Unterwegs auf Balkantour mit Fabian Schlomm (Teil 5/10)

Faszination Fankurve 29.12.2010 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im Spätsommer 2009 begab Fabian Schlomm sich über drei Wochen auf eine Groundhoppingtour Richtung Balkan. Stadionwelt veröffentlicht seine Erlebnisse in zehn Teilen. Der fünfte Teil führte den Groundhopper nach Mazedonien.

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03.10.2009 15:00 Uhr
FK Rabotnicki Kometal – FK Makedonia Gorce Petrov 1:1
Gradski Stadion Skopje
Zuschauer: ca. 300
Ca. 150 Gäste
Wir taten unser Möglichstes, doch wir bekamen einfach keine genauen Informationen über die konkreten Anstoßzeiten in Albanien. Weitere Telefonate blieben erfolglos. Auf E-Mails wurde erwartungsgemäß nicht geantwortet und auf allen möglichen Websites, ob albanisch oder nicht, war der Sonntag als Datum für den kompletten Spieltag angegeben. Was bleib uns also anderes übrig als das so hinzunehmen und Sonntags möglichst früh gen Albanien aufzubrechen, um im Falle eines Falles schnell noch umdisponieren zu können.

Wir entschieden uns also Samstag das Nationalstadion Mazedoniens zu besuchen, nach dem Spiel zum schönen Ohridsee im Südwesten des Landes zu fahren, dort zu übernachten um dann am darauf folgenden Tag nach Korce in Albanien zu fahren, wo dann hoffentlich ein Heimspiel von Skenderbeu stattfinden sollte. Ein ziemlich unsicheres, saublödes Gefühl, sich des Spieltermines in Albanien nicht sicher sein zu können und so Gefahr zu laufen, den angestrebten Länderpunkt bis auf Weiteres verschieben zu müssen.

Na ja, nun galt das Augenmerk aber erstmal dem Länderpunkt Mazedonien. Dessen Verband stellte konkrete Anstoßzeiten sogar dem Kicker zur Verfügung, auf der eigenen Website standen sie sowieso, sehr vorbildlich, aber auf der anderen Seite sollte das doch eigentlich, zumindest einige wenige Tage vor dem Spieltag, Standard sein, auch für den albanischen Verband. Man verlangt ja gar nicht, alle Spieltermine auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, ein bisschen Recherche darf gern sein, aber man muss zumindest die Chance haben, etwas herauszufinden. Aber von diesem Missstand im albanischen Fußball können auch andere Hopper bereits ein Lied singen.

Nun fuhren wir mit dem Golfi die knapp 250 Kilometer lange Strecke von einer Hauptstadt in die nächste. Heute erwischten wir den ersten Tag unserer Tour, an dem so richtig mieses Wetter vorherrschte: Regen en masse und fies niedrige Temperaturen, die auf bis zu 6 Grad Celsius im gebirgigen Grenzland sanken, puuhh, da gibt’s wahrlich schönere Wetterlagen. Zu dem teilweise regelrecht platzenden Regen machten einem Felsbrocken, die hier und da auf der gut ausgebauten Landstraße Richtung Südwesten lagen, das Fahrerleben schwer. Zumal mein damaliger Ford und ich vor einigen Jahren in den rumänischen Karpaten unliebsame Bekanntschaft mit solch einem Gestein machen mussten. Ist nicht empfehlenswert und ich kann nur davon abraten.

