„Herr Hopp, Ihre Zeit ist um!“

Faszination Fankurve 08.08.2024 0 Kommentare

Foto: youngboyz07.com

Die Young Boyz fordern in einer neuen Stellungnahme den Rückzug von Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim. Die formale Rückkehr zur 50+1-Regel habe sich „als einzige Farce“ erwiesen. Die TSG Hoffenheim bleibe das „ Lebenswerk“ von Dietmar Hopp. Jetzt dürfe der Verein aber „nicht zu einem Marionettenspiel von alten, weißen Männern verkommen“.

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Die Gruppe kritisiert erneut die Entlassung von Alex Rosen und seinem Team in der Sommerpause. Der TSG Hoffenheim-Präsidentin Simone Engelhardt wird vorgeworfen, nur als ausführende Gewalt Dietmar Hopps zu fungieren. Die Verflechtungen der TSG mit der Spieleragentur ROGON stehen erneut in der Kritik der TSG-Fans. (Faszination Fankurve, 08.08.2024)

„50+1 wofür wir stehen - Hopp muss endlich gehen!“-Spruchband.

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Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Young Boyz:

Hallo TSG Fans,

es ist wieder einmal 5 nach 12. Pünktlich zum 125-jährigen Jubiläum unserer TSG wurden wir vor zwei Wochen mit einer Situation konfrontiert, die den Verein auf unverschämteste Weise vor die größte Zerreißprobe seiner Geschichte stellt. Die Entlassung von Alex Rosen und seinem Team hat einen tiefen Krater innerhalb der TSG und in den Herzen der Mitarbeitenden, Spieler und Fans hinterlassen. Die Art und Weise des Ablaufs, sowie die Hintergründe der Aktion lassen einen völlig fassungslos und wütend zurück.

In der Vergangenheit hatten wir bereits ein Banner mit der Aufschrift „Der Fisch stinkt immer vom Kopf herab" präsentiert, und wir sollten Recht behalten.

Durch unsere Kritik an den internen Machenschaften, sowie der externen Einflussnahme durch die Spieleragentur ROGON in der letzten Saison hatten wir mehrere konstruktive Gespräche mit der bis Ende Juli bestehenden Geschäftsführung.

Unsere Worte wurden an den richtigen Stellen platziert und man hatte laut Aussagen von Alex Rosen, Denni Strich und Jan Mayer doch einen wunden Punkt getroffen. Den Vorwürfen und Argumenten aus unseren vorherigen Flyern zu den desaströsen Vorgängen im Verein wurde in manchen Teilen Recht gegeben. Da die Reise von Strich und Mayer, der wieder ins zweite Glied rückt, Ende Oktober beendet ist, wollen wir über ihre unzureichende Arbeit hier allerdings keine weiteren Worte mehr verlieren.

Grundsätzlich ergab sich für uns in den Gesprächen mit der Geschäftsführung folgendes Bild:

Der Verein befand sich in einer Phase des Umbruchs, federführend und symbolisch dafür stand Alex Rosen. Jahrelang wurden von ganz oben alle wichtigen Entscheidungen an den eigentlichen Entscheidungsträgern vorbei durchgesetzt. Wer sich widersetzte, hatte einen schweren Stand bei Hopp (siehe Peter Görlich, Jens Rasiejewski, etc.). Alex Rosen gewann durch seine größtenteils gute Arbeit und seine Erfolge mehr und mehr Einfluss. Diesen Einfluss nutzte er, um die TSG nach und nach so umzustrukturieren, so dass man endlich von einem VEREIN sprechen konnte.

Er installierte Leute wie Bastian Huber, Pirmin Schwegler und auch Benni Hübner. Verantwortliche, die den gleichen Kurs fuhren, die schon in der Vergangenheit etwas für den Verein geleistet haben und denen der Verein auch etwas bedeutet. Man hatte in den Gesprächen das Gefühl, endlich Personen in der Führung zu haben, die den Klub voranbringen wollen und für eine Aufbruchstimmung sorgten.

Für uns war es, trotz aller Kritik an den fragwürdigen Strukturen der Vergangenheit, verständlich, dass man den Verein nicht an einem Tag umkrempeln kann. So beendeten wir unseren Protest vorerst, da wir wussten, dass sich die TSG in dieser Formation hoffentlich bald zum Besseren entwickeln würde.

Es war damals hauptsächlich das Team um Rosen, das mit größter Anstrengung Dietmar Hopp, Roger Wittmann und Kenan Kocak abwies, als diese unangekündigt im Trainingszentrum aufliefen, um sich als neues starkes Team zu präsentieren. Rosens Entscheidung, nicht auf Dietmar Hopps Vorschlag einzugehen und stattdessen Pellegrino Matarazzo zu verpflichten, erwies sich für die TSG als absoluter Erfolg: Wir hielten die Klasse, ein Jahr später spielen wir nun wieder international.

