Die großen Schalker Fanorganisationen kritisieren die Entwicklung der Ticketpreise in der Arena. Stadionwelt sprach mit dem Supportersclub, der Interessensvertretung passiver Mitglieder des FC Schalke 04, über die erneute Preiserhöhung, mögliche Lösungen und Schmerzgrenzen.
Stadionwelt: Gemeinsam mit der Schalker Fan-Initiative und den Ultras Gelsenkirchenseid ihr eine der großen Fanorganisationen auf Schalke, die die Kartenpreiserhöhung öffentlich anprangern. Könnt Ihr uns an einem Beispiel aufzeigen wie sich die Ticketpreise in den vergangenen Jahren verändert haben und welche weiteren Erhöhungen, gerade bei Dauerkarten, auf die Fans zukommen?
SC: Im Jahr der Arena-Eröffnung 2001 kostete eine Jahreskarte in der günstigsten Sitzplatzkategorie noch 340 DM, also knapp 170 Euro. Das war im Übrigen damals sicherlich „zu günstig“. Heute kostet die gleiche Jahreskarte für sogenannte „Neukunden“ allerdings bereits 364€ und soll, sollten die entsprechende Pläne der Vereinsverantwortlichen umgesetzt werden, im Jahr 2016/17 bis auf 451€ steigen. Weitere zwischenzeitliche Erhöhungen nicht ausgeschlossen. Das sind schon einige Prozentpunkte Preissteigerung mehr als die normale Inflationsrate.
Eine Jahreskarte Stehplatz Erwachsener kostete im Jahr 2001 noch 102€ (204 DM), heute kostet die gleiche Karte bereits 190.50€.Das sind aus unserer Sicht schon saftige und für viele weder noch tragbare, geschweige denn bezahlbare Erhöhungen beim „Kumpel- und Malocherclub“! Im Übrigen fällt grundsätzlich nicht der Begriff „Erhöhung“, sondern man spricht lediglich von „Anpassungen“. Genau genommen wird von einer „Reduktion des Rabattes der Altkunden gegenüber der Neukunden“ gesprochen.
Stadionwelt: Vor kurzem fand auf Schalke die Jahreshauptversammlung statt, bei dersich der Verein ein Leitbild gab, das auch mit tatkräftiger Mithilfe der Fans erstellt wurde. Ein Bestandteil des Leitbilds ist die soziale Verantwortung des Clubs. Seht ihr das Leitbild mit der Preiserhöhung nicht bereits als verletzt an?
SC: Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben aktiv an der Gestaltung des Leitbildes mitgearbeitet, stehen voll hinter diesem und gehen nun vielmehr positivistisch mit der Sache um. Denn gerade aufgrund des nun fest verankerten und durch die Mitgliederversammlung einstimmig beschlossenen Leitbildes, können und müssen wir auf unsere soziale Verantwortung hinweisen und die Fehlentwicklungen in der Preispolitik korrigieren. Darüber hinaus gehören „Alleingänge“ in dieser Frage zukünftig hoffentlich der Vergangenheit an, sind gerade aufgrund des Leitbildes nicht mehr zu erwarten.
Stadionwelt: Wo liegt der FC Schalke 04 mit den neuen Ticketpreisen im nationalen Vergleich und gibt es für euch Dinge, die man sich eventuell von anderen Clubs abschauen könnte und auch in Gelsenkirchen einführen sollte?
SC: Traurigerweise liegen wir bei den Preisen auf einem sicheren Champions League Platz, belegen – je nach Kategorie – immer einen Platz unter den „TOP 3“ der Liga. Speziell in den „günstigen“ Kategorien sind wir leider „besonders teuer“. Das passt weder zum Image das der Verein selbst pflegt, noch zu den Rahmenbedingungen, zur Realität die uns hier im Ruhrgebiet und speziell in Gelsenkirchen tagtäglich begegnet.
Wer sich in dieser Frage eingehender mit der Materie beschäftigen möchte, dem empfehlen wir einfach folgende Seite. Grundsätzlich muss man sich nichts von anderen Vereinen abschauen, aber eine spezielle Rabattierung der Jahreskarte für Vereinsmitglieder wäre sicherlich eine faire Geste.
Vor allem aber sollten und müssten Diskussionen um die zukünftige Gestaltung der Kartenpreise immer im Dialog mit den Fans und den großen Fanorganisationen stattfinden, um eine faire und sozial gerechte Preisstruktur, die am Ende auch von allen mitgetragen wird bzw. werden kann, zu garantieren.
Stadionwelt: Wie wird die Entwicklung der Kartenpreise allgemein von der SchalkerFanszene aufgenommen und steht ihr dabei im Austausch mit anderen Fanszenen oder Initiativen?
