Bocia, jahrzehntelanges Gesicht der legendären Curva Nord Bergamo, durchleidet seit Jahren massive Repressionen. Noch immer darf er seine Heimat nicht aus freien Stücken besuchen. Weit entfernt von der Lombardei lebt er im Exil. Dort bekam er am vergangenen Wochenende überraschend Besuch von der Curva Sud Avellino, die auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Ascoli einen Umweg einlegte, um Bocia ein starkes Zeichen des Respekts im Kampf gegen Repressionen zu bereiten.
Ein starkes Zeichen des Respekts im Kampf gegen Repression: Curva Sud Avellino besucht auf Auswärtsfahrt ehemaligen Anführer der Curva Nord Bergamo
Foto: privat
Jahrzehntelanger Anführer der legendären Curva Nord Bergamo
Claudio „Bocia“ Galimberti war jahrzehntelang der Anführer der legendären Curva Nord Bergamo. Seit unzähligen Jahren muss er sich mit einer breiten Spanne an Repressionen auseinandersetzen. So musste er vor langer Zeit Bergamo aufgrund gesetzlicher Maßnahmen verlassen, verlor aber nie den Draht in die Heimat.
Ein Leben im Exil
Seit einigen Jahren lebt Bocia nun in einem Nachbarort von Senigallia. Einer Küstenstadt an der Adria, über 420 km von Bergamo entfernt. Zusätzlich steht er weiterhin unter Hausarrest, darf sich nur zu gewissen Zeiten und nach vorheriger Genehmigung frei bewegen. So ist ein Besuch in Bergamo mit starken Regularien verknüpft und kommt dadurch nur noch äußerst selten vor.
Breite Unterstützung im Kampf gegen Repressionen
Alleine ist Bocia trotzdem nicht. Die Tifoseria der Atalanta steht weiterhin stark hinter ihm. Regelmäßig sieht man Spruchbänder für ihn. Gesänge zu Ehren Bocias ertönen nahezu bei jedem Spiel. Auch abseits der eigenen Szene gibt es eine breite Unterstützung. In der Vergangenheit halfen ihm sogar Ultras aus verfeindeten Szenen wie beispielsweise Trieste. Eine ganz besondere Form der Unterstützung erhielt Bocia jüngst vor der eigenen Haustür.
Curva Sud Avellino besucht Bocia
Zwischen der Curva Sud Avellino und den Bergamasci bestehen keine offiziellen Verbindungen. Dennoch nahmen die Ultras aus dem weit entfernten Kampanien am vergangenen Samstag vor ihrem Serie B Gastspiel bei Ascoli einen Umweg von über 300 km in Kauf, um bei Bocia zu Hause aufzutauchen und weiter Mut im Sumpf der Repressionen zuzusprechen.
„In einer Welt der falschen Mythen und falschen Helden, ehren wir, wer für uns alle bezahlt hat“
Lautstark tauchte man bei Bocia auf. Dazu hatte man ein Spruchband mit der Botschaft „In einer Welt der falschen Mythen und falschen Helden, ehren wir, wer für uns alle bezahlt hat. Freiheit für Claudio“ mit im Gepäck. Applaus folgte. Der einstige Anführer der Curva Nord war sichtlich berührt und verneigte sich vor dem dreistelligen Mob der Curva Sud Avellino.

Foto: privat
Dokumentarfilm über Bocia
Mit „A guardia di una fede“ ist im Herbst 2024 ein Dokumentarfilm über Bocia erschienen. „A guardia di una fede“ porträtiert Claudio „Bocia“ Galimbertis Leben als unerbittlichen Kämpfer für seine Sache, seine Ideale, seinen Verein und seine Stadt, dem durch seine Hingabe die wohl wichtigste Sache genommen wurde: seine Freiheit. Erhältlich ist der Film im Onlineshop von ERLEBNIS FUSSBALL.

Foto: Faszination Fankurve
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