Letztendlich konnten wir Skopje aber unfallfrei erreichen und auch das Wetter hatte sich zumindest wieder etwas beruhigt. Die mazedonische Hauptstadt kommt ziemlich beschaulich daher und hat so gar nichts mit dem überdimensionalen Sofia zu tun. Unsere Unterkunft befand sich direkt gegenüber der griechischen Botschaft. Wir hatten mit einem großen Aufgebot an Sicherheitsbeamten vor der Botschaft gerechnet, denn die Mazedonier liegen mit den Griechen wegen des Namens ihres Landes in einem kleinen Klinsch. Der offizielle Name lautet „ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“, denn die Griechen beanspruchen den Namen „Mazedonien“ einzig und allein für ihre nördliche Provinz rund um Thessaloniki. Als Nicht-Grieche kann man das ganze Gezicke wegen eines Namens nicht so ganz nachvollziehen, aber das ist ja nicht unsere Sache. Man kann ja letztendlich sagen was man möchte. Es sagt ja auch jeder normal denkende Mensch beispielsweise „Alm“ und nicht „Schüco Arena“. Wir machten uns auf den Weg zum Stadion, um unterwegs noch mazedonische Denar abzuheben und ein bisschen was an reichhaltiger Nahrung einzuwerfen.

Im Vorfeld wurde mir bereits zugetragen, dass sich das Gradski Stadion zu Skopje im Umbau befindet. Daher war ich ein bisschen nervös, hoffend, dass die Umbaumaßnahmen uns nicht den Blick auf einen riesigen Erdwall oder unfertige Stahlgerüste zumuten würden. Doch ich konnte beruhigt werden. Die Umbaumaßnahmen haben den Stand erreicht, dass bisher eine große Tribüne auf der gegenüberliegenden Seite zur bisherigen Haupttribüne errichtet wurde, genau in der gleichen Form und ebenso steil, allerdings in den gelb-roten Nationalfarben bestuhlt und nicht komplett in rot wie die schon stehende Tribüne. Damit konnte man mich zufriedenstellen. Hinter den beiden Toren sollen zukünftig noch zwei etwas kleinere Tribünen entstehen, sodass das Stadion, welches auch nach Filip dem II. von Makedonien benannt ist, an allen Ecken geschlossen wird und als moderne Arena daherkommen soll. Oder haben vielleicht sogar die Amis die Renovierung befohlen, um den völlig ungestörten Blick auf die auf dem Hügel auf der anderen Seite hinter der Tribüne liegende amerikanische Botschaft zu unterbinden? Zuzutrauen wäre es diesen Sicherheitsfanatikern.

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Gradski Stadion Skopje
Bild: Schlomm

Hinter der alten Tribüne befindet sich ein Imbiss und wir entschlossen uns, dort einzukehren. Wir kamen mit dem Wirt ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er perfekt deutsch sprach und einige Jahre in Wermelskirchen gearbeitet hat. Was genau, danach fragten wir lieber nicht, wir wollten uns das nette Gespräch mit ihm nicht gleich verscherzen. Die Pinte jedenfalls kann man empfehlen, das Essen ist einfach aber günstig mit ordentlichen Portionen und es gibt frisch gezapftes einheimisches Gebräu. Wir erzählten ihm dann, dass wir gleich zum Spiel ins Stadion gehen würden. Das fand er sehr toll, das jemand nach Mazedonien kommt um Fußball zu gucken. Wenige Minuten später kam er wieder an unseren Tisch, 2 Eintrittskarten in der Hand die er uns mit der Bemerkung „die gehen aufs Haus“ überreichte. Die Karten hatten einen Wert von insgesamt 3,00€, doch in diesem Fall zählt auf alle Fälle die Geste. Wir bedankten uns herzlich, orderten noch zwei Getränke und verabschiedeten uns dann in den Ground. Am Eingang mussten wir den Ordnern zu verstehen geben, dass sie die Karten keinesfalls zerreißen dürften, wie es ja im Osten Europas häufig gemacht wird.