Unser Ziel schien nach diesen Gesprächen vorerst erreicht. Alex Rosen behält die Zügel in der Hand, und wird uns wie die letzten Jahre in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft führen.

Aus TSG-Kreisen erfuhren wir allerdings bereits vor Monaten, dass das Tischtuch zwischen Alex Rosen und Dietmar Hopp zerschnitten sei. Persönliche Worte wurden wohl nicht mehr viele gewechselt. Hopp teilte Alex Rosen bereits Anfang des Jahres mit, dass er nicht mehr in „seinem“ Verein willkommen sei. Doch seit der Rückkehr zu 50+1 hatte Hopp nicht mehr die Macht dies sofort umzusetzen.

Zum Ende der Rückrunde, bei ungewissem Ausgang der Saison, sah Dietmar Hopp jedoch die Möglichkeit, seinen Status Quo wiederzuerlangen. Man wollte in einer Nacht und Nebel Aktion mit Andreas Schicker von Sturm Graz einen ROGON-Manager installieren. Die Strukturen der Vergangenheit, mit vollständiger Kontrolle über das Geschehen, sollten wiederhergestellt werden. Unser anhaltender Protest, und die Tatsache, dass wir den internationalen Wettbewerb auf den letzten Drücker doch noch erreichten, machte es vorerst unmöglich die sportliche Leitung direkt auszutauschen. Diese Umstände waren Rosens Glück und ließen ihn im Amt bleiben - vorerst.

Wir haben uns damals schon gefragt: Wer hat in diesem Verein überhaupt die Autorität, einem Andreas Schicker an allen eigentlichen Entscheidungsträgern vorbei einen Vertrag vorzulegen? Wer entscheidet das?

Die Antwort lautet: Die „Gesellschafter der Spielbetriebs GmbH. Diese bestehen aus dem ehemaligen SAP-Vorstand Gerhard Oswald, den 2 Präsidenten des e.V., dem neuen Geschäftsführer-Chef Markus Schütz (zum damaligen Zeitpunkt noch nicht im Amt), Daniel Hopp, und natürlich - Dietmar Hopp selbst.

Doch der damalige erste Präsident Kristian Baumgärtner war ein großer Freund der Arbeit Rosens, er hätte einer Entlassung dessen unter keinen Umständen zugestimmt. Auch er sah bei der TSG immer das Große und Ganze und war überzeugt, dass Alex Rosens Weg der Richtige war.

Leider musste Baumgärtner krankheitsbedingt sein Amt vor gut einem Monat niederlegen. In dieser unglücklichen personellen Veränderung im e.V. erkannten Dietmar Hopp und Roger Wittmann ihre Chance zum großen Umbruch. Seitdem erweist sich die formale Rückkehr zu 50+1 als einzige Farce. Dass die Mitglieder des Vereins wieder die Stimmenmehrheit haben sollten, wurde mit diesem Rundumschlag der Gesellschafter wieder zunichte gemacht.

Simone Engelhardt, die seitdem interimsmäßig die alleinige Präsidentinnenrolle einnimmt, steht natürlich auf der Seite Dietmar Hopps. Dieser hatte Engelhardt Ende der 80er Jahre bei SAP eingestellt und sie hat viele Jahre als rechte Hand von Hopp und später auch von Oswald gearbeitet. Beiß also niemals die Hand, die dich füttert! In der aktuellen Spielfeld-Ausgabe der TSG gibt Engelhardt ein Interview, in dem sie gefragt wird, inwieweit sich ihr Alltag durch die 50+1 Rückgabe an den e. V. verändert hat. Ihre an Dreistigkeit nicht zu überbietende Antwort ist eine Offenbarung. Sie ließ verlauten:

„Für mich hat die Veränderung der Stimmrechte am Tagesablauf nicht sehr viel verändert, außer dass wir ein bisschen mehr unterschreiben müssen. Wir treffen die richtungs- weisenden Entscheidungen wie bisher gemeinsam mit ihm.“ Dass Engelhardt öffentlich propagiert, nur als ausführende Gewalt Dietmar Hopps zu fungieren gleicht einem Fiebertraum. Es ist offensichtlich, dass sie bei allen Entscheidungen den Weg des geringsten Widerstandes nimmt, um ihren Förderer nicht im Stich zu lassen. Auch Engelhardt war einst eine Unterstützerin von Alex Rosen, diese Meinung hat sich im Laufe der Zeit komischerweise aber gewandelt (vermutlich erst, als sich Baumgärtner zurückgezogen hat).

