Unterwegs auf Balkantour mit Fabian Schlomm (Teil 10/10)

Faszination Fankurve 03.01.2011 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im Spätsommer 2009 begab Fabian Schlomm sich über drei Wochen auf eine Groundhoppingtour Richtung Balkan. Stadionwelt veröffentlicht seine Erlebnisse in zehn Teilen. Im letzen Teil gingen es für den Groundhopper über Kroatien und Augsburg zurück in die Heimat.

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15.10.2009    
In Zenica hatten wir, wie schon erwähnt, die Pläne des kommenden Wochenendes per Internet festgelegt. Kroatien sollte das letzte nicht deutsche Land sein, in dem wir zum Schluss unserer Reise Fußball sehen wollten. Die Auswahl der Spiele war jedoch nicht so einfach. Mindestens ein Doppler sollte es ja schon sein, das ist im kroatischen Erstligafußball ja eigentlich recht wahrscheinlich. Ein möglicher Doppler wäre das Derby in Zagreb gewesen, NK gegen Dinamo. Sicherlich recht reizvoll. Allerdings befand sich NK zu diesem Zeitpunkt abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz während Dinamo standesgemäß von Platz 1 winkte, und zwar mit immensem Abstand auf Cibalia auf Platz 2.
Was uns aber noch mehr abschreckte war, dass das zweite zu besuchende Spiel des Tages ein Kick des Aufsteigers Lokomotiva Zagreb gewesen wäre. Lok, dieser Name steht in Zagreb für wesentlich weniger als zum Beispiel in Moskau, Leipzig oder Sofia. Es handelt sich um einen Verein, der eine Kooperation mit Dinamo unterhält und mehr oder weniger als Ausbildungslager für die Jugendspieler des großen Bruders fungiert. Normalerweise trägt Lok seine Heimspiele auf einem Sportplatz aus. Doch in der ersten Liga müssen die Heimspiele im Maksimir gespielt werden. Und dieses Stadion, in dem eigentlich einer der fanmäßig besten Vereine Europas sein Unwesen treibt, mit diesem totalen Rotzkick zu machen, nein, also das konnte ich nun wirklich nicht mit meinen Gewissen vereinbaren. So entschieden wir uns für den Samstag für den Doppler Slawen Belupo gegen NK Istra und Varteks Varazdin gegen NK Medimurje. Klar, keine Frage, auch keine Derbyknaller, wo sonst was zu erwarten war, aber schließlich muss man ja eine Entscheidung treffen, ob es die richtige ist stellt sich sowieso meist erst im Nachhinein heraus. Und immerhin wartete das zweite Spiel immerhin mit einem Nachbarschaftsduell auf.
Was aber, von diesen ganzen Überlegungen abgesehen, eh feststand: erstmal geht es nach Zapresic. Hierbei handelt es sich um eine Kleinstadt vor den Toren Zagrebs, die nur durch die Bergkette Medvednica von der Hauptstadt getrennt ist und den Erstligisten NK Inter beherbergt. Doch auch hier verspricht der Vereinsname mehr als sich tatsächlich dahinter verbirgt: ein kleiner Vorortverein eben, nicht mehr.
Doch zunächst einmal galt es, die knapp 360 Kilometer lange Strecke von Zenica nach Zapresic abzuspulen. Die Fahrt führe uns über Landstraßen an die kroatische Grenze durch die bosnische Republik Srpska. In dieser Gegend wurden während des Balkankrieges unzählige Bosniaken von Serben vertreiben. Nach offiziellem Ende des Krieges erreichte die UNO, dass die bosnischen Vertriebenen wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren dürfen. Doch von dieser Möglichkeit machte kaum jemand Gebrauch. Zu groß war die Angst vor den serbischen „Besatzern“. Denn wenn die UNO befiehlt, dass die Bosniaken wieder heimkommen dürfen, das ist eine Sache, wie das in der Praxis umgesetzt wird freilich eine ganz andere.
Und so mussten wir feststellen, dass die Spuren des Krieges und der Zerstörung in der Republik Srpska noch wesentlich ausgeprägter zu sehen waren als in Bosnien. Während weiter im Süden kaum noch zerstörte oder zumindest beschädigte Häuser zu sehen waren so reihte sich hier teilweise Ruine an Ruine. Alles verlassene Häuser, die vermutlich früher einmal muslimischen Einheimischen gehörten. An jeder Ecke hängen serbische Fahnen. Und strecken im bosnischen Teil des Landes noch zahlreiche Minarette ihre Hälse in die Luft, so sieht man hier im orthodox geprägten Teil keine dieser Glaubenshäuser. Teilweise änderte sich das Bild von Dorf zu Dorf, während wir die E73 Richtung Norden fuhren.

