Im Sommer war der Jubel groß. Nach drei Jahren waren auch die Fans des FC Energie zurück in der Erstklassigkeit. Was ist ein halbes Jahr später Thema in Cottbus? Jens „Gurke“ Batzdorf (29) von Ultima Raka im Interview mit Stadionwelt.
Das Winterpausen-Interview – Teil 10„Langweilige erste Liga“
Stadionwelt: Vor einem halben Jahr strengten Teile der aktiven Cottbuser Szene eine Klage an. Die sollte verhindern, dass der Verwaltungsrat die Mitglieder des Vereins bei bestimmten Themen übergehen darf. Wie ist der momentane Stand?
Batzdorf: Die Klage richtete sich gegen eine angeblich von der Mitgliederversammlung beschlossene Satzungsänderung. Die Mitglieder sollten bei der Wahl des Präsidiums nicht mehr befragt werden. In der Zwischenzeit ist die Klage eingereicht und die Klageschrift bei Energie eingegangen. Leider verlief ein Schlichtungsverfahren ergebnislos. Der Verein ist mit den Namen der vier Kläger über die Homepage an die Öffentlichkeit gegangen. Die Presse ist auf den Zug natürlich aufgesprungen.
Stadionwelt: Gab es für die Kläger in irgendwelcher Form Probleme?
Batzdorf: Bisher gab es keinerlei Probleme. Vom Verein, unter anderem in persönlichen Telefonaten mit Präsident Lepsch, wurde viel Honig ums Maul geschmiert, aber die Klage wurde und wird dennoch nicht zurückgezogen. Energie ist einer der letzten eingetragenen Vereine, in dem die Mitglieder tatsächlich etwas zu sagen haben. Das muss erhalten bleiben.
Stadionwelt: Ist das Verhältnis zwischen Vereinsführung und Fans immer noch derart zerrüttet wie damals mit Krein bzw. Stabach? Energie hat mittlerweile einen völlig neuen Vorstand.
Batzdorf: Ich würde sagen, dass das Verhältnis distanziert ist. Mit dem neuen Mann auf der Geschäftsstelle lässt sich vieles auch kurzfristig regeln, aber die „Gutsherrenart“ des Herrn Dr. Lepsch kommt nicht sehr gut an.
Stadionwelt: Erzähl doch mal bitte etwas zu den Vorfällen um einen der beiden Fanbeauftragten. Laut Fußballmagazin RUND ging es um irgendwelche Drogengeschichten…
Batzdorf: Damit hatten wir eigentlich wenig zu tun. Es gab zwar auch gewisse Differenzen mit dieser Person. Letztlich kamen die entscheidenden Aktionen gegen Herrn Matz von Seiten des Inferno Cottbus. Mittlerweile hat diese Person alle Ämter niedergelegt.
Stadionwelt: Apropos Inferno Cottbus. Über IC gibt es immer wieder Artikel in verschiedenen Zeitungen. Viele szeneunkundige Schreiber machen keinen Unterschied zwischen IC und dem Rest der Energie-Fanszene.
Batzdorf: Soweit ich mitbekommen habe, sind IC fast aus dem Stadion verschwunden. Nach dem Freundschaftsspiel gegen Halle Anfang Oktober gab es neue Stadionverbote, welche fast die komplette Gruppe betrafen. Lediglich vereinzelte Mitglieder vom IC dürfen noch ins Stadion, sowie deren Nachwuchs. Aus Block G kommt daher stimmungstechnisch nicht mehr viel, obwohl dies ja eh schon eher selten der Fall war. In vereinspolitischen Dingen gibt es schon Absprachen, ansonsten geht man getrennte Wege und lässt sich mittlerweile in Ruhe.
Stadionwelt: Wie sieht es mit dem Bau der Sitzplätze im Unterrang aus?
Batzdorf: Dies scheint aktuell nicht auf der Tagesordnung zu stehen, da dem Verein das Geld für den Bau einer Hintertortribüne fehlt. Außerdem sind die Zuschauerzahlen sowieso nicht so hoch, dass sich dies lohnen würde. Für uns würde die Versitzplatzung des Unterrangs natürlich den Verlust des Fanblockes und damit auch des eigenen Standortes bedeuten. Unsere Bemühungen gehen in die Richtung den Block I, als den Fanblock in Cottbus sowohl in den Köpfen der Leute als auch in den Köpfen der Verantwortlichen zu etablieren. Deshalb auch die Aktion beim Heimspiel gegen Stuttgart.
Stadionwelt: Mit dem „Auslandsjournal“ habt Ihr ein neues Fanzine auf den Markt geworfen. Wie ist es gelaufen, wie sieht die Zukunft davon aus?
Batzdorf: Also das Heft hat ja nicht UR gemacht, das haben drei Einzelpersonen aus Cottbus erstellt. Die Auflage lag bei 700 und wir haben davon circa 500 verkauft. Es handelt sich um ein reines Hopperzine mit Blickrichtung auf das Ausland, wie der Name ja auch schon sagt. Nummer 2 wird zur neuen Saison erscheinen. Ein weiteres Zine nur über Energie wäre übertrieben. Vermutlich wird das Blatt der Ultima Raka „Nowosci z Chosebuzu“ mit Beginn der Rückrunde wieder erscheinen.
Stadionwelt: Beim Heimspiel gegen Schalke gab es die größte Cottbuser-Choreo der Hinserie. Warum haben Ultima Raka sich nicht beteiligt?
Batzdorf: Ganz einfach: Wenn wir eine Choreo machen, dann wollen wir sie aus eigenem Antrieb machen. Eine Choreo ist ein Geschenk an die Mannschaft, an den Verein, an die Stadt – und Geschenke lässt man sich nicht bezahlen. Hier ging es um eine Aktion im Rahmen des „Coca Cola Fan-Dream“. 900 Euro hat die Choreo wohl gekostet, die haben die Macher dafür zur Verfügung gestellt bekommen. Das wollten wir nicht unterstützen. Zudem haben wir „das längste Spruchband der Liga“ schon vor anderthalb Jahren gegen Fürth am Oberrang aufgehängt.
Stadionwelt: Wie war das halbe Jahr in der Bundesliga?
Batzdorf: Langweilig! Stimmungstechnisch gab es kaum Ausreißer nach oben. Die Heimspiele waren eher mau, da haben wir leider nicht wirklich entscheidendes erreicht. Auswärts war alles in allem OK, obwohl 250 Leute in Aachen auch nicht gerade toll sind. Ein bisschen haben wir die Hinrunde, wenn man ganz ehrlich ist, auch „verschlampt“. Sportlich gibt es dagegen nichts zu meckern, wir stehen über dem Strich, also alles paletti.
Stadionwelt: Was bewegt die Fans aus der Lausitz dieser Tage noch?
Batzdorf: Innerhalb der Szene reibt man sich zu sehr an Nebensächlichkeiten. Es kann nicht sein, dass man darüber diskutiert, wer möglicherweise ein Bier zu viel getrunken hat. Alle sollten sich mehr auf den Fußball und den Verein konzentrieren. (Stadionwelt, 8.1.2007)
Foto: Faszination Fankurve




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