„Fankultur braucht auch in Zukunft gewisse Freiheiten“

Faszination Fankurve 06.12.2012 0 Kommentare

Foto: union-foto.de

Bereits morgen demonstrieren die Fans von Union Berlin und Kaiserslautern gegen das DFL-Sicherheitspapier. Stadionwelt sprach mit Christian vom Wuhlesyndikat über die Demonstration, die morgen um 15 Uhr am Brandenburgplatz beginnt und die Rolle von Union Berlin an der DFL-Kritik.

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Stadionwelt: In eurer Stadt soll am 07. Dezember 2012 eine von euch organisierte Fandemonstration stattfinden. Gegen was möchtet ihr demonstrieren?
Christian: Wir möchten mit dieser Demo für die Bewahrung unserer Fankultur einstehen, die natürlich massiv durch das DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ gefährdet ist. Die gesamtdeutsche Fankultur darf nicht auf Grund von Macht- und Profitstreben seitens der Politik und Verbände zerstört werden. Dieser Anlass für die Demo soll jedoch nicht die an sich positive Grundhaltung des Demo-Inhaltes überschatten. Wir wollen gemeinsam mit den Kaiserslautern-Fans zeigen, dass diese gewachsene Fankultur bewahrenswert und einzigartig ist. Unsere Fankultur braucht auch in Zukunft gewisse Freiheiten, um weiter bestehen zu können…

Stadionwelt: Wie seid ihr auf die Idee der Aktionsform Demonstration gekommen und wie gestaltet sich die Planung und Organisation bisher?
Christian: Dies ist, denke ich, ganz einfach zu beantworten: wir wollen den Protest auch auf die Straße tragen, da wir uns bereits im Vorfeld recht sicher waren, dass es mit dem bekannten 12:12 Minuten Schweigen keine Probleme bei Union geben wird. Auch gilt es ein Zeichen nach außen zu setzen: der Kampf zum Erhalt der Fankultur verbindet die Fans aller Vereine. Bezüglich der Ausgestaltung befinden wir uns noch in der Planungsphase, unsere Anliegen werden aber ganz sicher auch optisch unterstrichen.
Die Planung und Organisation verlief ziemlich problemlos.

Stadionwelt: Wo und wann findet die Demonstration statt, wie ist der Ablauf und Route der Demonstration?
Christian: Die Demonstration findet am kommenden Freitagnachmittag in Stadionnähe, also Berlin Köpenick statt. Sicherlich nicht der aller günstigste Termin, dennoch macht es unserer Meinung nach mehr Sinn dies im Rahmen eines Spiels zu machen als spielunabhängig. Ab 15 Uhr ist der Treffpunkt (Brandenburgplatz, 12555 Berlin) ausgerufen und eine gute Stunde später werden sich die Fans dann Richtung Stadion bewegen. Schätzungsweise benötigt man 25-30 Minuten für die Strecke.

Stadionwelt: Welche anderen Protestformen werdet ihr in den nächsten Wochen vor dem 12. Dezember nutzen, um euren Unmut zu verdeutlichen? Beteiligt ihr euch am stillen Protest zu Beginn der kommenden Spieltage?
Christian: Natürlich beteiligen wir uns am Protest und sind mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. In Duisburg haben wir den Gästeblock in den ersten 12 Minuten und 12 Sekunden leer gelassen und auch keine Zaunfahnen aufgehängt. Begünstigt wurde dies dadurch, dass man aus dem Verpflegungsbereich das Spielfeld gut einsehen konnte und somit der Block trotzdem leer wirkte. Auch beim Heimspiel gegen Bochum lief der Protest gut, die Hymne wurde beispielsweise früher abgespielt und das Tor, welches bereits in der dritten Minute fiel, wurde vom Stadionsprecher erst nach den 12:12 Minuten angesagt. Am kommenden Spieltag liegt der Fokus neben dem Stadionprotest klar auf der Demo.

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Proteste der Union-Fans beim Spiel gegen Bochum.
Bild: union-foto.de

Stadionwelt: Sind die Fans anderer Vereine auf eurer Demonstration willkommen oder sogar in die Organisation eingebunden?
Christian: Ja, wir stehen in Kontakt mit den bekannten Gruppen aus Kaiserslautern. Wir hoffen natürlich, dass sich auch aus Kaiserslautern eine bunte Mischung sämtlicher Fanschichten einfindet. Die Lautern-Fans unterstützen uns unter anderem mit der Anfertigung eines Laufbanners.

Stadionwelt: Inwiefern habt ihr versucht auf euren eigenen Verein einzuwirken, der ebenfalls eine Stimme auf der DFL-Versammlung am 12. Dezember besitzt?
Christian: Die grundsätzlich kritische Haltung unserer Vereinsführung ist hinlänglich bekannt. Wir als Gruppe stehen vornehmlich mit den Aktivisten der Fan- und Mitgliederabteilung (FuMa) in engem Kontakt, die das Meinungsbild verschiedener Fanströmungen erfassen und dann letztendlich dem Verein enorme Zuarbeit in Form von fundierten Stellungnahmen und Handlungsempfehlungen leisten. So entsteht ein realistisches Stimmungsbild, auf welches sich die Vereinsführung in der Vergangenheit nahezu 1:1 verlassen hat.

Stadionwelt: Welche Entscheidung wünscht ihr euch für den 12. Dezember 2012 von den DFL-Mitgliedern und welche haltet ihr für realistisch?
Christian: Die DFL-Mitglieder sollen das Meinungsbild ihrer Vereine adäquat wiedergeben. Vereinsverantwortliche sind in der Pflicht, alle Mitglieder des Vereins nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten. Der DFL steht es nicht zu, die Entscheidungsfindung ihrer Mitglieder zu kommentieren beziehungsweise auf diese direkten Einfluss zu nehmen. Die DFL scheint auch hier ihre eigene Kompetenz als Interessenvertreter der Profivereine gegenüber dem DFB falsch zu interpretieren und behandelt nicht nur die Fans, sondern inzwischen auch die Vereine von oben herab. Wir wünschen uns eine Ablehnung des Pamphlets und nachfolgend eine ruhige, sachliche und zielführende Diskussion über einzelne Punkte. In diese Diskussion müssen alle Parteien mit einbezogen werden. Oberstes Ziel einiger Funktionäre scheint es zu sein, wenigstens ein paar Punkte durchzudrücken. Ob es dabei aber wirklich um Sicherheit geht oder nur um machtpolitische Spiele gegenüber der Politik, mag doch stark bezweifelt werden. Die Gefahr ist also groß, dass einzelne Punkte verabschiedet werden. Die Logik, nach welcher irgendeine vermeintliche Lösung besser ist als eine gute Lösung, gilt es nach wie vor zu bekämpfen.

Stadionwelt: Wie geht es nach dem 12. Dezember weiter?
Christian: Hoffentlich mit einem offenen Dialog. Ein vollkommen leeres Blatt Papier wäre ein guter Anfang. Frühere Ideen sollten retrospektiv betrachtet werden, Probleme nicht verallgemeinert werden und vor allem sollte man die Leute an den Tisch holen, über welche man redet. Unter Umständen ist es auch dann wieder möglich, zusammen als Gemeinschaft aus Verband, Vereinen und Fans aufzutreten und sich gegen offensichtliche Unwahrheiten von Seiten der Medien, der Politik und der Polizei zur Wehr zu setzen. (Stadionwelt, 06.12.2012)

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Proteste der Union-Fans beim Spiel gegen Bochum.
Bild: union-foto.de
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