In Kroatien angekommen merkten wir sofort, dass wir hier wieder in einem wesentlich westeuropäischer geprägten Land angekommen waren. Das stimmte uns etwas wehmütig, denn wir merkten nun, dass unsere Reise in 3 Tagen ihr Ende finden würde. So fuhren wir die kreuzlangweilige Autobahn gen Westen, die jedem Besucher des Belgrader Derbys ein Begriff sein dürfte.

In Zapresic angekommen suchten wir uns eine Unterkunft, was sich in dieser Kleinstadt relativ schwierig gestaltete. Dennoch wurde eine Bleibe am Ortsausgang gefunden, ein Reiterhof hatte sich mit einem Restaurant und einem kleinen dazugehörigen Hotel ein zweites Standbein geschaffen. Reitertypisch nicht das Billigste, aber dafür war es wirklich unglaublich nett eingerichtet und Jenny hatte sich nach einigen Minusunterkünften auf unserer bisherigen Reise auf alle Fälle etwas Komfort verdient. Während sich Jenny im Zimmer von der Fahrt ausruhte, unternahm ich einen Spaziergang durch den Ort. Es gibt wirklich nicht viel zu sehen, nur der Markt im Ortskern, der Blick auf das Gebirge und natürlich das Gradski Stadion sind sehenswert. In einer kleinen Pizzeria machte ich schließlich Rast und kehrte nach der Nahrungsmittelaufnahme in die Unterkunft zurück.

16.10.2009    19:00 Uhr
NK Inter Zapresic – NK Zadar        4:3
Stadion Intera
Zuschauer: ca. 800
Ca. 40 Gäste

In Zapresic wird einem die Dominanz von Dinamo Zagreb auch in fantechnischer Hinsicht ziemlich deutlich gemacht. In der Pizzeria von gestern hing ein Dinamo-Schal, bei zahlreichen Autos baumelt ein Dinamo-Wimpel am Rückspiegel und an der Wand des ortsansässigen Sportgeschäftes befindet sich gar ein sehr schönes „Bad Blue Boys“ Graffitty, Streetart nennt man so etwas wohl neumodern.

Da ich gestern wie gesagt bereits alle Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt hatte marschierten wir am frühen Abend schon mal zum Stadion und vertrieben uns die Rest der Zeit in dem Café direkt an der Rückseite der Haupttribüne. Das schöne, wenn man im Ort wohnt, in dem das Spiel stattfindet, ist, das man später in der Regel nicht mehr hinters Lenkrad muss und man daher unverblümt einige Pivos naschen kann. Der Wirt des Cafés war einer der Nutznießer dieser Tatsache.
Nun war es Zeit, die andere Seite der Tribüne aufzusuchen. Die Stadt Zapresic wurde heute zufälligerweise 80 Jahre alt. Freier Eintritt bedeutete dies für alle Besucher, die Zahl erreichte trotzdem nicht den 4stelligen Bereich.
Am Eingang wurden wir auf das Penibelste untersucht, was zur Folge hatte, dass Jenny 3 Kugelschreiber am Eingang abgeben musste, die sie nach Spielende tapfer gegen einen kleinen einheimischen Jungen, dem scheinbar noch einige Kulis in seiner Sammlung fehlten, verteidigte. Aber wenn man Jenny etwas nicht streitig machen sollte, dann Kugelschreiber. Das musste der Knirps erst noch lernen.
Aus Zadar, einer Stadt an der Küste des Landes, kam mit einiger Verspätung ein Kleinbus mit knapp 40 Insassen an. Die Herrschaften liefen umgehend in den Block, sie hatten ihre Tornado-Zaunfahne noch nicht ganz aufgehängt, da schob die Gastmannschaft die Kugel schon zum ersten Mal über die Torlinie. Doch Zapresic gab sich nicht auf, in der zweiten Hälfte wurde ein 2:3-Rückstand innerhalb von 15 Minuten in einen 4:3-Sieg umgewandelt. Für ein äußerst kurzweiliges Spiel wurde also gesorgt. Trotzdem verbrachten wir die meiste Zeit mit Plaudern und Relaxen, wir hatten es uns am Rand der Tribüne gemütlich gemacht und genossen so entspannt das Treiben auf dem Rasen.
Das Stadion besteht im Grunde genommen nur aus der halb überdachten Haupttribüne, die mittlerweile mit blauen Sitzschalen ausgestattet ist. Auf der Gegengeraden befinden sich ebenfalls ein paar Reihen dieser blauen Sitze. Nichts besonderes also.