SC: Selbstverständlich arbeiten alle großen Fanorganisationen in dieser Frage, wie auch bei vielen anderen vereinspolitischen Fragen, Hand in Hand. Die neue Kartenpreispolitik, speziell der Wechsel von „Altkunden-„ zu „Neukundenpreisen“, wird von allen kategorisch abgelehnt und sorgt für großes Unverständnis. Das ist und kann nicht im Sinne unseres Leitbildes sein. Und wenn wir „WIR LEBEN DICH“ auch wirklich leben wollen, dann darf das letzte Wort in dieser Frage noch lange nicht gesprochen sein.
Im Übrigen sehen wir als Mitgliedervertretung, anders als immer wieder vom Vorstand wiederholt, kein Einnahmeproblem auf Schalke, sondern vielmehr ein Ausgabenproblem. Somit ist die Ausgangslage für viele bekannte Argumentationsketten aus unserer Sicht auf Sand gebaut…
Stadionwelt: Der FC Schalke 04 ist einen Schritt auf die Fans zugegangen undhat unter anderem eine neue Kategorie für Eintrittskarten eingeführt, wie seht ihr dieses Entgegenkommen und könntet ihr euch einen Kompromiss vorstellen?
SC: Unter dem starken Druck der durch die organisierte Fanszene, also durch Supporters, Ultras und Fan-Ini aber auch durch viele andere Fans, Fan-Clubs und Bezirke aufgebaut wurde, sind Schalke 04/ SFCV tatsächlich schnell einen Schritt zurückgerudert, haben mit der Einführung einer neuen Kategorie ein erstes richtiges Signal gesendet das wir auch positiv aufgenommen und als Gesprächsbereitschaft interpretiert haben. Die eigentlichen Probleme sind damit aber weder ausdiskutiert, noch behoben. Wir hoffen, dass man die uns in Aussicht gestellten Gespräche relativ zügig auch mit uns führen wird damit die weiteren 04 Stufen der „Anpassung“ nicht durchgeführt werden.
Stadionwelt: Beim letzten Heimspiel der vergangenen Bundesligasaison waren bereitszahlreiche Spruchbänder gegen die Preiserhöhung auf den Rängen zu sehen. Sind bereits weitere Aktionen geplant und welche Form des Protests könntet Ihr euch noch vorstellen?
SC: Wie schon gesagt ist es unser primäres Ziel, als gleichberechtigte Partner im Rahmen von Gesprächen die respektvoll und auf Augenhöhe geführt werden, die Probleme familienintern zu lösen. Das wir als aktive Fanszene nicht mit in die vergangenen Gespräche zur neuen Kartenpreisstruktur mit eingebunden wurden, ist hoffentlich auch beim Verein als Fehler erkannt worden. So lange wir im Rahmen eines solchen ehrlichen Dialoges eine Chance auf Kurskorrekturen sehen, haben wir keinerlei Interesse daran die Differenzen öffentlich auszutragen. Allerdings stehen wir natürlich als gewählte Vertreter unserer Gruppen auch unseren Mitgliedern gegenüber in der Pflicht, und es gibt sicherlich kaum ein wichtigeres Thema das Fans und Fanszenen begleitet denn die Entwicklungen bei Kartenpreisen. Und wenn Dein langjähriger Kumpel plötzlich nicht mehr mit auf Schalke kann weil er sich sein Ticket nicht mehr leisten kann, spätestens dann wird es eng! Auf den Punkt gebracht: wir warten nun zunächst darauf das der versprochene „Kartenausschuss“ ins Leben gerufen wird und schauen dann Schritt für Schritt weiter. „Den fannahen Verein – nur für’n großen Schein?“ wird es mit uns ganz sicher nicht geben. Zumindest werden wir dann nicht stillschweigend oder gar applaudierend zuschauen.
Stadionwelt: Schalker Fans hatten bereits in der Europa League, unter anderem in Bilbao, mit exorbitanten Ticketpreisen zu kämpfen. Trotzdem wurden die Spiele vom Großteil der Fanszene besucht. Könntet Ihr euch in Zukunft auch einen Boykott vorstellen und wo liegen eure Grenzen?
SC: Das ist kaum vorstellbar. Ehrlich gesagt wird es immer wen geben der irgendeinen horrenden Preis für ein Ticket zahlen wird, speziell die internationalen Auswärtsspiele sind darüber hinaus ja auch das Salz in der Suppe bei vielen Schalkern. Bei den angesprochenen Preisen die in Pilsen oder Bilbao letzte Saison aufgerufen wurden, blieben sicherlich mehr als die Hälfte der Plätze in der Veltins-Arena menschenleer.
Es liegt daher gerade in der Verantwortung von uns Fanorganisationen dafür zu kämpfen, dass unsere Kurve auch zukünftig ihr Gesicht, ihre Identität behält und nicht durch ein anderes, zahlungskräftigeres Publikum ersetz wird. Über eben dieses im Übrigen schimpft als erster immer unser Manager Horst Heldt, wenn nämlich nach den ersten 10 Minuten Spielzeit ein Raunen durch die Reihen oder gar Pfiffe durch die Arena hallen. (Stadionwelt, 15.07.2012)




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