Massiver Fanprotest gegen Investor & für 50+1

Faszination Fankurve 03.05.2021 0 Kommentare

Foto: Bastian Trojahn

Das für gestern im Old Trafford angesetzte Premier League-Spiel zwischen Manchester United und dem Liverpool FC wurde abgesagt, nachdem es in Manchester zu massiven Fanprotesten gegen die Familie Glazer kam. Geschätzte 5.000 Fans beteiligten sich an den Protesten, die vorab angekündigt waren.
 

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Gestern forderten die Manchester United-Fans, dass bei ihrem Club eine Regel eingeführt wird, wie es sie in Deutschland mit der 50+1-Regel gibt. Diese begrenzt den Einfluss von Investoren im deutschen Fußball und soll garantieren, dass die Stimmenmehrheit immer beim mitgliedergeführten Verein liegt und nicht beim Investor.

Die Fans der Red Devils werfen den Söhnen und Erben von Malcolm Glazer, Joel und Avram Glazer, vor, dass diese mit ihrem Investment bei Manchester United lediglich auf Profitmaximierung aus seien. Traditionen, wie die Teilhabe an der englischen Premier League oder den europäischen Wettbewerben, für die man sich sportlich qualifizieren muss, seien den Investoren nicht wichtig.

Aus diesem Grund entlud sich gestern in Manchester die Wut der Fans und es kam zu den größten Protesten gegen die Glazer-Familie seit etwa einem Jahrzehnt. Wegen der Fanproteste wurde der Anstoß des Premier League-Spiels zwischen den ewigen Rivalen von Manchester United und dem Liverpool FC erst verschoben und anschließend aus Sicherheitsgründen abgesagt. Ein Nachholtermin steht aktuell noch nicht fest.

​Der gestrige Platzsturm im Video:

Zwar wird in England auch die Art des Protests mit Pyrotechnik, gestürmtem Spielfeld, fliegenden Flaschen und zwei verletzten Polizisten kritisiert, doch hauptsächlich konzentriert sich die Berichterstattung auf das Anliegen, das die Fans der Red Devils mit ihrem Protest verfolgten. Die 50+1-Regel nach deutschem Vorbild ist in England nun in aller Munde und die Bedeutung der Fans scheint auch in England wieder zuzunehmen.

Der ehemalige Manchester United-Spieler Gary Neville sprach während der Proteste von einer Warnung der Fans in Richtung der Investoren-Familie. Es ist offensichtlich, dass die Fanszene in England nach den Protesten gegen die Super League und der Rolle Rückwärts der beteiligten Vereine nun neuen Mut gefasst hat und weitere Proteste folgen dürften. Das ewige Prestige-Duell zwischen Manchester United und dem Liverpool FC werden sich die Fans der Red Devils nicht zufällig ausgedacht haben, garantiert es doch eine maximale Aufmerksamkeit weltweit.
 

Auch in Deutschland haben Fanproteste häufig erst die nötige Aufmerksamkeit erreicht, wenn Grenzen überschritten wurden. Vielleicht haben sich die Fans in England nicht nur bei der 50+1-Regel die deutsche Fanszene zum Vorbild genommen. Es scheint jedenfalls, als versuchen Fans auf der Insel sich nun Stück für Stück den Fußball zurückzuholen, der in England wahrscheinlich turbokapitalisierter ist, als in jedem anderen Land der Welt. Und wenn man irgendwo auf der Welt die negativen Begleiterscheinungen des Turbokapitalismus kennen dürfte, dann in Manchester, der Wiege des geschichtlichen Manchesterkapitalismus. (Faszination Fankurve, 03.05.2021)

Hörenswerter Podcast in deutscher Sprache zu den gestrigen Vorfällen:

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An den gestrigen Protesten war ein Querschnitt der Fanszene von Manchester United beteiligt.
Bild: Bastian Trojahn
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