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Nach BFC-Pokalspiel: Fanhilfe erhebt Vorwurf der Polizeigewalt

TM 08.10.2026 0 Kommentare

Nach dem Landespokalspiel zwischen Tennis Borussia und dem BFC Dynamo am Mommsenstadion erhebt die Fanhilfe BFC schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie kritisiert insbesondere das Vorgehen auf dem Weg zum S-Bahnhof und bei einer anschließenden Festnahme. Die Fanhilfe spricht von einem unverhältnismäßigen Einsatz und in einem Fall sogar von Polizeigewalt.

Ruhiger Abmarsch – dann eskaliert die Situation

Nach Darstellung der Fanhilfe hatte sich die aktive Fanszene des BFC  nach dem Pokalspiel zwischen Tennis Borussia Berlin und dem BFC Dynamo vor den Toren des Mommsenstadions gesammelt. Kleinere Vorfälle nach dem Elfmeterschießen – gegenseitige Provokationen und Überschreiten von Zäunen - seien zunächst durch Vereinsmitarbeiter und die Polizei beruhigt worden.

Anschließend habe die Polizei einen begleiteten Marsch zum Bahnhof über einen schmalen Waldweg angekündigt. Vertreter der Fanszene hätten daraufhin die wartenden Anhänger aufgefordert, ruhig und geschlossen zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen.

Nach Angaben der Fanhilfe sei der Marsch zunächst ohne Probleme verlaufen. Auf etwa halber Strecke habe sich die Situation jedoch verändert. Polizeibeamte hätten sich entgegen der vorherigen Absprache durch den Fanblock bewegt und sich dabei den Weg freigeschoben. Eine vorherige Ansage habe es nach Darstellung der Fanhilfe nicht gegeben.

Kritik an Schlägen und Reizmitteleinsatz

In der Folge seien nach Angaben der Fanhilfe wahllos Fans geschlagen worden. Gleichzeitig hätten Polizeibeamte Pfefferspray beziehungsweise andere Reizmittel eingesetzt und diese teilweise aus unmittelbarer Nähe in die Gesichter von Fans gesprüht.

Die Fanhilfe bezeichnet das Vorgehen als unverhältnismäßig. Insbesondere sei für sie nicht nachvollziehbar, warum die Polizei in dem engen Waldstück durch den Fanmarsch habe laufen müssen. Mögliche Identitätsfeststellungen hätten nach ihrer Ansicht bereits am Stadion oder später auf dem Bahnhofsvorplatz durchgeführt werden können.

Fanhilfe kritisiert fehlende Deeskalation

Auch die bisherige Zusammenarbeit mit der Polizei wird von der Fanhilfe thematisiert. In der Vergangenheit habe es nach ihrer Darstellung einen deeskalierenden Umgang gegeben: Wenn eine Person identifiziert und eine polizeiliche Maßnahme erforderlich gewesen sei, hätten Beamte zunächst das Gespräch mit der Fanhilfe gesucht und nach einer freiwilligen Ausweisung gefragt. Dieses Vorgehen habe sich aus Sicht der Fanhilfe nun verändert.

Nachdem sich die Situation auf dem Weg zum Bahnhof zunächst wieder beruhigt habe, hätten Fanvertreter vorgeschlagen, szenekundige Beamte zwischen der Hundertschaft und den Fans laufen zu lassen. Dies sei von den Einsatzkräften abgelehnt worden.

Für die Fanhilfe stellt sich deshalb die Frage, warum ein aus ihrer Sicht möglicher deeskalierender Weg nicht eingeschlagen wurde.

Polizeikessel am Bahnhof

Am Bahnhof angekommen, sei den Fans nach Darstellung der Fanhilfe zunächst der Zugang zum Bahnsteig verwehrt worden. Anschließend habe die Polizei einen Kessel gebildet.

Dort hätten Fans versucht, einen Anhänger zu versorgen, dessen Gesicht und Augen durch den vorherigen Reizmitteleinsatz verletzt worden seien. Die Versorgung sei dabei nach Angaben der Fanhilfe mit Jacken und Körpern gegen das Filmen durch Polizeikräfte abgeschirmt worden. Anschließend sei es erneut zu einem Polizeieinsatz und einer Festnahme gekommen.