In der aktuellen Lage sind wir von 50+1 weiter entfernt, als wir es vor der Rückkehr zu 50+1 waren. Von den vor über 10(!) Jahren getätigten Aussagen Hopps, er wolle sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen, ist nichts mehr übrig. Nach dem Austausch der kompletten Geschäftsführung und sportlichen Leitung und der Installation eines Sportanwalts als Vorsitzenden haben Hopp und Wittmann die sich kurzfristig ergebende Situation ausgenutzt, um wieder die Vorderhand im Verein zu gewinnen und sich den negativen Stimmen gegenüber ROGON zu entledigen. Das Ganze unter dem Deckmantel einer Neuausrichtung bekannt zu geben, setzt der Sache noch die Krone auf. So stehen wir nun da, ohne sportliche Führung, fachliche Expertise und DEM Gesicht der TSG, Alex Rosen, und steuern auf eine wirklich sehr ungewisse Zukunft zu.

Wie anfangs schon erwähnt, ist die Art und Weise dieser Trennung von Rosen und seinen Vertrauten scharf zu kritisieren. Wie kann man 3 Wochen vor dem ersten Pflichtspiel der Saison mit internationalem Wettbewerb den Motor des Erfolgs so abwürgen? Wie kann es sein, dass weder Spieler, Trainer noch Mitarbeiter von dieser Entscheidung etwas mitbekommen haben und alles aus den Medien bzw. den Zuschauern am Trainingsplatz in Kitzbühel erfahren mussten? Die TSG ist immer noch ein Sportverein, mit vielen bodenständigen Mitarbeitern aus der Region und kein großes Industrieunternehmen, in dem jeder Mitarbeiter nur eine Nummer ist. Diese Entscheidung hat große Unruhe im Verein hervorgerufen, von der persönlichen Enttäuschung vieler Fans und Mitarbeiter, bis hin zur Mannschaft, die viel auf Ihren ehemaligen Sportdirektor gegeben hat. Viele Spieler pflegten ein sehr enges Verhältnis zu Rosen, er war für fast alle die Ansprechperson Nummer eins im Verein. Dass er am Ende der ganzen Aktion nach 11 Jahren Schweiß und Herzblut für den Verein nicht mehr persönlich zu Wort kommen darf, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Leute, denen die TSG am Herzen liegt, und eine Unprofessionalität vom Feinsten! Aber keine Sorge, die Neuausrichtung ist wichtig, um in Zukunft professioneller agieren zu können!

Wenige Tage vor Beginn der Saison müssen wir nun mit ansehen, wie unser Verein mit Vollgas an die Wand gefahren wird und einige irreparable Schäden entstanden sind. Alles, was wir in den letzten Monaten an Arbeit, Zeit und Energie in diesen Verein gesteckt haben wurde nun mit einem Schlag zunichte gemacht. Hopp und Wittmann haben einen riesigen Trümmerhaufen hinterlassen!

Das Vertrauensverhältnis zwischen aktiver Fanszene und Verein wurde stark beschädigt und in dieser Form ist eine Zusammenarbeit in der nächsten Zeit nicht denkbar. Weitere Schritte und Aktionen behalten wir uns vor. Die Mannschaft wurde bereits informiert und trägt keinerlei Schuld an der jetzigen Situation. Die Spieler haben Verständnis gezeigt und sind genauso wie wir, einfach nur maßlos enttäuscht vom Verein.

Abschließend wollen wir auch nochmals klarstellen, dass uns allen bewusst ist, dass unsere TSG ohne Dietmar Hopp nicht da wäre, wo sie jetzt aktuell steht. Wir wissen genau, was wir Ihm zu verdanken haben und dass er den Verein auf eine professionelle Ebene gehoben hat, die man sonst wohl nie erreicht hätte. Es ist und bleibt sein Lebenswerk. Trotzdem ist es nun an der Zeit, endlich loszulassen und den Verein in gute, frischere und zukunftsweisende Hände zu geben.

Herr Hopp, Ihre Zeit ist um! Die TSG Hoffenheim muss wieder zu einem transparenten Verein werden, und nicht zu einem Marionettenspiel von alten, weißen Männern verkommen! Berater-Freundschaft und Geschäftliches muss endlich voneinander getrennt werden!

Der bereits eingeschlagene Weg von Alex Rosen und seinem Team sollte schleunigst fortgeführt werden. Ansonsten ist der Verein bald Geschichte!

„Dietmar Hopp, dein Lebenswerk wird zerstört - nicht von Fremden, sondern demjenigen dem es gehört.“

Young Boyz 2007, August 2024
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