Spielbericht: Ausnahmezustand in Athen und Piräus

Faszination Fankurve 20.10.2011 0 Kommentare

Gestern Abend kam es im Karaiskakis Stadion von Piräus zum Champions League Spiel zwischen Olympiakos und Borussia Dortmund. Aber nicht nur das Spiel bleibt den Dortmunder Fans in Erinnerung. „Die Mutter aller Streiks“ erschwerte auch den BVB Fans den Tag.

Für den Tag des Spiels hatten alle großen griechischen Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen. Dies sorgte bei vielen BVB Fans für erschwerte Reiseplanungen, da auch der Flughafen bestreikt werden sollte. Letztlich wurde am Flughafen nur bis mittags gestreikt, sodass die meisten Schwarz Gelben Fans Athen noch rechtzeitig erreichten. Am Flughafen angekommen gab es aber das nächste Problem, da weder Taxen noch die Metro vom Flughafen fuhr. Der BVB richtete den Appell an seine Fans das Zentrum rund um den Syntagma Platz wegen dem Streik zu meiden. Wen es trotzdem dorthin wagte konnte mehrere Hunderttausend Menschen dabei beobachten, wie sie gewaltsam versuchten das Parlament zu stürmen und nur durch einen massiven Polizeieinsatz davon abgehalten werden konnten.

Für alle Dortmunder Fans wurde die Metro Station Syngour-Ficx als Treffpunkt ausgerufen. Von dort sollte es bereits um 18 Uhr mit gemieteten Bussen Richtung Stadion gehen. Kurz vor Abfahrt der Busse kam es auch dort zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei, weshalb die Abreise etwas hastiger ablief als geplant. Insgesamt fanden sich im Gästeblock ca. 1.300 Fans aus Deutschland ein und beflaggten diesen gleich.

Auch die beiden Fankurven von Olympiakos füllten sich recht früh und machten bereits 1,5 Stunden vor Anpfiff auf sich aufmerksam. Beim Vorlesen der Mannschaftsaufstellung der Griechen hatte bereits das ganze Stadion die Arme gehoben und Klatschte ein. Die Dortmunder Mannschaft, die sich vor der Hauptkurve der Griechen warmmachen musste wurde beim Betreten des Stadions ausgepfiffen. Die gleiche Reaktion konnte man beobachten, sobald sich die BVB Fans im Stadion bemerkbar machten. Die Rot Weißen Fans hatten das ganze Stadion mit Zaunfahnen beflaggt, bis auf den Gästeblock, was in der Champions League eher untypisch ist, da die UEFA nicht gerne Zaunfahnen auf der Geraden sieht.

Kurz vor Beginn der Partie zeigte die Kurve von Gate 7 eine Choreografie mit dem Spruchband „The Legend lives, strikes and will..“ und die andere Kurve der Heimfans komplettierte den Spruch mit den Worten „strike again“, geschrieben in Tafeln aus Folien. Neben dem Spruchband war in der Gate 7 Kurve eine Blockfahne mit einem Ritter zu Ross, der mit seinem Sperr auf einer Landkarte Deutschland angreift. Gerahmt wurde die Blockfahne von zwei weißen Kreuzen auf rotem Grund, ebenfalls aus Folien Tafeln. Mit diesen Folientafeln wedelten sie Anhänger von Olympiakos anschließend. Die Dortmunder Fans nutzen das Einlaufen der Mannschaft, um einige gelbe Luftballons und ein wenig Pyrotechnik. Die BVB Fans waren da bereits von Polizei- und Ordnerketten eingekesselt. Ein Fangnetz sollte außerdem Provokationen zwischen Deutschen und Griechen verhindern.

Die Partie ging direkt auf sehr hohem Tempo los und bereits in der achten Minute erzielte Helebes das 1-0 für die Griechen, was die Gesänge im weiten Rund nochmal lauter werden ließ. Aber auch im Gästeblock verstummten die mitgereisten Fans nicht. Sie legten ebenfalls nochmal eine Schippe drauf und feuerten ihre Mannschaft weiter lautstark an, auch wenn sie aufgrund der zwei lauten Kurven von Piräus nur selten zu vernehmen waren. Aber die Unterstützung lohnte sich. In der 15. Minute erzielte der BVB zwar noch ein Abseitstor, das nicht gegeben wurde, aber in der 26. Minute erzielte Lewandowski den Ausgleich. Danach gab es im Gästeblock kein Halten mehr.

Die beiden Heimkurven zelebrierten gerade ein sehr lautstarken Wechselgesang zur Melodie von Jingle Bells, als Djebbour in der 40. Minute die Hausherren erneut in Führung brachte. Nun gab es hielt sich kein Anhänger der Weiß-Roten mehr zurück. Ob Ordner, Pressevertreter oder VIP. Alle stimmten in die Gesänge mit ein. In Deutschland wohl undenkbar. Gerade in der ersten Halbzeit zeigten die Griechen, dass durchgängiger, melodischer und spielbezogener Support in einem kein Widerspruch in sich ist.

In der zweiten Halbzeit gab es immer mal wieder kurze Pausen bei den Gesängen im Heimbereich. Die Gate 7 Kurve wurde von einem Capo in der ersten Reihe mit Mikrophonanlage und von einem Capo mit Megaphon in der Mitte der Kurve animiert. Immer wieder hackten sich beide Tribünen unter und hüpften geschlossen, auch wenn sie die gesungen Melodien wiederholten. In der 72. Minute kam in der zweiten Heimkurve noch zu einer Schlägerei unter Olympiakos Fans, die Gründe für die Auseinandersetzung sind aber nicht bekannt. Olympiakos konnte noch auf 3-1 durch Modesto erhöhen. Danach stiegen auch immer wieder die Haupttribüne und die Gegengerade in die Gesänge der beiden Heimkurven mit ein, sodass teilweise das ganze Stadion, außer dem Gästeblock, hüpfte.

Nach Abpfiff mussten die Dortmunder Fans noch eine Blocksperre über sich ergehen lassen, die auch wesentlich länger als die geplanten 20 Minuten dauerte, bevor die Busse sie zurück ins Zentrum von Athen brachten. Der Generalstreik soll am Donnerstag fortgesetzt werden, der Flughafen ist hiervon jedoch ausgenommen, weil man dem Tourismus nicht allzu sehr schaden will, sodass die meisten BVB Fans wohl wie geplant wieder Deutschland erreichen werden und nicht nur die Niederlage, sondern auch den denkwürdigen Tag in Athen mit geschlossenen Geschäften, geschlossener Akropolis etc. in Erinnerung behalten werden. (Stadionwelt, 20.10.2011)

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