Tag 1 nach der DFL-Mitgliederversammlung: Im Interview mit Stadionwelt spricht Rechtsanwalt Marco Noli von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte über die Auswirkungen der DFL-Mitgliederversammlung und das falsche Spiel der Politik.
Stadionwelt: Die Mehrheit der Profi-Vereine hat die 16 Anträge der DFL abgesegnet. Was bedeutet das für den Fußball?
Noli: Inhaltlich hat sich durch den Beschluss nicht viel Neues ergeben. Bereits jetzt gibt es ausreichende Regelungen, um die Sicherheit im Stadion zu gewährleisten. Die grob rechtswidrigen Passagen wurden bereits im Vorfeld wieder herausgenommen. Viele der 16 Anträge betreffen zudem nur den DFB, der erst in einem Jahr darüber entscheiden soll. Daher ist der aufgebaute Zeitdruck unverständlich. Das Papier wäre gar nicht nötig gewesen, weil vieles bereits jetzt praktiziert wird. Im Vordergrund steht daher vielmehr der symbolische Gehalt. Allerdings hat die DFL mit der Schaffung von Ganzkörperkontrollen – die rechtlich unzulässig sind – und der Auflösung des bisher unumstößlichen Auswärtsfankontingent von zehn Prozent, unnötige Provokationen gegenüber den Fans geschaffen. Das führt zu einem Vertrauensverlust gegenüber den Fans. Die DFL ist vor den Innenministern in die Knie gegangen.
Stadionwelt: Was stört Sie an Forderungen der Politik?
Noli: Allein, dass mit der Kostenbeteiligung von Polizeieinsätzen gedroht wurde, ist rechtlich unzulässig. Diese Kosten hat der Staat zu tragen, ansonsten wäre das Gewaltmonopol des Staates nicht zu rechtfertigen. Entweder kennen die Innenminister die Rechtslage nicht oder missachten bewusst die Verfassung. Beides finde ich als deutscher Steuerzahler, der ja letztendlich auch das Gehalt der Innenminister bezahlt, nicht akzeptabel. Genau genommen trägt allein der FC Bayern mit seinen Steuerzahlungen in Höhe von über 100 Millionen Euro jährlich die Kosten der gesamten Polizeieinsätze beim Fußball. Der deutsche Steuerzahler zahlt hierfür also keinen Cent. Mit dieser Debatte wird seitens der Politik davon abgelenkt, dass sie die eigene finanzielle Unterstützung der Fanprojekte kürzen wollen. Diese sind für die Präventionsarbeit jedoch immens wichtig.
„Die DFL ist vor der Politik in die Knie gegangen“
Foto: Faszination Fankurve
Bildergalerie zu diesem Beitrag
Stadionwelt: Was bedeutet das für die Zukunft?
Noli: Zunächst wird sich nicht viel ändern. Die Verbände und Vereine müssen jedoch versuchen, das Vertrauen wiederherzustellen und tatsächlich den angekündigten Dialog mit den Fans führen. Das ist bei vielen Vereinen der Fall, aber nicht bei allen. Beim FC Bayern beispielsweise ist der eigentlich immer mit Uli Hoeneß bestehende gute Dialog durch den Vorstand zerstört worden. Es gibt einen Fanbeauftragten, der nur als Feigenblatt dient aber in kaum etwas eingebunden wird, die nötige Zusammenarbeit mit den Fanprojekten findet kaum statt. Mit Wolfgang Salewski wurde ein externer Berater beauftragt, der nun in allen Fanbelangen entscheidet, aber keinerlei Interesse an einem fairen Dialog zu haben scheint. Das müsste sich ändern. Fans haben mir berichtet, dass Herr Salewski eine Diskussionsveranstaltung mit Fans mit den Worten kommentierte: „Das ist die schlechteste Veranstaltung, die ich je besucht habe.“ (Stadionwelt, 13.12.2012)




0 Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.