Am 08. Dezember demonstrieren Fans des FC Bayern München und des FC Augsburg in Augsburg gemeinsam gegen das DFL-Papier und für den Erhalt der Fankultur. Stadionwelt sprach mit Georg Maier, einem Organisator der Demonstration von ProFans München.
Stadionwelt:In eurer Stadt soll am 08. Dezember 2012 eine von euch organisierte Fandemonstration stattfinden. Gegen was möchtet ihr demonstrieren?
Georg Maier:Wir demonstrieren am 08. Dezember zusammen mit den Fans des FC Augsburg für den Erhalt der Fankultur. Anlass ist das sogenannte DFL-Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“, das gerade in der Fußball-Welt für einigen Wirbel sorgt. Für uns geht es aber nicht nur um dieses Stück Papier sondern um das generelle Verständnis, dass Fans und Fankultur zum Fußball dazu gehören. Das Papier ist für viele Fans zu einem Symbol geworden, weil es ganz gut zusammenfasst, mit welchen Maßnahmen Fans hierzulande gegängelt werden. Wir richten uns mit unserem Anliegen aber nicht nur an die Verbände. Unsere Probleme fangen nicht mit dem Papier an und hören nicht damit auf. Wir halten es für sehr wichtig, sich auch an die Öffentlichkeit zu wenden. Schließlich sind für die derzeitige Situation auch die Medien und die Politik verantwortlich. Die Presse, weil in manchen Medien vor allem im letzten Jahr ein Horrorszenario über die Situation in den deutschen Stadien herbeiphantasiert worden ist. Die Politik, weil offensichtlich einige Innenpolitiker auf den fahrenden Zug aufspringen und auf Kosten von uns Fans gegenüber den Wählern eine harte Hand beweisen wollen. Für eine vernünftige Lösung im Sinne des Fußballs ist es aber äußerst wichtig, dass diese beiden Institutionen zu einem vernunftgeleiteten und sachlichen Umgang mit der Thematik finden. Dafür wollen wir demonstrieren.
Stadionwelt:Wie seid ihr auf die Idee der Aktionsform Demonstration gekommen und wie gestaltet sich die Planung und Organisation bisher?
Maier:Die Idee hinter den lokalen Demonstrationen ist es, symbolisch an die Fan-Demonstrationen „Für den Erhalt der Fankultur“ in Berlin anzuknüpfen. Gerade die letzte Demo 2010 hat mit einer beachtlichen Teilnehmerzahl unser Anliegen eindrucksvoll auf die Straßen der Hauptstadt getragen. Auf dem Fankongress haben wir Anfang des Jahres bewiesen, dass wir gesprächsbereit sind und unsere Anliegen inhaltlich über auf der Demo auf Transparente gemalte Slogans hinausgehen. Mit lokalen Demos können wir nochmal zeigen, wie viele Fans in den verschiedenen Städten hinter unseren Anliegen stehen.
Wir haben uns bereits mit Fans aus Augsburg getroffen. Die Umsetzungen unserer Planungen sind im vollen Gange.
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Fanszeneübergreifende Fandemonstration 2010 in Berlin
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt:Welche anderen Protestformen werden ihr in den nächsten Wochen vor dem 12. Dezember nutzen, um euren Unmut zu verdeutlichen? Beteiligt ihr euch am stillen Protest zu Beginn der kommenden Spieltage?
Maier:Wir werden uns am stillen Protest an den kommenden Spieltagen beteiligen und bei den Spielen in Freiburg und gegen Dortmund die ersten 12 Minuten schweigen. Damit soll der Unterschied zwischen Fußball mit Fans und Fußball ohne Fans deutlich werden.
Stadionwelt:Sind die Fans anderer Vereine auf eurer Demonstration willkommen oder sogar in die Organisation eingebunden?
Maier:Wir werden die Demo zusammen mit den Fans des FC Augsburg organisieren. Auf der Demo wird es jeweils einen Block für Fans des FC Augsburg und einen für die Bayern-Fans geben. Für uns ist es selbstverständlich bei so einem bedeutenden Thema über Vereinsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.
Stadionwelt:Inwiefern habt ihr versucht auf euren eigenen Verein einzuwirken, der ebenfalls eine Stimme auf der DFL-Versammlung am 12. Dezember besitzt?
Maier:Wir haben uns mit unserem Verein über das Papier und die Intention dahinter unterhalten und dadurch auch eine recht differenzierten Blick auf das DFL-Konzept gewonnen. In den Gesprächen haben wir unsere grundlegenden Bedenken gegen die Art und Weise zum Ausdruck gebracht, wie Fans beim Fußball behandelt werden. Wir haben auch einzelne Punkte hervorgehoben, die wir an dem Papier für besonders problematisch halten. Beides haben die Vereinsvertreter zur Kenntnis genommen und letzteres auch in die Neufassung des Papiers einfließen lassen. Die Vereinsvertreter sehen in dem Konzept die Möglichkeit der Vereine und Verbände ihre Handlungsfähigkeit nicht an die Politik zu verlieren. Das verstehen wir. Wir sehen in dem Papier auch in erster Linie eine Auflistung an repressiven Möglichkeiten, die heute schon möglich sind und praktiziert werden. Das macht die Sache aber nicht besser und es ist für uns natürlich klar, dass wir ein Papier ablehnen, das eine Praxis beschreibt, unter der wir Fans Woche für Woche leiden müssen.
Genauso wie dieses Papier für sehr viele Fans zu einem Symbol dafür geworden ist, wie wir in und um die Stadien behandelt werden, genauso sehen wir die Umstände dieses Papiers aber als eine Möglichkeit, endlich in einen ehrlichen Dialog über die Situation des Fußballs zu kommen. Unserer Wahrnehmung nach ist das bei sehr vielen Vereinen passiert. Wir begrüßen das ausdrücklich und hoffen, dass dieser Dialog an Tiefe gewinnt und weitergeht.
Bayern-Fans auf der Fandemonstration 2010 in Berlin
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt:Welche Entscheidung wünscht ihr euch für den 12. Dezember 2012 von den DFL-Mitgliedern und welche haltet ihr für realistisch?
Maier:Viel wichtiger als dieses Papier ist doch, dass Verbände und Vereine, die sehr heterogene Fanlandschaft sowie Medien und Politik endlich zu einem sachlichen und fairen Umgang miteinander und mit der Thematik kommen. Unserer Meinung nach wäre es aber ein gutes Zeichen, wenn sich die DFL-Mitglieder am 12. Dezember dazu entschließen, das Papier komplett in die Tonne zu treten, auf lokaler Ebene in einen intensiven und ehrlichen Dialog mit ihren Fans treten, diesem Dialog eine angemessene Zeit einräumen und sich nicht mehr von medialer Panikmache und Aktionismus von Politikern treiben lassen würden.
Stadionwelt:Wie geht es nach dem 12 Dezember weiter?
Maier:Das runde Leder wird weiter rollen. Wenn der Fußball bleiben soll, was er ist, dann passiert das weiter mit Choreographien, Fahnen und Gesängen von den Stehplatzrängen. (Stadionwelt, 30.11.2012)
Bild: Stadionwelt
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