Fanhilfe spricht von Polizeigewalt

Besonders schwer wiegt der Vorwurf im Zusammenhang mit dieser Festnahme. Die Fanhilfe erklärt, ihr lägen dazu Zeugenaussagen, Gedächtnisprotokolle und Filmmaterial vor.

Nach ihrer Darstellung sei ein Fan zu Boden gebracht, von einem Beamten fixiert und mit Handschellen versehen worden. Anschließend habe mindestens ein weiterer Polizist auf den am Boden liegenden Mann eingetreten und ihn dabei auch am Kopf getroffen.

Die Fanhilfe spricht deshalb ausdrücklich von Polizeigewalt. Gleichzeitig erklärt sie, sich bei der öffentlichen Bewertung von Polizeimaßnahmen grundsätzlich zurückhalten zu wollen.

Forderung nach vollständiger Aufklärung

Zum Abschluss fordert die Fanhilfe BFC Dynamo von der Berliner Polizei eine „zügige, vollständige Aufklärung“ der Vorgänge. Dabei müsse mit derselben Konsequenz ermittelt werden, die die Polizei bei vergleichbaren Vorwürfen gegen Fußballfans an den Tag lege.

Die Fanhilfe wünscht zudem allen Verletzten eine schnelle und vollständige Genesung.

Faszination Fankurve dokumentiert
die Stellungnahme der Fanhilfe BFC:

Stellungnahme der Fanhilfe BFC Dynamo e. V., zu den Vorfällen nach dem Spiel im Landespokal TeBe gegen den BFC Dynamo im Umfeld des Mommsenstadions

Seit vielen Jahren ist es so, dass sich nach Spielen des BFC in diesem Stadion, bei denen unsere Fans im Gästeblock stehen, die Heimreise schwierig gestaltet.
​Gestern war dies leider auch wieder der Fall. Nach kleineren Vorfällen am Ende des Elfmeterschießens, die zum einen von den Vereinsmitarbeitern und zum anderen von der Polizei unter Mithilfe der Vereinsmitarbeiter beruhigt bzw. ohne weitere Eskalation beendet wurden, sammelte sich die aktive Szene vor den Toren des Mommsenstadions und fragte bei der Polizei an, ob man nicht wie gewohnt über die Waldschulallee zur Bahn laufen könnte. Dies wurde verneint; ein Ansprechpartner der Bundespolizei kam auf einen Vertreter der Fanhilfe zu und erklärte den geplanten Ablauf: Sie würden uns jetzt ruhig zum Bahnhof begleiten, eine Einheit vorne und eine Einheit hinten. Warum der Marsch zur S-Bahn auf dem wesentlich schmaleren Waldweg statt wie gewohnt auf der Waldschulallee erfolgen musste, blieb ungeklärt.

​Nach kurzer Absprache von Führungspersonen der Fanszene und der Fanhilfe erfolgte die Durchsage an die wartenden Fans, bitte ruhig und geschlossen zum Bahnhof zu laufen und sich nicht provozieren zu lassen. Daraufhin setzte sich die Gruppe in Bewegung.
​Zunächst lief auch alles super, bis auf ungefähr der Hälfte der Strecke zum Bahnhof die Polizei der Meinung war, in dem Waldstück an einer Stelle, an der es noch enger wird, entgegen der Ansage vor Abmarsch und ohne ersichtlichen Grund am Fanmob vorbeilaufen zu müssen und sich dabei den Weg freizuschieben – und dies, ohne vorher anzusagen, wer jetzt dort vorbeiläuft, oder um Platz zu bitten.

Ohne vorherige Warnung wurde wahllos auf völlig überraschte Leute eingeschlagen. Zeitgleich wurde Pfefferspray/Reizgas/Gel herausgeholt und den Leuten teilweise aus nur wenigen Zentimetern Abstand und ohne Ankündigung ins Gesicht gesprüht.
​Wir kritisieren hier mit aller Deutlichkeit und völligem Unverständnis die Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes. Sich in einem derart engen Waldstück an dem geordnet laufenden Block der Fans vorbeizuschieben, ist schon eine Sache für sich, die nicht nötig und nicht abgesprochen war. Es waren genug Beamte vor und hinter uns.
Was soll denn in so einer Situation passieren?
Wenn durch die Polizeikräfte Maßnahmen zur Identitätsfeststellung erfolgen sollten, hätten diese auf dem Vorplatz des Stadions umgehend durchgeführt werden können, als die Fans das Stadion verließen und sich sammelten, oder auf dem Bahnhofsvorplatz, zu dem der Marsch bekanntlich führte.

