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Als Zrinjski Mostar knapp am erstmaligen Erreichen der Gruppenphase eines internationalen Wettbewerbs scheiterte
Faszination Fankurve23.10.20250 Kommentare
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Der Bosnienkrieg ist einer der jüngeren Kriege in Europa und prägte das Leben im Land noch viele Jahre danach stark. So gehört der Fußball des Landes nicht wirklich zur europäischen Spitze, musste man sich in Bosnien-Herzegowina mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen, die zum Teil noch immer existieren. Doch in den letzten Jahren tauchen Mannschaften aus BiH immer häufiger im internationalen Geschäft auf – nicht nur wegen der Einführung der Conference League, sondern auch aufgrund des Klubs mit dem größten sportlichen Aufwind: Zrinjski Mostar. 2022 stand man durch das Erreichen der Play-offs als erste Mannschaft aus BiH der Gruppenphase eines internationalen Wettbewerbs so nah wie noch nie zuvor. Wir blicken auf die damaligen Aufeinandertreffen gegen Slovan Bratislava sowie auf die internationalen Saisons danach.
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Zrijnski Mostar ist einer der erfolgreichsten Vereine aus Bosnien-Herzegewonia, der mit einer im Vergleich zum restlichen Land recht großen Europapokal-Historie zurückblicken kann. Kurz nach der Jahrtausendwende nahm Zrinjski Mostar erstmals an einem internationalen Wettbewerb in Form des Intertoto Cups teil. In den Jahren danach spielte man oft zu Saisonbeginn in den Qualifikationsrunden der internationalen Turniere, scheiterte jedoch – wie alle anderen Mannschaften aus BiH – meist sehr früh.
Wie Faszination Fankurve in der Vorschau auf das heutige Spiel in Mainz berichtete, nahm der Klub in den letzten Jahren sportlich weiter an Fahrt auf. Neun Meisterschaften und drei Pokalsiege hat man mittlerweile geholt und ist in den letzten Spielzeiten somit nahezu immer auch international vertreten.
2022 erreichte Zrinjski erstmals die Play-offs der Conference League und empfing dort Slovan Bratislava – ein altbekannter Gegner, auf den man allein zwischen 2022 und 2025 ganze sechs Mal traf. So weit war zuvor noch keine Mannschaft aus Bosnien-Herzegowina gekommen. Ein historischer Moment also für den Fußball des Landes, auf dessen Spiele wir im folgenden Bericht noch einmal etwas genauer blicken wollen.
Conference League / Hinspiel Play-offs
HSK Zrinjski Mostar – SK Slovan Bratislava (18.08.2022) 1:0
Mostar, eine in der Region Herzegowina gelegene Stadt mit faszinierender und zugleich tragischer Geschichte. Im Bosnienkrieg entstand hier inmitten der Stadt eine Frontlinie zwischen Bosniaken und Kroaten, die die Bevölkerung teilte – und von deren Folgen sich die Stadt bis heute nicht vollständig erholt hat. Auch in der Fankultur ist Mostar besonders: Mit der Red Army von Velež und den Ultras Mostar vom HŠK Zrinjski gibt es zwei eindrucksvolle Anhängerschaften, die im Stadtbild unübersehbar sind und nicht unterschiedlicher sein könnten.
Obwohl Mostar mit seinen knapp 120.000 Einwohnern nicht sonderlich groß ist, wirkt die kroatische Seite der Stadt wie eine andere Welt. Anders als in der Altstadt oder auf der östlichen Seite der Neretva spürt man hier keine bosniakisch-muslimischen Einflüsse, sondern klar die kroatischen – sichtbar nicht nur im Lebensstil, sondern auch in den zahlreichen Fußballgraffiti. Anders als bei der Red Army von Velež Mostar verwenden die Ultras Mostar in ihren Graffiti klare Symbole zur Betonung der kroatischen Identität.
Je weiter man sich von der ehemaligen Frontlinie in Richtung Stadion Bijeli Brijeg bewegt, desto mehr Graffiti sind zu sehen – und man spürt, dass hier am Abend eines der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte stattfinden wird.
Im Stadionumfeld herrschte bereits früh ausgelassene Stimmung. Sämtliche Bars waren voll, die ersten Gesänge hallten durch die Straßen, und überall floss Alkohol. Die Begeisterung war riesig – schließlich stand Zrinjski erstmals in den Play-offs der Conference League. Seit der Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas im Jahr 1992 hatte es noch keine Mannschaft des Landes in die Gruppenphase eines internationalen Wettbewerbs geschafft. Zrinjski konnte also Geschichte schreiben. Im Hinspiel gegen Slovan Bratislava konnte ein wichtiger Schritt in Richtung dieses Ziels gelingen.
