„Wieder einmal wird über und nicht mit den Fans gesprochen“

Faszination Fankurve 10.10.2024 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Der Dachverband der Fanhilfen hat einen offenen Brief an Bundesinnenministerin Nancy Faeser verfasst. Vorm Treffen der Innenminister der Länder mit DFB und DFL kritisieren die Fans, dass am 18. Oktober 2024 mal wieder über aber nicht mit Fans gesprochen werden soll. (Faszination Fankurve, 10.10.2024)

Werbung
Spruchband von Union Berlin-Fans beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli in Richtung Nancy Faeser.

Faszination Fankurve dokumentiert den offenen Brief des Dachverbands der Fanhilfen:

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme:

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Faeser,

wie kürzlich bekannt wurde, ist für den 18. Oktober 2024 ein Treffen von Ihnen sowie den Sport- und Innenministern der Bundesländer mit DFB und DFL zur Sicherheitslage in den Fußballstadien geplant. Vorab möchten wir unser Unverständnis darüber ausdrücken, dass dieses Treffen ohne Vertreterinnen und Vertreter der Fans stattfindet. Wieder einmal wird über und nicht mit den Fans gesprochen. Die Chance auf einen ehrlichen Dialog, der bekanntlich auch immer wieder von politischen Stellen und Verbänden eingefordert wird, wird aus unserer Sicht mit diesem Vorgehen leichtfertig vertan.

Ebenso haben wir die große Befürchtung, dass aufgrund der Zusammensetzung des Treffens ein sehr einseitiges Bild von der aktuellen Situation in und um die Stadien gezeichnet werden wird. Fans werden dabei als Sicherheitsrisiko gesehen und eine Gefahrenlage im Rahmen von Fußballspielen beschrieben, die nicht der Realität entspricht. Denn selbst die polizeieigenen Statistiken zeigen, dass Fußballstadien sichere Orte sind. Dies wird auch dadurch sehr deutlich, dass jedes Wochenende mehrere hunderttausende Fans die Spiele besuchen. Würden Zustände bestehen, wie sie wiederholt fälschlicherweise in der Öffentlichkeit geäußert werden, würden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht immer wieder Zuschauerrekorde gebrochen werden.

Wir erwarten, dass diese Fakten in die Betrachtung im Rahmen des Treffens mit einbezogen werden. Darüber hinaus beobachten wir, dass Fußballfans seit rund einem Jahr noch viel stärker als bislang schon einem enormen Repressionsdruck ausgesetzt sind. Am deutlichsten wurde dies bei den von uns dokumentierten Übergriffen durch Polizeieinheiten gegenüber Fans in der vergangenen Saison. 24 dieser Fälle haben wir in unserem Ende Mai veröffentlichten Saisonbericht dokumentiert.

Daher sehen wir es als dringend notwendig an, dass sich der Umgang der Sicherheitsbehörden mit Fans um 180 Grad dreht. Fußballfans sind weder Staatsfeinde, noch Schwerkriminelle. Daher sollten sie auch nicht so behandelt werden. Die bereits bestehenden Repressionen müssen deutlich zurückgefahren werden. Dazu zählt zum Beispiel die im Koalitionsvertrag der Ampel versprochene und bislang noch nicht umgesetzte Reform der Datei "Gewalttäter Sport". Ebenfalls braucht es ein deutliches Stopp-Schild für Forderungen nach noch mehr Repressionen gegen Fans durch personalisierte Eintrittskarten, lebenslange Stadionverbote oder Zuschauerausschlüsse. Wir würden es sehr begrüßen, wenn von dem anstehenden Treffen ein deutliches Zeichen für die Stärkung von Fanrechten und eine ehrliche Dialogbereitschaft auf Augenhöhe ausgeht. Für diesen Dialog stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Linda Röttig

Vorstandsmitglied
Werbung
Werbung

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.

weitere Beiträge