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Als die Polizei Busse der Kieler Fanszene ohne Spielbesuch wieder nach Hause schickte
Faszination Fankurve17.12.20230 Kommentare
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Im 17. Türchen des diesjährigen Adventskalenders blicken wir zurück auf den 04. November 2023, als die Kieler Fanszene mit Bussen zum Auswärtsspiel nach Osnabrück reiste. An der Bremer Brücke kamen die Holstein-Fans an diesem Tag jedoch nicht mehr an, weil die Polizei ohne jeglichen Straftatbestand Kontrollen durchführen wollte.
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„Am Samstagmorgen kam es im Osnabrücker Stadtgebiet zu einem Polizeieinsatz mit Bezug zu dem heutigen Fußballspiel zwischen dem VfL Osnabrück und Holstein Kiel. Den Beamten war bekannt geworden, dass sich mehrere Busse mit Fußballfans am frühen Morgen auf den Weg in die Hasestadt gemacht hatten. Im Bereich der Alten Poststraße stellten die Polizisten gegen 8 Uhr insgesamt drei Busse mit Anhängern aus Kiel fest. Eine Kontrolle der Busreisenden sollte daraufhin folgen. Anschließend wurde den Fans die Möglichkeit gegeben, bei kooperativem Verhalten das Stadion an der Bremer Brücke aufzusuchen. Die Insassen des Reisebusses lehnten eine Polizeikontrolle ab und teilten mit, freiwillig die Heimreise antreten zu wollen. Daraufhin wurden die Busse von Polizeikräften in Richtung Heimat begleitet. Es ist zu keinen strafbaren Handlungen gekommen“, teilte die Polizeiinspektion Osnabrück dazu mit.
Die Kieler Ultras verließen die Stadt somit ohne Spielbesuch. Man wollte „das repressive Vorgehen der Polizei nicht über sich ergehen“ lassen, teilten die Compagno Ultras später in einer Stellungnahme mit. Wegen des Vorfalls zweifele man nun erneut an der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland und einer Gleichbehandlung vorm Gesetz. Die Compagno Ultras fordern Reisefreiheit für Fußballfans.
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Umstrittene Polizei-Einsätze im Jahr 2023 im Rückblick:
Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft 2024 in Deutschland an. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2006 beobachten Fußballfans im Ligaalltag eine Zunahme von Repressionen und überharten Einsätzen der Polizei in und um die Stadien. Im diesjährigen Adventskalender von Faszination Fankurve schauen wir auf die umstrittenen Polizei-Einsätze im Kalenderjahr 2023.
Zuletzt häuften sich Einsätze an Spieltagen, die von betroffenen Ultras, aber auch von anderen Fans in den Stadien als überhart, überzogen oder völlig daneben eingestuft werden. Bundesweit fanden solche Vorfälle zuletzt medial Beachtung. Weil, anders als im Jahr 2006, mittlerweile in vielen Fanszenen sogenannte Fanhilfen entstanden sind, findet die Sicht von aktiven Fußballfans in der Berichterstattung regelmäßiger Aufmerksamkeit. Wie schon beim letzten Großturnier in Deutschland vor über 17 Jahren sind von umstrittenen Einsätzen vor allem Fußballfans betroffen, die ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen begleiten. Dieser Adventskalender zeigt, dass solch umstrittene Einsätze der Exekutive keine Einzelfälle sind. (Faszination Fankurve, 17.12.2023)
Das vergangene Auswärtsspiel in Osnabrück konnte von unserer und weiteren Gruppen der Kieler Fanszene aufgrund eines zweifelhaften Polizeieinsatzes nicht besucht werden. Da schon einige Medien über den mindestens fragwürdigen Einsatz berichteten, der für Außenstehende einige Fragen offen lässt, möchten wir uns an dieser Stelle kurz zu Wort melden:
Unter dem Vorwand wir hätten ein Mottospieltag unter der oben genannten Phrase „in Osnabrück stärke zeigen“ ausgerufen, wurden einige der Busse der Fanszene beim Einfahren in Osnabrück unverzüglich und auf offener Straße zum Stehen gebracht. Es wurden, ohne auch nur ein Wort zu kommunizieren oder die Mitfahrenden zu belehren, Einsatzkräfte der Osnabrücker Polizei um die Busse platziert, die die Türen dieser zu hielten und somit die Insassen festhielten. Nach einiger Zeit und dem Hinzuziehen von weiteren Einsatzkräften der Bundespolizei, wurde uns mündlich mitgeteilt, dass wir, ohne auch nur einen Fuß auf Osnabrücker Boden gesetzt zu haben und ohne Straftatsbestand, uns einer einzelnen Personen- und Objektkontrolle zu unterziehen hätten. Gründe wurden an dieser Stelle keine genannt und erst in einem später ausgestellten Schreiben konnte man die Beweggründe, die in Auseinandersetzungen aus den Jahren 2014 und 2015(!) lagen, erfahren. Die Personen- und Objektkontrollen waren an dieser Stelle absolut anlasslos und unverhältnismäßig – zumal uns der anschließende Spielbesuch nicht gewährleistet werden konnte. Aus diesen Gründen entschieden wir, das repressive Vorgehen der Polizei nicht über uns ergehen zu lassen, und machten uns, nach dem schriftlichen Ausstellen der Anordnung, auf den Weg in die Heimatstadt, den wir bis Anpfiff des Spiels nur in einem Polizeikonvoi antreten durften.
Wenn konspirative Anreisen genügen, um der Exekutive des Staates die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben und sie sich nicht weiter zu helfen wissen, außer anlasslose Kontrollen durchzuführen oder Personen der Stadt zu verweisen, dann läuft hier etwas gewaltig falsch. Erneut zweifeln wir an einem Rechtsstaat und an der Gleichheit vor dem Gesetz. Als die Fußabtreter der Gesellschaft fordern wir Reisefreiheit für Fußballfans und die Aufarbeitung anlassloser Polizeieinsätze gegenüber Fußballfans.
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