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Stadion Intera
Bild: Schlomm

Zu mampfen gab es natürlich wieder nur Popcorn und Sonnenblumenkerne, ach ja, das war eigentlich einer der wenigen Gründe, warum wir uns wieder auf Deutschland freuten: endlich wieder, zumindest in der Regel, ein ausgedehntes kulinarisches Angebot im Stadion.
Nach dem Spiel entdeckten wir noch eine andere sensationelle Sehenswürdigkeit der Stadt, nämlich den Getränkemarkt, der noch bis nach 22:00 Uhr die Pforten offen hatte und mich daher noch mit ein paar Dosen Pivo versorgen konnte.

17.10.2009    17:00 Uhr
NK Slawen Belupo – NK Istra        3:0
Gradski Stadion
Zuschauer: ca. 900
Ca. 30 Gäste

Am Samstag gestattete uns der Spielplan nun also mal wieder die Möglichkeit, zwei Erstligaspiele an einem Tag zu besuchen. Das Erste führte uns in die nordkroatische Kleinstadt Koprivnica, knapp 15 Kilometer vor der ungarischen Grenze.
Ein kurzer Schlenker durch die Innenstadt ließ uns schon erahnen, dass auch hier eher wenig an Besuchenswertem im Ortskern zu finden war. Wenigstens konnte man schon einige Stunden vor Anpfiff kurz in den Ground huschen, um einige Fotos vom natürlich noch leeren Spielort zu knipsen. Auch hier gibt es nur eine große Haupttribüne, das Stadion ähnelt im Prinzip sehr dem gestrigen, nur mit dem Unterschied, dass hier ansonsten auf den anderen Seiten gar keine Steh- bzw. Sitzmöglichkeit vorhanden war. Dafür prangten auf überdimensionalen Banden die Namen  der ortsansässigen Sponsoren und versperren den Blick auf die dahinter liegenden Häuser, was aber auch nicht unbedingt schade ist.

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Gradski Stadion
Bild: Schlomm

Bekannt war mir der Verein Slawen Belupo noch aus einer UEFA-Pokal-Saison Mitte der 90er, in der man auf den VfB Stuttgart traf und im Viertelfinale die Segel streichen musste.
Nach dem kurzen Besuch am Ground bummelten wir doch noch ein paar Minuten durch die Einkaufsstraße, doch die Bürgersteige waren hier am Samstagnachmittag schon längst hochgeklappt. So musste ein durchschnittliches Einkaufszentrum als Zeitvertreib herhalten, was dem kleinen Konsumtempel aber auch nicht sonderlich gut gelang.
Na ja, so ist es eben in Städten, die ohne eine große Firma, in diesem Fall das Pharmaunternehmen Belupo, eigentlich nur ein kleines Dorf wären. Dafür gibt es in Europa ja mittlerweile zahlreiche Beispiele.
So verbrachten wir die restliche Zeit im Auto sitzend mit dem Studieren der Straßenkarte, um den weiteren Verlauf der am heutigen Tage noch folgenden Strecke zu erkunden.
Endlich war die Zeit gekommen, das Stadion zu betreten. Die positive Überraschung wartete unter der Haupttribüne: ein Grill, an dem zwei Herren äußerst delikate Steaks und Würstchen zubereiteten. So kamen wir natürlich sofort ins Geschäft! Ich verstehe gar nicht, warum auf so eine Idee nicht mehr Leute in dieser Gegend Europas kommen. Der Laden hier jedenfalls brummte und die Grillmeister kamen mit dem Bruzzeln kaum hinterher. Scheint doch zu funktionieren! Ich bitte um zahlreiche Nachahmer!
Ca. 30 Fans waren aus Istrien angereist, leider konnte man sie schlecht beobachten, da sie auf der gleichen Tribüne platziert waren und der Zaun ziemlich undurchsichtig war. Aber so richtig was verpasst hat man wohl nicht. Als Heimfans entpuppte sich eine Gruppe von knapp 20 Personen mit ein paar Fahnen und einer Trommel. Somit kann man festhalten, dass dieser Kick fanmäßig keine Offenbarung war.
Koprivnica nahm Pula spielerisch die Butter mit Leichtigkeit vom Brot, der Aufsteiger hatte kaum eine Chance.

