Spielbericht: Hitziges Derby in der doppelt geteilten Stadt

Faszination Fankurve 12.12.2011 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Gestern kam es in der Nicosia, der Hauptstadt Zyperns zum Stadtderby zwischen Omonia Nikosia und APOEL Nicosia. Im ausverkauften GSP Stadion standen beiden Fanszenen jeweils zwei Tribünen zur Verfügung. Sowohl auf dem Rasen, als auch auf den Rängen ging es heiß her. Stadionwelt berichtet aus Zypern.

Werbung

Nikosia ist eine geteilte Stadt. Der nordliche Teil der Stadt ist die Hauptstadt der türkischen Republik Nordzypern. Ein Staat der von der internationalen Staatengemeinschaft, außer von der Türkei, nicht anerkannt wird. Der südliche Teil von Nikosia wird größtenteils von zyprischen Griechen bewohnt, die ihre Stadt Lefkosia nennen. Aber nicht nur die Stadt, sondern auch der südliche Teil der Hauptstadt Zypern ist gespalten, zumindest am Tag des Stadtderbys.

Das Derby zwischen Omonia und APOEL zieht die Bewohner der Stadt immer wieder in ihren Bann. Die Anhänger von APOEL gelten seit jeher als rechts und konservativ. Während des Bürgerkriegs in Zypern stand der Verein auf Seite des rechten Lagers und war stets hellinistisch, also pro griechisch eingestellt. Die Abkürzung APOEL steht für Athlitikos Podosfairikos Omilos Ellinon Lefkosias, also für Athletik- und Fußballverein der Griechen aus Nikosia, der 1926 gegründet wurde. Die Farben von APOEL stehen für die beiden Länder Griechenland (blau) und Zypern (gelb). Omonia Nikosia wurde 1948, zu Zeiten des Bürgerkriegs, gegründet. Mehrere Spieler von APOEL waren mit der politische Ausrichtung ihres bisherigen Vereins unzufrieden und gründeten mit weiteren Leuten den heutigen Stadtrivalen von APOEL. Den links-alternativen Anstrich merkt man den Grün-Weißen bis heute an und die politisch unterschiedlichen Standpunkte beider Fanszenen erhöhen sicherlich auch die Rivalität des Derbys. Auch bei diesem Derby zeigten die APOEL Anhänger ihre rechtes Gedankengut durch das zeigen von mehreren Keltenkreuzfahnen, während die Omonia Anhänger auf diese Provokationen mit einer Antifa Fahne und einem Doppelhalter mit der Abbildung des selbigen Logos reagierten.

Auch am Sonntag sollte das  GSP Stadion, in dem auch die Nationalmannschaft Zyperns ihre Heimspiele austrägt, wieder ausverkauft sein. Das Stadion liegt etwas außerhalb der Stadt an einer Autobahn und schon langen vor Spielbeginn wurden die beiden Fangruppen, die größtenteils mit eigenen Autos, Rollern oder Motorrädern anreisten am Parkplatz getrennt. Die Omonia Fans, die ein Heimspiel hatten, bekamen die Haupttribüne und die Nordkurve zugeteilt, während sich die APOEL Anhänger in der Südkurve und der auf Gegengerade breit machten. Entsprechend aufgeteilt waren auch die Parkplätze. Insgesamt hielten ca. 40 % der Zuschauer zur Gastmannschaft. Der hitzigen Stimmung im Stadion hat die hohe Anzahl an Gästefans sicherlich gedient.

Vor Beginn der Partie schien die Polizei die Lage aber im Griff zu haben. Wenn größere Gruppen von APOEL Anhänger in Richtung Gästeblock gingen, kam es immer wieder zu gegenseitigen Pöbeleien auf Höhe der Haupttribüne, wo sich auch eine Gruppe von Omonia Anhängern traf. Die Polizei trennte beide Fangruppen jedoch durch einen mobilem Stacheldrahtzaun, sodass es beim Austausch von Steinen und Feuerzeugen blieb.

Im Stadion kamen bereits ca. eine Stunde vor Spielbeginn die ersten Gesänge in beiden Kurven auf. Vorher wechselten bereits wüste Beschimpfungen zwischen den Fans hin und her. Vor Anpfiff der Partie zeigten beide Fankurven eine Choreografie. Die Grünen zeigten eine Blockfahne mit dem Schriftzug „1948% Omonoia“  in einem Lorbeerkranz, umrahmt mit grün-weiß-roten Papptafeln, während die Gästefans das Logo der APOEL Ultras aus Papptafeln zeigten. Im Anschluss an die Choreografien brannte in beiden Kurven reichlich Pyrotechnik. Auch während des Spiels zündeten bei Kurven munter weiter. Dazu sprangen vereinzelt auch immer wieder Fans in den Graben, der das gesamte Spielfeld abgrenzte, um hinter dem Graben das dortige Fangnetz bis nach oben zu klettern und dort Pyrotechnik zu zünden. Dabei vermummten die Fans sich größtenteils nicht, woraus man ableiten kann, dass Pyrotechnik Zypern in Zypern mindestens toleriert wird. Beide Kurven zeigten auch immer wieder geklaute Fanutensilien des jeweils anderen Vereins. Die meisten Klamotten gingen später in Flammen auf.