Das Spiel war im Vorfeld restlos ausverkauft. Nur etwa 8.000 Zuschauer waren zugelassen. Auf dem Schwarzmarkt gab es keine Tickets, und auch die Ordner waren nicht zu bestechen. Doch mit Hilfe Einheimischer gelang mir dennoch der Eintritt ins Stadion – und das sogar gegenüber der einzig geöffneten Tribüne.
Im Stadion herrschte eine ähnlich angespannte und zugleich euphorische Atmosphäre wie draußen. Die monumentale Gegengerade war im Unterrang brechend voll und aufgrund internationaler Auflagen der einzig zugelassene Bereich für Heimfans. Die Ultras Mostar positionierten sich mit rund 2.000 Leuten im rechten Teil der Tribüne und sorgten schon vor dem Anpfiff für Gänsehautstimmung – mit brachialer Lautstärke und unermüdlichen Gesängen.
Im Gästeblock versammelten sich nur etwa 60 Anhänger des slowakischen Meisters Slovan Bratislava, obwohl 250 Tickets zur Verfügung standen. Einige Zaunfahnen waren zu sehen, ansonsten fielen die Slowaken während des Spiels kaum auf. Weit nach Abpfiff kam es zu kleineren Auseinandersetzungen auf dem Heimweg sowie in der Altstadt, jedoch mehrheitlich zwischen den Anhängern der Red Army von Velež Mostar und den slowakischen Fans.
Zum Einlaufen der Mannschaften zeigte die Heimkurve zahlreiche Schwenkfahnen und Doppelhalter. Der amtierende Meister wurde vom gesamten Heimbereich emotional empfangen und lautstark angefeuert.
Der Spielverlauf blieb lange ausgeglichen, doch in der 89. Spielminute gelang Zrinjski der ersehnte Führungstreffer. Der Jubel kannte keine Grenzen – Fackeln untermalten diesen Moment, wo der Lautstärkepegel seinen Höhepunkt erreichte und das ganze Stadion nun nur noch dem Abpfiff entgegenfieberte. Trotz einiger Chancen der Slowaken behielten die Gastgeber die Oberhand und gewannen das Hinspiel verdient. Der Sieg wurde ausgiebig gefeiert.
Zum Rückspiel in Bratislava eine Woche später reisten rund 500 Ultras Mostar in die slowakische Hauptstadt. Das Spiel wurde zu einem echten Krimi und endete erst im Elfmeterschießen– zugunsten der Gastgeber, die sich mit 6:5 knapp für die Gruppenphase qualifizierten. Zuvor stand es nach der regulären Spielzeit ebenfalls 1:0 für die Gastgeber. In der Verlängerung schossen beide Teams dann noch jeweils ein Tor, ehe es ins Elfmeterschießen ging. Dennoch konnten Zrinjski Mostar und seine Fans stolz auf diese Europapokalsaison zurückblicken – nie zuvor war ein Klub aus Bosnien-Herzegowina der Teilnahme an einer Hauptrunde so nah gekommen.
In der darauffolgenden Saison war es dann endlich soweit: Zwar scheiterte man in der Champions League-Qualifikation erneut an Slovan Bratislava und auch in der Europa League-Qualifikation am LASK, doch Zrinjski erreichte dennoch die Gruppenphase der Conference League und traf dort auf Legia Warschau, Aston Villa und AZ Alkmaar – ein historischer Erfolg, nicht nur für den Verein, sondern für den gesamten bosnischen Fußball.
In der Saison 2024/25 gelang Zrinjski erneut der Einzug in die Play-offs der Conference League, scheiterte diesmal jedoch an Vitória Guimarães. Stattdessen war es Borac Banja Luka aus der Republika Srpska, welcher als zweite Mannschaft des Landes Bosnien-Herzegowina die Play-Offs überstand und somit in die nun eingeführte Ligaphase der Conference Leauge einzog.
Nun hat sich der Klub für die in der Vorsaison eingeführte Ligaphase qualifiziert. Der Weg dorthin verlief wie folgt: Nach dem Ausscheiden in der Champions League-Qualifikation, abermals gegen Slovan Bratislava, setzte man sich in der Conference League-Qualifikation gegen Breiðablik UMF und in der Play-off-Runde gegen den FC Utrecht durch. Am ersten Spieltag der Ligaphase siegte Zrinjski mit 5:0 gegen Lincoln Red Imps FC aus Gibraltar. Nach dem Spiel in Mainz folgen noch Auswärtsspiele bei Dynamo Kiew (in Lublin) und Raków Częstochowa (in Sosnowiec). Zuhause empfängt man Häcken Göteborg und Rapid Wien.
Zum heutigen Spiel in Mainz stellt der amtierende Meister zudem einen weiteren Rekord auf: Mit über 3.200 Fans reisen so viele Anhänger ins Ausland wie von keinem anderem Klub des Landes in der Geschichte des bosnischen Fußballs. Anpfiff der Partie ist um 21:00 im Stadion am Europakreisel.
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