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Eindrücke vom ersten Derby seit 18 Jahren zwischen Derthona und Alessandria Calcio

Stefan Langer 07.10.2026 0 Kommentare

Durch den Aufstieg von Alessandria Calcio in die Serie D kam es am vergangenen Wochenende zum Derby gegen Derthona. 18 lange Jahre warteten die Fans darauf. Entsprechend groß war die Freude und am Spieltag mächtig was los.

Derby nach 18 Jahren Pause

Erstmals seit 18 Jahren gab es das Derby der Leoncelli von Derthona und der Grigi von Alessandria Calcio. Die Bezeichnung Leoncelli bezieht sich auf das charakteristische Löwenwappen von Derthona, während Alessandria aufgrund der einzigartigen grauen Vereinsfarbe als Grigi bezeichnet wird. Zuletzt waren sich die beiden Vereine in der Saison 2007/08 in der Liga begegnet.

Auch sportlich hatte das Duell einiges zu bieten, schließlich reiste Alessandria als Tabellenführer zum Drittplatzierten nach Tortona. Bereits nach zwei Minuten gingen die Gäste mit 1:0 in Führung. Derthona blieb dennoch gut im Spiel, kam allerdings nicht zu nennenswerten Torchancen. Alessandria erhöhte noch vor der Pause auf 2:0 und legte kurz nach Wiederanpfiff erneut nach. Derthona konnte zwar noch verkürzen und bekam dadurch noch einmal die zweite Luft, am Ende blieb es jedoch beim 1:3 und dem Derbysieg für Alessandria.

Volle Ränge im Stadio Fausto Coppi

Rund 2.000 Leute, darunter etwa 500 Gästefans, füllten das Stadion und sorgten für eine Kulisse und Atmosphäre, wie man sie hier lange nicht mehr gesehen hatte. Der zeitweise strauchelnde Fußball steht in Tortona teilweise im Schatten des national erfolgreichen Basketballvereins Derthona Basket, der in der Serie A und regelmäßig international spielt.

Die Tifoseria hatte hier bspw. mit den historischen Sconvolts Derthona in der Vergangenheit bereits bekannte Gruppen hervorgebracht. Aktuell gibt es zwei Kerne, die sich aufgrund unterschiedlicher Ansichten getrennt aufstellen.

Auf der einen Seite der überdachten Tribüne stehen die Ultras Derthona, die im Juli 2025 aus dem Zusammenschluss der vorherigen Gruppen Tortona 1908, Sconvolts Sez. Sale und Gruppo Disagio entstanden waren.

Zu Spielbeginn zeigten sie eine Überrollfahne mit einem aus der Ultrasgeschichte Derthonas bekannten Motiv, das den Derthona symbolisierenden Löwen beim Penetrieren eines Bären oder einer Bärin darstellt. Der Bär steht seit den 1920er-Jahren als Maskottchen und Symboltier für Alessandria. Freunde aus Verbania und Savona waren bei ihnen dabei, wobei Verbania (VB) ebenfalls am Zaun hing.

Banda Vigu & La Terza Età

Abseits von ihnen standen die Banda Vigu und La Terza Età, die ihre zahlenmäßige Unterlegenheit durch Leidenschaft wettzumachen suchten. Skandiert wurde unter anderem auch für die Freunde von Imperia.

Am Zaun hatten sie zudem ein Porträt des von Polizisten 2005 ermordeten SPAL-Ultras Federico Aldrovandi aufgehängt, dessen Todestag sich unlängst zum 21. Mal gejährt hatte. Faszination Fankurve berichtete darüber. Dabei waren bei ihnen auch die Freunde von Vigor Senigallia.

Gäste aus Alessandria im ausverkauften Gästesektor

Dass man sich untereinander nicht unbedingt einig ist und zu Hause die Gruppen der Gradinata Nord einerseits und die Mandrogni auf der Längsseite andererseits abseits voneinander stehen, kennen auch die Gäste aus Alessandria. An diesem Tag war man im blitzschnell ausverkauften Gästesektor eng beieinander und bot einen guten Auftritt.

Im Zug reiste man aus der 22 Kilometer entfernten Stadt Alessandria an und marschierte im Corteo durch die Straßen der gegnerischen Stadt zum Stadion. Wie es in der Vergangenheit üblich war, war dies in den letzten Jahrzehnten kaum noch aufgrund von Repressionen möglich. Entsprechend speziell war dieser Moment. Aus dem markanten Grau stach erneut das ebenso markante, bunte Reggae-Motiv von Rasta Kaos heraus.

Teile der Ultraszene aus Alessandria pflegen übrigens eine Freundschaft nach Deutschland. So bestehen entsprechende Kontakte zur Fanszene von Göttingen 05.

Gedenken an verstorbenen Fußballer

Vor Spielbeginn gab es einen emotionalen Moment im Gedenken an den wenige Tage zuvor mit erst 22 Jahren an einer schweren Krankheit verstorbenen Fußballer Giacomo Ghiardelli, genannt „Mino“. Eine Vereinsdelegation ging mit einem Blumenstrauß vom Gästeblock zu den Angehörigen auf der Tribüne. Im Gästesektor wurde dazu ein Spruchband für ihn gezeigt.

Derthona mit bewegter Vereinsgeschichte

Der Derthona Foot Ball Club wurde 1908 in Tortona gegründet, wobei man als Vereinsnamen den lateinischen Namen der Stadt wählte. 1930/31 sowie 1933/34 und 1934/35 spielte man drei Saisons in der Serie B, der bis heute größte Vereinserfolg. In der Serie C spielte Derthona 1935/36 bis 1938/39, 1941/42 bis 1947/48, mit kriegsbedingtem Ausfall der Saisons 1942/43 bis 1944/45, sowie 1969/70 bis 1973/74. In der Serie C2 folgten die Spielzeiten 1978/79 bis 1986/87, in der Serie C1 1987/88 bis 1989/90 und anschließend noch einmal in der Serie C2 1990/91.

Nach der Saison 2015/16 in der Serie D ging der Verein in Konkurs. 2016/17 gab es keinen Spielbetrieb. Im Sommer 2017 übernahm die in der Prima Categoria spielende USD Villaromagnano die Rechte am Verein und änderte ihren Namen in ASD Derthona HSL. HSL steht für den lateinischen Spruch hic sunt leones. 2022 wurde daraus wieder der Derthona Foot Ball Club.

Bereits 2015 hatten sich Fans die Rechte gesichert und einen Supporters' Trust namens Noi siamo il Derthona gebildet, der diese Übernahme unterstützte. Zwischenzeitlich hatten sich nämlich auch zwei andere Vereine in Derthona umbenannt und versucht, die Nachfolge anzutreten. Seit 2020/21 ist man wieder in der Serie D. 2025/26 hatte man auf einem Abstiegsplatz abgeschlossen, konnte aufgrund des Ausfalls anderer Vereine aber in der Serie D bleiben.

In Gedenken an einen großen Radrennfahrer: Das Stadio Fausto Coppi

Das Stadio Fausto Coppi wurde 1959 unterhalb des Burgbergs eröffnet. Die überdachte Tribüne stammt aus dem Jahr 1962. Insgesamt hätten 3.475 Zuschauer Platz. Benannt ist das Stadion nach dem Radrennfahrer Fausto Coppi, der unter anderem zweimal die Tour de France und fünfmal den Giro d'Italia gewann. Coppi starb 1960 im Alter von erst 40 Jahren in Tortona an Malaria, mit der er sich bei einem Radrennen in Afrika infiziert hatte.