17.10.2009    20:30 Uhr
NK Varteks Varazdin – NK Medimurje Cakovec    3:0
Stadion Andelko Herjavec
Zuschauer: ca. 1.300
Ca. 20 Gäste

Nach dem Spiel gondelten wir entspannte 50 Kilometer über eine Landstraße Richtung Westen. Das Wetter wurde allerdings zusehends mieser und so kamen wir beim strömendem Regen und niedrigen Temperaturen in Varazdin an. Schon von weitem konnten wir die Fluchtlichtmasten brennen sehen, der Weg zum Stadion war somit leicht auszumachen.
Das Stadion Andelko Herjavec ist wirklich sehr nett anzusehen, auch hier gibt es wie bei den beiden vorherigen Grounds ein dicke Haupttribüne, allerdings existieren hier glücklicherweise noch weitere, wenn auch unüberdachte Tribünen auf der Gegengeraden und hinter den Toren.

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Varteks Stadion
Bild: Klaudio Djepina

Was durften wir von den Fans der beiden Teams erwarten? Immerhin handelte es sich hier um ein kleines Derby, der Gast aus Cakovec musste keine 15 Kilometer Anreise hinter sich bringen. Doch leider wurden wir ziemlich enttäuscht. Ganze 20 Leutchen standen dicht gedrängt im Regen auf der Hintertortribüne und versuchten, ihrer Mannschaft durch Anfeuerungen entscheidende Impulse nach vorne zu geben. Auf Heimseite sah es nicht viel besser aus, allerdings machten die knapp 30 Leute auf der Gegengerade hinter einer großen „Blue Angels“ – Zaunfahne, einigen Hüpfeinlagen und dem ein oder anderen netten Gesang zumindest einen gefestigteren und professionelleren Eindruck, wenn man das denn so nennen will.
Zumindest griffen sie, im Gegensatz zu den Medimurje-Fans, nicht auf ein Megafon aus dem Baumarkt-Räumungsverkauf zurück.
Es goss wie aus Kübeln und wir froren uns auf der Haupttribüne, eng aneindergekauert, den Allerwertesten ab. In der Halbzeit hatten die Offiziellen Erbarmen mit den Gästeanhängern, sie durften unter das Dach der Haupttribüne schlüpfen, während die blau-weißen Heimfans weiter im Dauerregen ausharren mussten.

Nach ziemlich genau 90 Minuten beendete der Referee den allerdings gar nicht mal so schlechten Kick, der mit 3:0 für den Gastgeber endete. Nichts wie raus aus dem Ground und ab in den Golfi und die Heizung auf 5 gedreht!

Wir hatten geplant, nach dem Spiel noch ein ganzes Stück Richtung Heimat zu brausen, denn am morgigen Sonntag stand die nicht gerade kurze Strecke nach Augsburg auf dem Programm und die DFL hat die Anstoßzeiten ja mittlerweile schon beinahe in den späten Morgen verschoben.

Bei Maribor durften wir noch die Mautverbrechen der slowenischen Regierung kennenlernen. Nur ein kleines Stück Stadtautobahn wollten wir zurücklegen, denn wir wollten uns das Straßengewirr in der slowenischen Hauptstadt ersparen, zumal der Weg über mautfreie Nebenstraßen zur österreichischen Grenze pfiffigerweise nicht ausgeschildert ist und die Beschilderung die Autofahrer immer wieder auf die Stadtautobahn führt. Doch selbst für diese vierspurige Straße soll man sich eine Halbjahresvignette für 25,00€ zulegen. Eine absolute Unverschämtheit! Die Slowenen müssen ihre korrupten Politiker allerdings ohne unsere Mauteinnahmen finanzieren, wir dachten nicht daran und rasten blanko bis zur übernächsten Abfahrt.
Dort gönnten wir uns dann in einer kleinen Pension noch ein paar Stunden Schlaf, ehe die Reise am nächsten Morgen weiter in den bayerischen Teil Schwabens gehen sollte, um die 2. Bundesliga erneut zu komplettieren. Diese Neubauten machen einem das Leben schwer…

18.10.2009    13:30 Uhr
FC Augsburg – Karlsruher SC    1:1
Impuls-Arena
Zuschauer: 17.300
Ca. 500 Gäste

