„Keine pauschale Lösung der Probleme“

Faszination Fankurve 18.07.2012 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Kurz vor Saisonstart der ersten und zweiten Bundesliga befragt Stadionwelt alle Fanbeauftragten dieser beiden Ligen zu aktuellen, fanspezifischen Themen. Till Schüssler, Fanbeauftragter bei Werder Bremen stellt besonders die Kommunikation zwischen Fans und Verein heraus.

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Stadionwelt stellt allen Fanbeauftragten die gleichen fünf Fragen zu Fanutensilien, Sicherheit, Eintrittskarten, Stadionordnung und aktuellen Diskussionen zwischen Fans und Verein.

Fünf Fragen an  Till Schüssler, Fanbeauftragter bei Werder Bremen:

Stadionwelt: Am 17. Juli fand in Berlin der sogenannte Sicherheitsgipfel mit den Präsidenten der Bundesligavereine, sowie Innenminister Friedrich statt. Dort wurde über die Sicherheit bei Fußballspielen diskutiert. Wie schätzt ihr Verein die Sicherheitslage bei Spielen der eigenen Mannschaft ein und welche Standpunkte hat ihr Verein vor Ort vertreten?
Till Schüssler: Wir befinden uns in einem sehr intensiven Austausch mit unseren Fans, insbesondere auch mit Fan-Clubs und Ultra-Gruppierungen. Hierdurch wurde nach unserer Auffassung ein sehr vertrautes Verhältnis aufgebaut. Dies zeigt sich im Umgang mit Problemen, die kurzfristig im Dialog angegangen werden können. Anregungen der Fans finden bei uns Beachtung und wir versuchen, unsere Fans in ihrem großen Engagement für den Verein zu unterstützen. Eine klare Grenze ziehen wir allerdings bei den Themen Diskriminierung und Gewalt, gegen die wir und ein Großteil unserer Fans sehr entschieden vorgehen. Ein sehr positiver Effekt des intensiven Dialogs mit unseren Fans ist, dass die Gewalt in großen Teilen der Fanszene keine positive Resonanz findet. Auch das illegale Abbrennen von Pyrotechnik wird von uns nicht toleriert und die Täter werden individuell bestraft. Dieses Thema ist ebenfalls ein Teil unserer kontinuierlichen Gespräche mit unseren Fans, um die Risiken der Pyrotechnik in prall gefüllten Stadien begreifbar zu machen und somit präventiv einwirken zu können. Umso wichtiger ist es für uns, dass sie möglichst große Entfaltungsmöglichkeiten der  legalen Auslebung der Fankultur bekommen, welche ein unverzichtbarer Teil des Fußballs ist.
Unser zuständiger Direktor Hinrich von Hallen wird diese Standpunkte Werder Bremens bei der Bundesinnenministerkonferenz in Berlin vertreten.

Stadionwelt: Wie ist der aktuelle Stand beim Verkauf von Dauer- und Tageskarten im Vergleich zu den letzten Jahren?
Schüssler: Unverändert, für Dauerkarten gibt es erneut eine lange Warteliste.

Stadionwelt: Welche Fanutensilien, wie Fahnen, Doppelhalter, Megaphon und Trommeln werden in der nächsten Saison für Gästefans beim Besuch im Stadion ihres Vereins erlaubt sein? Gibt es hier Änderungen zur vergangenen Saison?
Schüssler: Es gibt bei uns keine Änderungen im Vergleich zur Vorsaison. Sofern es keine sicherheitstechnischen Bedenken gibt (z.B. Brandschutz) und es keine nennenswerten Vorfälle beim letzten Aufeinandertreffen in Bremen gab, wird der Anmeldung entsprochen. Ansonsten wird gegebenenfalls eine Einschränkung vorgenommen, die unser Sicherheitsbeauftragter transparent mit dem Gastverein kommuniziert.

Stadionwelt: Wurde die Stadionordnung in letzter Zeit aktualisiert und welche Änderungen gibt es hier?
Schüssler: In dieser Sommerpause trat bei uns eine neue Stadionordnung in Kraft. Hierbei wurde die bestehende Stadionordnung vor allem aktualisiert und mit rechtlich notwendigen Paragraphen komplettiert. Zu nennen ist hier zum Beispiel die neue festgehaltene Beschränkung, dass Jugendliche erst ab 12 Jahren ohne eine erwachsene Aufsicht ins Stadion dürfen. Insbesondere wurden außerdem auch die Verbote von Diskriminierung und Pyrotechnik intensiver aufgeführt. Die Inhalte wurden mit Fanvertretern diskutiert und wichtige Änderungsvorschläge eingearbeitet.

Stadionwelt: Was sind weitere Themen, die ihr Verein gerade mit den eigenen Fans diskutiert?
Schüssler: Wir möchten transparent mit relevanten Themen umgehen und das bereits genannte Vertrauensverhältnis nicht nur in den Mund nehmen, sondern es leben. Es gibt immer aktuelle Themen, die wir mit Fans oder Fans mit uns besprechen wollen. Durch den intensiven Austausch wurden bereits viele Ideen der Fans verwirklicht. Durch den Ausbau der Fanbetreuung in Bremen im Jahr 2010 können wir kleine Probleme oder natürliche Meinungsverschiedenheiten angehen, bevor Probleme zu einem unbezwingbaren Berg anwachsen. Ein aktueller Diskussionspunkt ist natürlich die öffentliche Diskussion über die Fankultur in Deutschland. Hier sind wir uns mit den Fans einig, dass Fanszenen individuell betrachtet werden müssen und es keine pauschale „Lösung der Probleme“ geben kann. Schauen wir ganz konkret auf die Fankultur in Bremen, so können wir entgegen der öffentlichen Diskussion insgesamt einen positiven Trend erkennen – wie übrigens auch die Bremer Polizei.
(Stadionwelt, 18.07.2012)

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