008 0 Kommentare

Foto: BTSV FANCLUB ILSEDER-LÖWEN

Was vielerorts mittlerweile der Vergangenheit angehört, ist in Braunschweig im Laufe der Saison aufgebrochen: „Normale“ Fans und Ultras stehen in einem Konflikt zueinander. Stadionwelt sprach mit Thilo Götz über Probleme in der Heimkurve.

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Stadionwelt: Du selbst bist noch Vorsänger, oder?
Götz: Ja, nur mit der Zeit – ich mache das ja schon seit 1997 – ist bei mir eine leichte „Amtsmüdigkeit aufgekommen. Die macht sich seit circa sechs Monaten bei mir breit. Aber das „Feuer“ in mir lodert noch. Keine Sorge!

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Heimkurve gegen Dynamo Dresden.
Bild: BTSV FANCLUB ILSEDER-LÖWEN

Stadionwelt: Haben die Ultras einen eigenen Vorsänger?
Götz: Ja, das ist ein 22-Jähriger, den hier in Braunschweig keiner richtig kennt. Die 80 bis 100 Leute aus dem Ultraumfeld mag er erreichen, am Rest der Kurve geht das aber komplett vorbei. Aus meiner Sicht hat er noch nicht begriffen, dass ein Vorsänger einigermaßen massenkompatibel sein muss.

Stadionwelt: Woran liegt das?
Götz: Letztendlich hat es mit den Liedern zu tun. Das Ultra-Liedgut kommt bei der Masse der Zuschauer an der Hamburger Straße, also beim normalen Publikum, nicht an, weswegen die Stimmung für Braunschweiger Verhältnisse in dieser Saison eher schlecht ist. 90 bis 95 Prozent der Kurve wollen mit dem Italokram nichts zu tun haben. Das ist Fakt.

Stadionwelt: Woran liegt das? In anderen Städten ist das Thema lange durch…
Götz: Es gibt Städte, ich denke da zum Beispiel an Offenbach, da hat sich die Ultrakultur nicht durchsetzen können. Aufgrund der stark traditionellen Fankultur in unserer Region werden sie das vermutlich auch nicht schaffen. Braunschweig kann man mit Offenbach vergleichen. Wir ticken so ähnlich. Ich habe das Gefühl, dass die Braunschweiger Ultras viel aus Basel kopieren. Die mögen durchaus gut sein – das passt aber nicht nach Braunschweig.

Stadionwelt: Diesen Konflikt existiert aber erst seit relativ kurzer Zeit, oder?
Götz: Das alles hat sich im Lauf der Saison entwickelt. Früher gab es mehr Respekt untereinander. Den hatten sich die Ultras durch gelungene Choreografien und solche Dinge erarbeitet.

Stadionwelt: Warum werden die Ultras nicht einfach von der Masse übertönt, wenn deren Lieder nicht ankommen.
Götz: Aufgrund der Probleme mit dem Präsidium und dem sportlichen Niedergang sind viele Leute kraftlos und kriegen selbst auch nicht viel hin.

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Braunschweig bei Union am 25. Spieltag.
Bild: www.braunschweig1895.de

Stadionwelt: Gibt es denn Unmutsäußerungen gegen die Ultras?
Götz: Als wir bei Union gespielt haben, hat ein Großteil der etwa 2.000 Braunschweiger „Ultras raus“ und „Thilo auf den Zaun“ gerufen. Die Masse bestimmt, dennoch versuchen die Ultras ihr Ding durchzuziehen. Beim Nachholspiel gegen Wuppertal vergangene Woche hat mich einer aus deren Umfeld absichtlich angerempelt, was von dem „schwarzen Mob“ gebilligt wurde. Ob dieses Fehlverhalten Wellen schlagen wird, wird sich zeigen.

Stadionwelt: Und wie geht es nun weiter?
Götz: Schwer zu sagen. Verein, Polizei, Fanprojekt und Fanbeauftragte wissen nicht, was sie machen sollen. Der Kontakt untereinander ist auch nur sehr gering. Einige Treffen, die von den Fanarbeitern anberaumt wurden, sind leider ergebnislos verlaufen. (Stadionwelt, 17.4.2008)

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Heimkurve gegen Dynamo Dresden.
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Braunschweig bei Union am 25. Spieltag.
Bild: www.braunschweig1895.de
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