Neben der Hauptfahne von Gate 9, die wichtigste Gruppe von Omonia hing eine Freundschaftsfahne von Gate 9 und Ultras Inferno von Standard Lüttich. Weitere Zaunfahnen in grün-weiß waren  „1312“, „Semper Fidelis“, „No more Fairplay“, „Kokines Fans“, „A Team Above All“. In der gegenüberliegenden Kurve prägten verschiedene APOEL Ultras Zaunfahnen das Bild. Beide Kurven wurden von mehreren Trommlern und einem Vorsänger angeheizt. Beide Kurven sangen Melodien, die auch aus Griechenland bekannt sind.

Bereits in der neunten Spielminute ging Omonia durch  Avraam mit 1-0 in Führung, was riesen Jubel in der Nordkurve und auf der Haupttribüne auslöste. Nach dem Führungstreffer stiegen auch immer mehr Fans auf der Haupttribüne in die Gesänge der Kurve mit ein und pöbelten wild Richtung Gästefans. Durch den Führungstreffer stieg auch die Beteiligung an Wechselgesängen und beim gemeinsamen Armeheben. Die Gästefans antworteten auf einen Wechselgesang zwischen Haupt- und Südtribüne mit einem Pfeiffkonzert, das aber in dem Wechselgesang unter ging. In der 31. Minute wurde der Spieler Bouzon von Omonia mit gelb-rot vom Platz gestellt. Im Nachhinein wohl eine der entscheidenden Szenen des Spiels. Fünf Minuten später vergab Omonia eine riesige Chance zum 2-0, ein APOEL Spieler rettete auf der Linie und wiederum nur sechs Minuten später erzielte Solomou durch einen strammen Schuss aus halbrechter Position aus über 16 Metern den 1-1 Ausgleichstreffer. Die Omonia Fans auf der Haupttribüne reagieren auf den Ausgleich mit einem Hagel von Wurfgeschossen auf die Trainerbank der Gästemannschaft. Dabei wird ein Offizieller von APOEL getroffen und auf einer Liege aus dem Stadion getragen. Die Polizei muss die Trainerbank nun mit Schildern vor weiteren Wurfgeschossen schützen. Währenddessen ist die Partie für mehrere Minuten unterbrochen. Bevor der Unparteiische die letzten Minuten der ersten Hälfe spielen lässt, vergibt er noch zwei gelbe Karten an APOEL Ersatzspieler, mit denen in der unübersichtlichen Situation diskutierte.

In der Halbzeitpause fragten die APOEL Spieler zunächst vergeblich nach Bällen, um sich warm spielen zu können. Versuche sich selbst Bälle zu holen, die nahe der Heimkurve lagen blieben vergeblich und auch die Balljungen wollten oder durften die Gästespieler nicht mit Bällen versorgen. Ein Auswechselspieler von Omonia beendete dieses Schauspiel, indem er den Gästen mehrere Bälle zuspielte. Zu Beginn der zweiten Hälfte zündeten die Omonia Fans wieder kräftig. In der 75. und 78. Minute traf Solari  zum 2-1 und 3-1 für APOEL. Nach diesen entscheidenden Toren würde der Gästeanhang immer lauter und die Mitmachquote erhöhte sich deutlich. Allgemein war die Stimmung in der zweiten Halbzeit bis zu den Toren schlechter, als in der ersten Halbzeit. Nach den Toren drehten die APOEL Anhänger durch, während die ersten Omonia Anhänger das Stadion verließen. Lediglich der Stimmungskern um Gate 9 versuchte vergeblich dagegen zuhalten. Bereits mehrere Minuten vor Abpfiff hingen die Fans beider Lager ihr Zaunfahnen ab und nach Abpfiff feierten die APOEL Fans den Sieg gegen den Rivalen.

Freudige Wochen also für alle APOEL Fans, die vor wenigen Tagen den Einzug ihres Teams ins Achtelfinale der Champions League feierten. Dort wurde APOEL in der Gruppe G erster, vor Zenit St. Petersburg, dem FC Porto und  Schachtjor Donezk, was für den Verein der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist. Nach dem Spiel wieder das gleiche Bild. Die Fans beider Anhänger werden von der Polizei auf getrennte Parkplätze geführt. Aber ein Blick von der Haupttribüne in Richtung Innenstadt von Nikosia macht deutlich, dass die Stadt nicht nur in grün-weiß und blau-gelb-orange geteilt ist, da man von der Tribüne freie Sicht  nach Nordzypern hat, wo auf einem Berg eine überdimensionale Fahne der Republik Nordzypern zu sehen ist, neben der geschrieben steht „Wie glücklich bin ich, sagen zu können: Ich bin Türke“. Nikosia bleibt somit auch in Zukunft ind Nord und Süd geteilt. Der Süden wird auch in Zukunft in APOEL und Omonia geteilt bleiben und Olympiakos Nikosia und die Vereine aus dem Norden Nikosias werden wohl weiterhin im Schatten dieser beiden Vereine stehen. (Stadionwelt, 12.12.2011)

Werbung
Werbung

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.

weitere Beiträge