Interview mit Andreas Klünder.
Prime Time im Kabelnetz des Großraums Frankfurt. Wie an jedem ersten Donnerstag im Monat geht um 20 Uhr eintrachtfans.tv auf Sendung, und zeigt alles, was die Fans von Eintracht Frankfurt interessiert: Sportliche Themen, Berichte von Auswärtsfahrten, Interviews mit Studiogästen. Die sechsköpfige Redaktion setzt sich komplett aus der ‚Basis‘ zusammen. Alle sind Mitglieder der Eintracht-Fan-Abteilung. Andreas Künder (38) ist einer ihnen.
Stadionwelt: Wie lange gibt es eintrachtfans.tv schon?
Klünder: Seit dem 30. Januar dieses Jahres. Bisher haben wir fünf Sendungen à einer Stunde produziert. Demnächst werden es nur 30 Minuten sein – der Sender will das so. Wir überlegen, deshalb im 14-Tages-Rhythmus, ,on air‘ zu gehen.
Stadionwelt: Wie viele Zuschauer habt ihr?
Klünder: Leider haben wir keine Rückmeldungen über Einschaltquoten. Nach eigener Einschätzung schauen aber so 50.000 bis 100.000 Leute zu. Das Feedback bekommen wir hauptsächlich durch die Gespräche im Stadion. Auf Rhein-Main TV sind wir aber eines der zuschauerstärksten Formate.
Stadionwelt: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Fan-TV zu machen?
Klünder: Wir haben der Eintracht 1997 ihre erste offizielle Internetseite aufgebaut und der SGE ,geschenkt‘. 1999 haben wir dann das Vereinsarchiv eingerichtet und hatten so eine gewisse Stellung im Verein. Nun kam die Initiative von der Eintracht selbst. Ursprünglich wollte der Verein ein Eintracht-TV-Magazin selbst produzieren, bei dem wir ein so genanntes
Fan-Fenster bekommen hätten. Dann wurde allerdings „über Nacht“ der Hessische Rundfunk Medienpartner der Eintracht und produzierte das Eintracht-Magazin komplett selbst, ohne Mithilfe aus der Fanszene. Da wurde kurzerhand aus einem „Fan-Fenster“ ein voll eigenständiges, unabhängiges und auch (szene-)kritisches Sende-Format.
Stadionwelt: Fernseh-Equipment ist nicht gerade billig. Wie habt ihr das angeschafft?
Klünder: Inzwischen haben die handelsüblichen Digitalkameras für vielleicht 800 Euro schon eine sehr gute Qualität, aber dafür haben wir einen Sponsor gefunden. Die Studio-Produktion findet in den Räumlichkeiten von Rhein-Main-TV statt. Kurz vor der Sendung basteln wir nur noch an der Kulisse, bestehend aus Schals, Fahnen und alten Trikots.
Stadionwelt: Seid ihr eigentlich die einzigen Fans, die eine eigene TV-Sendung produzieren?
Klünder: Angeblich gibt es in Spanien etwas ähnliches, aber in Deutschland dürften wir die einzigen sein. Aber ich bin mir sicher, dass es nicht mehr lange so bleiben wird. Die Ausrüstung wird immer billiger und in den Ballungszentren gibt es doch eine Reihe von lokalen Sendern.
Stadionwelt: Gibt es eigentlich ein wenig was zu verdienen? Bei so vielen Zuschauern muss es doch Werbekunden geben?
Klünder: Wir machen das in unserer Freizeit und sehen das als unser Hobby an. Trotzdem verursachen wir Kosten, die nur durch Werbeeinnahmen gedeckt werden können. Ansonsten gibt es nichts zu verdienen. Wir sind Fans und wollen Fans auch so authentisch darstellen wie sie sind. Wir suchen Werbekunden, die kein Problem damit haben, wenn wir die Fans zeigen, wie sie sind. Ein Werbekunde muss es verkraften können, wenn wir z.B. die Ankunft der Eintrachtfans in Kaiserslautern dokumentieren, bei der rund 3.000 schwarz gekleidete Frankfurter der Berg hochpöbeln. Das zeigen wir, da findet keine Zensur statt, nur um für Werbekunden attraktiver zu sein. Wer uns unterstützt, unterstützt auch unser Konzept, wie wir uns im TV darstellen! (Stadionwelt, 01.09.2004)




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