Das Derby am 10.10. im „San Vito“ in Cosenza war eine Premiere: Nicht die gewohnten verhassten Nachbarn aus Reggio Calabria oder Catanzaro traten an, sondern zum ersten Mal überhaupt standen sich mit Cosenza 1914 und Cosenza FC zwei Cosentiner Mannschaften gegenüber. Dem sportlichen Abstieg im Sommer 2003 und Skandalen war die Auslöschung von Cosenza 1914 gefolgt. Der neugegründete Cosenza FC wurde in die fünfte Liga gestuft, in der ihn am ersten Spieltag der Saison 03/04 sage und schreibe 13.000 Zuschauer unterstützten. Nach viel Hin und Her wurde Cosenza 1914 doch wieder in das Vereinsregister des italienischen Verbandes eingeschrieben und ebenfalls in die fünfte Liga gestuft, was die eingangs erwähnte Situation der beiden Cosentiner Vereine in der Serie D hervorrief und als weitere Konsequenz eine Spaltung der Fanszene zur Folge hatte: Während ein Großteil der organisierten Gruppen sich zu Cosenza 1914 bekannte, wohingegen andere Teile der Kurve ihre Entscheidung für den Cosenza FC trafen, wählten die bedeutenden Ultragruppierungen Cosenza Supporters und Amantea Ovunque 1986 den dritten Weg, beide Mannschaften so lange zu boykottieren, bis es wieder einen einzigen Cosentiner Verein gibt. Für sie stellt die absurde Situation das schlimmste aller möglichen Szenarios dar: „Die Saison 04/05 ist das Jahr der Schande. Zwei Mannschaften mit demselben Namen, demselben Symbol und denselben Farben repräsentieren unsere Stadt“, erklären die Cosenza Supporters. „Wir akzeptieren diese Teilung nicht. Wir können nicht zu den Heimspielen von Cosenza 1914 gehen, während unsere alten Freunde, die jetzt den Cosenza FC begleiten, auswärts gerade den Knüppeln der Ordnungskräfte ausgesetzt sind. Und das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt.“ Aus diesem Grund bleiben nun alle vor den Toren des San Vito und drücken ihren Protest mit dem Spruchband „Una sola curva per una sola squadra“ („Eine einzige Kurve für eine einzige Mannschaft“) aus. „Wir werden nicht eher ins Stadion zurückkehren, bis es eine einzige Mannschaft und damit eine einzige Kurve gibt – aber zur gleichen Zeit werden wir weitere Initiativen vorantreiben.“ So bedeutet den Cosenza Supporters das traditionelle Weihnachtsessen mit den Armen der Stadt sehr viel, wie auch die landesweite Kundgebung am 27.11. für 13 inhaftierte Globalisierungsgegner, von denen viele direkt der Cosentiner Kurve entstammen. Auch am 10.10. machten die Ultras ihren Standpunkt deutlich, indem sie ihr „NEIN, zu dem, was wir als ein FALSCHES Derby ansehen“ und ihr „JA zur Solidarität für Salvatore Valente“, ein kürzlich verstorbenes Mitglied der Amantea, bekräftigten. Unter dem Motto „Für einen wahren Freund gegen ein falsches Derby“ wurden Spenden für die Hinterbliebenen gesammelt und zur Anstoßzeit des Fünftligaspiels pfiffen die Ultras ihr eigenes Fußballturnier an. „Wir werden nicht aufhören. Was immer auch passiert, die Cosenza Supporters werden immer aufrecht bleiben.“ Die Standhaftigkeit der Fans könnte sich schon bald bezahlt machen: Immerhin betonten die Präsidenten beider Vereine jüngst erstmals die Notwendigkeit der Existenz einer einzigen Mannschaft für die Stadt. (Stadionwelt, 01.01.2005)
Vereinsspaltung – Fans geben nicht auf
Faszination Fankurve
01.01.2005
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