Der Mythos lebt

Faszination Fankurve 09.02.2011 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In den letzten Tage wurde viel über die Derbys in den oberen Ligen geschrieben. Doch abseits des Hochglanz-Fußballs trafen gestern Abend Rot-Weiss Essen und der Wuppertaler SV Borussia im Niederrhein-Pokal aufeinander. Die Hafenstraße erstrahlte im alten Glanz.
 

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Das Georg-Melches-Stadion sah schon bessere Zeiten
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Es ist an und für sich ein sehr trauriger Anblick, wenn von der Haupttribüne des Georg-Melches-Stadions der Blick langsam von der Gegengerade nach links schweift. Vom alten Stadion, dass so viel Charme besaß und den Besucher immer das Gefühl gab, zuhause beim wahren Fußball, anstatt bei der Ware Fußball, zu sein, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das Stadion spiegelt die Farce der Diskussion um einen Neubau wieder. Nichts desto trotz ist es immer noch Heimat von Rot-Weiss Essen, jenem Revierklub, der mittlerweile in fünften Liga ankam und somit auch weit hinter den vor Jahren ausgerufenen Zukunftsvisionen liegt. Erst im Sommer konnte der Verein gerade noch mit einer finanziellen Spritze der eigenen Fans gerettet werden. Aber es scheint wieder langsam bergauf zu gehen, nicht nur bei der Stadionfrage, sondern auch sportlich. Der RWE ist der aktuelle Spitzenreiter der NRW-Liga.
 
Zu Gast an der Hafenstraße war der Wuppertaler SV Borussia. Ein alter Rivale von RWE und ein altbekannter Gegner aus den vergangenen Pokalwettbewerben. Auch an der Wupper hatte die Partie einen sehr hohen Stellenwert. Mit einem Entlastungszug und diversen Bussen machten sich die geschätzten 750 WSV-Anhänger nach Essen auf. Bereits vor dem Anpfiff gab es diverse kleinere Rangeleien zwischen den mitgereisten Rot-Blauen und den Ordnungsdiensten beziehungsweise der Polizei. Ob dies allerdings den Sichtschutz im Eingangsbereich der Gäste rechtfertigt bleibt unklar.
 

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Rund 750 Gäste aus Wuppertal waren gestern Abend in Essen

Insgesamt fanden an diesem Dienstagabend sich 7.201 zahlende Gäste an der Hafenstraße ein, darunter auch einige Freunde der Essener aus Bremen, wie man den Fahnen und Trikots auf den Rängen entnehmen konnte. Mehr als der Gastgeber dachte, so musste aufgrund des hohen Andrangs der Anpfiff nach hinten verschoben werden. Es war eine würdige Kulisse für das Spiel beide Szenen präsentierten bereits vor dem Anpfiff ihre Sangeskraft und die gegenseitige Abneigung. Sowohl die Gäste als auch der Heimanhang, auf der Gegen-, Haupt- und Osttribüne machten in der ersten Halbzeit zum Teil brachial ihrer Mannschaft die Bedeutung des Spiels klar. War in den ersten Minuten der Regionalligist von der Wupper drückender, so konnte sich RWE doch mit dem Fortlauf immer mehr Raum verschaffen und dem Spiel den eigenen Stempel aufdrücken. Einen Klassenunterschied bemerkte man spätestens nach der 1-0 Führung durch Lukas Lenz nicht mehr. Der darauffolgende Wechselgesang R-W-E zwischen den einzelnen Tribünen verdeutlichte auch, dass die Fünftklassigkeit für die Fans zu wenig ist. Kurz vor der Pause war es noch mal Lenz, der den 2-0 Pausenstand erzielte.
 
Nach der Halbzeit war es fast dasselbe Bild, wie zu Beginn der ersten. Der WSV bestimmte das Spiel und schoss in der 54. Minute durch Assauer den 2-1 Anschlusstreffer. Erst ab diesem Zeitpunkt waren die Rot-Blauen auch wieder zu vernehmen. Bis dato war in Halbzeit zwei rund um die tonangebende Gruppe, Ultras Wuppertal, wenig zu hören. Mit dem Anschlusstreffer stieg auch wieder ein Anstimmer auf den Zaun und die Stimmung im Gästeblock wurde deutlich besser. Das Spiel verlief aber wie bereits erwähnt ähnlich wie im ersten Durchgang. Mit dem Lauf der Zeit erspielte sich RWE immer mehr Anteile und die Fans peitschten die Spieler nach vorne. An der Hafenstraße herrschte unter den 7.201 Zuschauern teilweise eine bundesligataugliche Stimmung. Die Schlüsselszene des Spiels ereignete sich in der 79. Minute Gelb/Rot für den Wuppertaler Schattner wegen Trikotziehens. Die Hausherren waren in den letzten zehn Minuten in Überzahl. Auch die Fans auf den Tribünen merkten, dass das Pokalwunder doch in greifbarer Nähe ist und gaben nochmals richtig Gas. Vielleicht war es die gute Atmosphäre an der Hafenstraße oder auch die Intuition, die die Trainer immer wieder einmal haben, dass RWE den zweifachen Torschützen Lukas Lenz auswechselte und den Debütanten Benedikt Koep brachte. Dieser Koep war es nämlich, der binnen sechs Minuten mit einem Doppelschlag für die Entscheidung sorgte. 4-1 war der Endstand und die Hafenstraße stand Kopf. Erneut schaffte es RWE den Wuppertal aus dem Pokal zu kegeln. Viele der mitgereisten Fans von der Wupper wollten das Ende der Partie schon gar nicht mehr sehen und verließen vorzeitig den Block, während im restlichen Stadion natürlich gefeiert wurde.
 

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<p class=Rund 750 Gäste aus Wuppertal waren gestern Abend in Essen

Als Fazit kann man nur sagen, dass der Mythos der Hafenstraße immer noch lebt und gestern zeitweise eine sehr gute Vorstellung abgab. Es war eine perfekte Mischung auf den Rängen, gut aufgelegte Ultras Essen, die gekonnt eigenes Liedgut mit den Klassikern vermischte und auch Lieder aus den anderen Blöcken aufnahmen und mitsangen. Aber auch der Gegenseite aus Wuppertal kann man nur ein gutes Zeugnis ausstellen, trotz Rückstandes versuchten die 750 Gäste immer weiter ihre Mannschaft nach vorne zu treiben. Alles in Allem war es ein nicht alltägliches Pokalspiel zwischen einem Viert- und Fünftligisten. (Stadionwelt,09.02.2011)
 
Weitere Informationen:
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Der Schreck vom Niederrhein hat wieder zugeschlagen
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