Irgendwie hatte ich am Abend zuvor meinen Handywecker nicht richtig justiert und so bleib das frühmorgendliche polyphone Klingeln aus. Glücklicherweise schreckte ich nicht allzu viel später aus irgendeinem Grund trotzdem auf und so konnte die Abfahrt mit nur 60minütiger Verspätung Richtung Bayern endlich beginnen. Puuhhh, das hätte auch ins Auge gehen können…

Zwischen Graz und Salzburg machte uns ein kleiner Wintereinbruch noch ein wenig zu schaffen. Mit spätestens nach dieser Tour nicht mehr allzu fitten Sommerreifen auf schneebedeckter Autobahn zu fahren ist auch nicht gerade ein Vergnügen. Doch spätestens nach Überquerung der Alpen war auch dieses Hindernis auf dem Weg zur Re-Komplettierung der zweithöchsten deutschen Spielklasse überwunden.
Auf dem Münchener Ring war noch ein Stau zu durchstehen und mittlerweile mussten wir feststellen, dass aufgrund der morgendlichen Verspätung die Zeitreserven bis zum Anpfiff in Augsburg langsam schwanden. Ein weiteres Problem wurde uns bewusst: unsere Euroreserven befanden sich auf einem Tiefststand. Kuna, Dinar & Co. waren noch reichlich vorhanden, aber für 2 Stehplätze beim Spiel Augsburg – Karlsruhe sollte die EU-Währung nicht mehr reichen. Also schnell noch an einem Autorasthof am Automaten angedockt. Nun aber schnell weiter, diese Tour soll doch einen positiven Ausklang finden und nicht mit einer unpünktlichen Anreise beim letzten Spiel enden..

Um zur impuls-Arena, in der der FCA seit dieser Saison seine Heimspiele austrägt, zu gelangen gilt es, auf der B17 die Stadt zu umfahren, vorbei an der Kreuzung, an der es links zum altehrwürdigen Rosenaustadion geht, bis an den Südrand von Augsburg. Leider staute sich auch hier der Anfahrtsverkehr zum Spiel um einen knappen Kilometer und bis wir endlich auf dem Parkplatz standen waren nur noch wenige Minuten bis Kick Off übrig geblieben. Nun aber hurtig!. Knapp 10 Minuten vor Beginn des Spiels standen wir am oberen Rand des Gästestehplatzbereiches und konnten die ersten Blicke in die neue Arena werfen. Eigentlich war es keine große Enttäuschung, man hatte ja nichts anderes erwartet, aber dennoch endete der Blick ins Rund mit einem tiefen Seufzer. Der Arena-Standard prägt auch hier die Architektur der neuen FCA-Spielstätte. Das Stadioneinerlei breitet sich immer weiter aus. Aachen, Augsburg, Dresden. Duisburg, Wolfsburg, Magdeburg, Hoffenheim, man könnte die Liste noch weiterführen und mit den Jahren wird sie mit Sicherheit immer länger werden. Das Hopping-Erlebnis, einen neuen Ground zu machen und alle Facetten des erstmals besuchten Stadions während des Spiels zu erforschen und aufzunehmen, findet in diesen Arenen einfach kaum statt.

Aber na ja, der (Stadion)Hunger und das Komplettierungsbedürfnis treibt’s rein. Spontan musste ich mich in dieser Sekunde daran erinnern, wie ich vor ein paar Jahren das Rosenaustadion besucht hatte. Sicherlich auch kein Knaller in Sachen Attraktivität und Schönheit, aber trotzdem hatte man genug interessante Details, um sich am weiten Rund zu erfreuen. Wie wird es wohl in 40, 50 Jahren mit den momentan top aktuellen Arenen sein? Wird man dann denken „Meine Güte, diese impuls-Arena, wie schrullig und schön dieses alte Stadion doch ist!“? Irgendwie schwer vorzustellen…

Die hinter dem Tor befindlichen Augsburg-Fans präsentierten zum Einlaufen der Mannschaften mit gelben und grünen Leibchen die Farben ihrer Stadt und machten dem aus Baden angereisten blau-weißen Anhang, der einige Schwenkfahnen im Gepäck hatte, deutlich das auch Augsburg zu Schwaben gehört, wenn auch „nur“ zum bayerischen Teil.

Der Zuschauerzuspruch hielt sich in Grenzen, gegen den KSC, immerhin einen Absteiger aus der 1. Liga, wenn er sich auch nur im Mittelfeld der Tabelle herumdrückt, kamen knapp 17.000. Sollte der FCA seine Aufstiegsambitionen manifestieren und eventuell sogar in die Tat umsetzen wird in der bayerischen Metropole sicherlich ein Boom einsetzen.

