6.539 Zuschauer, gerade einmal 13 Gästefans und ein als „Grün-Spiel“ eingestuftes Duell: Beim Heimspiel des SSV Jahn Regensburg gegen den TSV Havelse am 10. Oktober kritisiert die Fanhilfe Regensburg ein völlig überdimensioniert wirkendes Polizeiaufgebot. Angesichts hoher Kosten und zahlreicher Überstunden stellt sich die Frage, warum selbst bei Begegnungen mit geringem Risikopotenzial derart viele Einsatzkräfte aufgeboten werden.
Viel Polizei, wenig Risiko: Fanhilfe Regensburg stellt Verhältnismäßigkeit infrage
Foto: Faszination Fankurve
Beim Fußball wird regelmäßig über Sicherheit, Polizeikosten und die Belastung der Einsatzkräfte diskutiert. Doch wie viel Polizei braucht es tatsächlich, um ein Spiel abzusichern? Beim Heimspiel des SSV Jahn Regensburg gegen den TSV Havelse sieht die Fanhilfe Regensburg ein deutliches Missverhältnis zwischen der überschaubaren Gefahrenlage und dem betriebenen Aufwand.
Am 10. Oktober verfolgten 6.539 Zuschauer die Begegnung. Unter ihnen waren gerade einmal 13 Gästefans. Zudem war das Spiel als sogenanntes „Grün-Spiel“ eingestuft – eine Begegnung, bei der keine besonderen Sicherheitsrisiken erwartet werden. Trotzdem seien Heimfans auf ihrem Weg durch die Stadt von fünf Polizeikastenwagen begleitet worden. Auch auf der Westtribüne hätten zahlreiche Polizeikräfte Stellung bezogen.
Für die Fanhilfe ist dieser Aufwand nicht nachvollziehbar. Eine besondere Rivalität oder eine erkennbare Konfliktlage habe es nicht gegeben. Auch die geringe Zahl der Gästefans sei keineswegs überraschend gewesen: Bereits beim letzten Heimspiel gegen Havelse waren lediglich 15 Gästefans angereist. Dass die Einsatzplanung diese Entwicklung offenbar nicht in einem entsprechend reduzierten Polizeiaufgebot widerspiegelte, sorgt für deutliche Kritik.
Großaufgebot trotz geringer Risikoeinstufung
Nach Darstellung der Fanhilfe handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Auch bei anderen Heimspielen des Jahn sei regelmäßig eine massive Polizeipräsenz zu beobachten – unabhängig davon, wie viele Gästefans anreisen oder welche Gefahrenlage tatsächlich erkennbar ist. Der Eindruck: Ein umfangreicher Polizeieinsatz gehört bei Fußballspielen in Regensburg längst zum Standard, selbst wenn die Rahmenbedingungen kaum Anlass dafür bieten.
Damit rückt eine grundlegende Frage in den Mittelpunkt: Nach welchen Kriterien wird die Stärke solcher Einsätze festgelegt? Wenn bei einem als risikoarm eingestuften Spiel mit nur 13 Gästefans ein derartiges Aufgebot erforderlich erscheint, muss die Verhältnismäßigkeit dieser Planung hinterfragt werden.
Die Fanhilfe verweist in diesem Zusammenhang auf Angaben der Polizeiinspektion Regensburg Süd. Demnach werden bei Heimspielen des Jahn durchschnittlich 2,4 Straftaten pro Spiel angezeigt. Ob daraus Verurteilungen folgen oder Verfahren eingestellt werden, lasse sich den Angaben zufolge nicht erkennen. Für die Fanhilfe wirft dies zusätzliche Fragen zum regelmäßig hohen Personalaufwand auf.
Hohe Kosten, viele Überstunden – und trotzdem so viel Polizei?
Besonders brisant ist die Kritik vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatte über die Kosten von Polizeieinsätzen im Profifußball. Während über eine Beteiligung der Vereine an den Kosten für Hochrisikospiele gestritten wird und die Belastung der Polizei durch Überstunden immer wieder Thema ist, stellt sich umso mehr die Frage nach dem sinnvollen Einsatz vorhandener Ressourcen.
Die Fanhilfe sieht einen deutlichen Widerspruch: Einerseits werde über hohe Polizeikosten und überlastete Einsatzkräfte geklagt, andererseits würden selbst bei Begegnungen mit niedriger Risikoeinstufung zahlreiche Beamtinnen und Beamte eingesetzt. Ein solcher Umgang mit öffentlichen Geldern und personellen Ressourcen sei nicht hinnehmbar, wenn der tatsächliche Anlass für das Aufgebot nicht erkennbar sei.
Die Folgen beträfen zudem nicht nur den Haushalt und die Arbeitsbelastung der Polizei. Eine dauerhaft massive Präsenz könne bei Fußballfans den Eindruck erwecken, grundsätzlich unter Generalverdacht zu stehen. Das belaste das Verhältnis zwischen Fans und Polizei und könne Spannungen zusätzlich verschärfen.
Fanhilfe fordert ein Umdenken
Die Fanhilfe Regensburg verlangt deshalb eine Einsatzstrategie, die sich stärker an der tatsächlichen Gefahrenlage orientiert. Statt Fußballfans pauschal mit einem hohen Polizeiaufgebot zu begegnen, müsse die Personalstärke nachvollziehbar und verhältnismäßig geplant werden.
Der Einsatz beim Heimspiel gegen Havelse steht für die Fanhilfe exemplarisch für eine Entwicklung, die sie seit Längerem kritisiert. Gerade bei einer Begegnung mit nur wenigen Gästefans und niedriger Risikoeinstufung sei ein derartiger Personalaufwand kaum vermittelbar.
Die Botschaft der Fanhilfe ist deutlich: Wer über knappe öffentliche Mittel, hohe Polizeikosten und Überstunden spricht, muss auch erklären, warum bei einem Spiel wie diesem ein derart großes Aufgebot eingesetzt wird. Fünf Polizeikastenwagen für 13 Gästefans – für die Fanhilfe Regensburg steht dieser Einsatz sinnbildlich für eine Polizeistrategie, die dringend auf den Prüfstand gehört.
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