Nach nur zwei Jahren in der Regionalliga ist TuS Koblenz nun in der 2. Bundesliga angekommen. Der Fanbeauftragte Marc Kreidel spricht über den rasanten sportlichen Aufschwung und die damit einhergehende Entwicklung seiner Fanszene.
Stadionwelt: Nun hat es nach nur zwei Jahren schon geklappt mit dem Aufstieg in die 2. Liga. Wie war die Saison für euch?
Kreidel: Es war eine große Party. Wir haben alle Spiele genossen. Gerade die Heimspiele waren natürlich besonders toll, da wir nur ein einziges verloren haben. Ich fahre jetzt schon 14 Jahre lang zur TuS, und dieses Jahr war wirklich ein ganz besonderes. Früher sind wir mit 20 Autos nach Stuttgart gefahren, und jetzt konnten wir einen Sonderzug mit 1.500 friedlich feiernden Fans organisieren. Das war ganz großes Kino.
Stadionwelt: Welche Spiele waren die Highlights?
Kreidel: Stuttgart war einfach Gänsehaut pur. Mittlerweile sind wir Fans hier auch alle gut mit Fahne, Trikots und Schals ausgestattet. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Der Anpfiff des Spiels wurde sogar um 20 Minuten verschoben, da der Ansturm auf die Kassenhäuschen zu groß war. Da wir dieses Spiel leider verloren haben, war aus sportlicher Sicht das Auswärtsspiel in Hoffenheim das Highlight. Es war für mich immer bewegend, alle Fans in unseren Farben zu sehen. Auch Kinder und Frauen sind immer mit von der Partie, da alles so friedlich abläuft. Ich bin froh sagen zu können, dass wir überall gerne gesehen sind.
Stadionwelt: Was erwartest du dir im Gegensatz dazu nun von Liga 2?
Kreidel: Es ist wohl die stärkste 2. Liga seit vielen Jahren mit vielen Teams aus unserer Gegend. Ich bin selbst auch Koblenzer und dachte immer, wir wären ein müdes Beamtenvolk, doch der Autokorso nach dem Aufstieg hat mich eines Besseren belehrt. Es war wie Karneval, da überall TuS-Fahnen hingen und die Menschen auf der Straße gefeiert haben. Den Klassenerhalt würden wir mindestens genauso intensiv feiern. Ich habe vor fünf Jahren schon gesagt, dass Koblenz im Dornröschenschlaf liegt und nur geweckt werden muss.
Stadionwelt: Dies ist sehr abrupt passiert. Kommt die Fanszene mit dem sportlichen Wachstum mit?
Kreidel: Wir haben ein großes Umfeld, und nun sind die Menschen alle da, um die TuS anzufeuern. Besonders hervorzuheben ist hier der hohe Frauenanteil. Fanclubs schießen wie Pilze aus dem Boden und formen die Szene weiter. In Koblenz sagt man, die TuS ist en vogue. Der ganze Aufschwung ging aber doch zu schnell – und das nicht nur für die Fanszene, sondern für den ganzen Verein. Vom Amateurfußball über den semiprofessionellen Bereich, in dem uns noch einiges verziehen wurde, sind wir nun im Profigeschäft angekommen und müssen uns hier behaupten.
Stadionwelt: Im Raum steht ein Umzug nach Trier, Siegen oder Mainz. Was hältst du davon?
Kreidel: Das war eine klare Provokation seitens des Vereins, um alle Beteiligten wachzurütteln. Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird. Dennoch haben wir hier eine große Baustelle, um die Auflagen der DFL zu erfüllen. Unser Stadion gehört der Stadt, und die wollte erstmal ihren Nutzen daraus ziehen. So haben sich während der Aufstiegseuphorie alle mit der TuS gerühmt, doch seitdem der Aufstieg besiegelt ist, kam erstmal nichts mehr nach.
Stadionwelt: In Koblenz ist eine Diskussion um die Eintrittspreise entflammt. Was denkt da der Fanbeauftragte?
Kreidel: Ich muss das als Fan und als Vertreter des Vereins sehen. Die Preise für die Fangerade sind okay. Es gibt Ermäßigungen für Vereinsmitglieder. Die Karten kosten dann statt 150 ¤ nur noch 120 ¤. Ich werde öfter nach Studenten- und Schülerermäßigungen gefragt. Diese können wir aber leider nicht anbieten. Die Dauerkarten sind bei uns übertragbar, und im ersten Jahr wäre uns eine Kontrolle der Ermäßigungsberechtigung nicht möglich. Wirkliche Probleme haben wir nur mit den neuen Sitzplätzen. Wir haben eine Zusatztribüne errichtet, die vom Hamburger Fanfest stammt. Man hätte vorher bessere Aufklärungsarbeit leisten müssen, um den wirklich hohen Preis von 400 ¤ für eine Dauerkarte zu rechtfertigen. (Stadionwelt, 01.08.2006)




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