Das Spiel war eigentlich ganz okay, man konnte aber erkennen, warum das Saisonziel des KSC sicherlich nicht der direkte Wiederaufstieg sein kann. Dafür sind einfach zu viele spielerische Mängel zu sehen. Trotzdem, ziemlich untypisch, verwerteten die Karlsruher gleich eine ihrer ersten Chancen zur Führung, was Jenny aufgrund ihrer badischen Wurzeln in Freude versetzte. Ein Zitat aus dem Film „Pulp Fiction“ erklärt meine Reaktion auf den Führungstreffer der Gäste: „Meine Freundin ist Vegetarierin, und das macht mich auch zu einem.“ Somit freute ich mich ebenfalls mit dem KSC und Jenny mit.

Auf Seiten der Heimelf machte ein Spieler durch häufige Schwalben, Nickligkeiten und Meckereien negativ auf sich aufmerksam. Das dieser Spieler dunkler Hautfarbe war, ist eigentlich nur nebensächlich und zufällig. Höhepunkt war, als bei einer Ecke aus dem Gästeblock irgendein kleiner Gegenstand in Richtung dieses Spielers flog, ihn aber um einiges verfehlte. Dennoch hielt sich dieser Schlawiner den Kopf, sammelte das Utensil ein und rannte damit zum Schiri. „Dieser blöde Neger“ rutschte es Jenny über die Lippen, um sich sofort danach über sich selbst zu erschrecken und die Hand vor den Mund zu halten. Wir guckten uns beide an und mussten ziemlich lachen. Fast 3 Wochen auf dem Balkan hatten scheinbar ungewollt etwas auf uns abgefärbt. Aber das wird sich sicherlich in den nächsten Wochen wieder legen…

Am Ende prangte ein 1:1-Remis auf der Anzeigetafel, damit konnte keiner der beiden Teams so richtig zufrieden sein. Na ja, der KSC muss diese Seuchensaison halt noch irgendwie halbwegs unbeschadet überstehen.

Wir verließen den Stadionlangweiler, die Liga Numero Zwo war nun also wieder tutti kompletti. Zumindest bis zum nächsten Neubau. Mir graut es schon vor den neuen Arenen in Mainz, Ingolstadt, Offenbach, Essen, usw….

Das gute an den frühen Anstoßzeiten: je früher das Spiel beginnt, desto früher ist man logischerweise auch wieder daheim. Und das war heute, das muss man ehrlicherweise zugeben, auch gar nicht mal so schlecht.

Fazit: 23 Tage mit dem Auto in Mittel- und Südosteuropa on Tour, 21 Spiele stehen zu Buche, es hat nicht alles geklappt, es hätte aber auch einiges mehr schief gehen können und so Manches, mit dem man vorher nicht rechnen konnte, kam dazu. Einige Länder wie der Kosovo, Montenegro und Albanien werden uns mit Sicherheit noch einmal wiedersehen. Landschaftlich konnten wir einige sehr reizvolle Eindrücke mitnehmen. Alles in Allem verlief die Tour etwas unspektakulärer als wir vor der Abfahrt vermutet hatten. Die gleiche Fahrt 10 oder 15 Jahre früher wäre sicherlich um einiges spannender und erlebnisreicher geworden. Man merkt, wie sich auch diese Gegenden immer mehr westlichen Standards anpassen und dadurch ein bisschen ihren Scharm und Reiz verlieren, wobei diese Entwicklung sehr wahrscheinlich von Vorteil für die Bevölkerung ist, und das sei ihnen natürlich auch gegönnt.

Eine große Bitte an alle Vereine aus östlichen Richtungen, die es noch nicht gecheckt haben: Bitte, bitte, führt endlich die Klobassa ein! Oder zumindest die Bratwurst! Oder irgendein anderes gegrilltes fleischliches Geschmacksfeuerwerk! Das würde den Stadionbesuch bei Euch zu einem noch größeren Erlebnis machen! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich das Zeug bei Euch nicht verkaufen würde.

Zum Schluss sei gesagt, dass es natürlich auch diesmal wieder eine riesige Freude war, sich den Urlaub vom Spielplan und dem Informer planen zu lassen.
(Stadionwelt, 03.01.2011)

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Stadion Intera
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Gradski Stadion
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Varteks Stadion
Bild: Klaudio Djepina
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