​Was wir nicht verstehen, ist die scheinbare Aufkündigung der bisher guten Zusammenarbeit mit der Polizei. Die bisherige, tatsächlich deeskalierende Linie der Polizei sah so aus: Wenn Personen klar identifiziert waren und eine behördliche Identitätsfeststellung erfolgen sollte, ist die Polizei auf uns zugekommen und hat vor weiteren Maßnahmen gefragt, ob sich die beschuldigte Person freiwillig ausweist. Dadurch wurden weitere Maßnahmen der Polizei, die zu einer Eskalation der Gesamtsituation hätten führen können, hinfällig. Dies war für uns ein Weg, der es für beide Seiten sicherlich viel einfacher gemacht hat und gestern aufgekündigt wurde.

Nachdem die Situation sich an dieser Stelle weitestgehend beruhigt hatte, fragten Fanvertreter die behelmten Polizeibeamten, ob es möglich wäre, dass die szenekundigen Beamten zwischen der Hundertschaft und den Fans laufen könnten. Dies wurde von der Hundertschaft verneint.

Es bleibt die Frage:
Warum ist es nicht möglich, diesen von den Fans angeregten Weg einzuschlagen und damit gemeinsam deeskalierend zu wirken? So verfestigte sich der Eindruck, dass eine Deeskalation möglicherweise gar nicht gewünscht war.
​Am Bahnhof angekommen, wurde den wartenden Fans ohne Begründung der Zugang zum Bahnsteig verwehrt und ein Polizeikessel gebildet. Dieser Kessel war so klein, dass kein Abstand zu den Polizeibeamten gehalten werden konnte.
​Im Kessel unternahmen Fans den Versuch, einen Fan zu versorgen, dessen Gesicht und vor allem Augen durch das unnötige und unkontrollierte Reizgas/Pfefferspray/Gel bereits massiv geschädigt waren. Dabei wurde diese Behandlung mittels Jacken und Körpern der Fans gegen das Filmen der Polizei abgeschirmt, was mittlerweile zur üblichen Praxis bei der Versorgung verletzter Personen gehört.

​Es standen somit zwar einige Fans mit dem Rücken zur Polizei, doch kann dies nicht als Grund herangezogen werden, dass einkesselnde Polizeibeamte wieder ohne Ankündigung auf die Fans losgegangen sind. Hierbei kam es zu einer Festnahme. Wir halten uns nach Möglichkeit bei der öffentlichen Bewertung von Polizeimaßnahmen zurück. Doch da uns eindeutige Zeugenaussagen, Gedächtnisprotokolle und Filmmaterial vorliegen, sagen wir in diesem Fall: Hier herrschte Polizeigewalt!
Nachdem der festgenommene Fan zu Boden gebracht wurde, ein Polizeibeamter auf ihm kniete und Handschellen angelegt waren, trat mindestens ein weiterer Polizeibeamter auf den am Boden fixierten Fan ein und traf diesen auch am Kopf. Es soll jeder selbst entscheiden, wie dieser Gewaltausbruch eines durch Körperschutzausrüstung geschützten, Stiefel tragenden Polizeibeamten gegen einen am Boden liegenden, fixierten Menschen in Sommersachen und Turnschuhen bewertet wird. Wir wünschen allen Verletzten der Vorfälle eine gute, schnelle und vollständige Genesung.

Von der Berliner Polizei erwarten wir eine zügige, vollständige Aufklärung dieser Vorkommnisse – mit der gleichen Intensität und den gleichen Ergebnissen, die die Polizei gegenüber Fußballfans an den Tag legt, wenn diese ähnlicher Taten bezichtigt werden.

Pressesprecher
Ch. Hoffmann
Fanhilfe BFC e.V.