Nun stellte sich für uns wieder die Frage: was wird sich beim heutigen Spiel des aktuellen Pokalsiegers gegen den aktuellen Meister an Fans im steilen Rund herumtreiben? Die Antwort: es war absolut erbärmlich. Klar, der nach dem gleichnamigen Fluss benannte Verein Vardar ist die fanmäßig stärkste Kraft in Skopje, vermutlich sogar im ganzen Land. Aber das sich nicht mehr als 300 Zuschauer zu diesem sportlich durchaus interessanten Kick im Stadion verirren würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Sehr enttäuschend! Im Übrigen waren die meisten Sitze der riesigen Tribüne ziemlich vollgeschmöttkert, entweder einfach nur mit Dreck oder mit Exkrementen, die die Ratten der Lüfte hinterlassen hatten. Man merkte, dass die Hütte sowieso nur bei guten Länderspielen gefüllt ist. Das Spiel endete 1:1 und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Kurz vor Abpfiff hörten wir plötzlich Gesänge hinter der Tribüne, die immer lauter wurden und näher kamen.

Na nu, was ist denn jetzt plötzlich los? Da wir eh in der allerletzten Reihe ganz oben saßen drehten wir uns um und schielten über die Brüstung in den hinter uns liegenenden Park. Wir trauten unseren Augen nicht! Was sahen wir da? Knapp 300 Leute von Vardar Skopje marschierten inklusive Zaunfahne Richtung Stadion. Was sollte das nun bedeuten? Wollten sie die letzten Überbleibsel an Fans anderer Vereine aus der Stadt eliminieren oder demonstrieren, dass sie selbst ohne eigenes Spiel ihres Vereins mehr auf die Beine stellen als Rabotnicki und Makedonia während des sportlichen Topspiels zusammen? Wir fragten einige Jugendspieler, die kaugummikauend neben uns saßen. Die Vardar-Meute war auf dem Weg zum Handball-Champions League Spiel gegen einen dänischen Vertreter in einer Halle, die nur wenige hundert Meter weiter an der Vardar entlang liegt. Das musste ich mir mal aus der Nähe ansehen. Doch zuerst mussten wir den Ordner davon abhalten, nur wenige Minuten nach dem Spiel das bereits restlos leere Stadion schon abzuschließen. Das verdeutlicht nochmal, welch gähnende Leere wir während des Spiels zu ertragen hatten.

Nun folgte ich dem Vardar-Mob in einiger Entfernung und wollte dann doch mal das ein oder andere Foto machen. Dummerweise vergaß ich, den Blitz auszuschalten, was gleich als Konsequenz einige Blicke auf mich zog. So stand ich da in blauer Regenjacke und kurzer Hose, also nicht gerade in unauffälliger Kleidung, und musste mir von Weitem einige Drohgebärden ansehen. Da wurde mir schon etwas mulmig und ich war in diesem Moment froh, dass der ganze Trupp in Polizeibegleitung unterwegs war.

So drehte ich schnellstens um und ging mit Jenny in die Innenstadt. Vielleicht kann das der ein oder andere nun nicht verstehen, aber wir verzichteten auf den Besuch des Handballspiels, obwohl stimmungstechnisch sicherlich einiges geboten worden wäre. Aber in dieser Hinsicht sind wir äußerst konservativ. Fußball und sonst nix! Im Zentrum Skopjes suchten wir ein Internetcafé auf, welches absolut unverschämte Preise forderte, jedoch blieb uns aufgrund mangelnder Alternativen nichts anderes übrig als es trotzdem zu nutzen.

Viel ärgerlicher als die horrenden Gebühren war aber nun der Blick ins Netz. Plötzlich war der komplette Spieltag der albanischen 1. Liga am heutigen Samstag und wir konnten uns auf der albanischen Verbandsseite die Ergebnisse der Spiele ansehen. Sehr demütigend! Beinahe wäre zu den Gebühren für die Nutzung des PCs noch der Preis für den kompletten Monitor dazugekommen! Meine Güte, wie scheiße ist das denn?! Sorge für den Ausdruck, aber nichts anderes fiel mir dazu ein. Der chaotische Verband Albaniens hatte uns durch diese katastrophale Kacke den Länderpunkt Albanien auf unserer Tour geklaut! Einfach nur unverständlich, wieso man es nicht schafft, die korrekten Spieltermine wenigstens einen Tag vor dem Spieltag im Internet zu veröffentlichen! Und wenn man das nicht macht dann kann man ja wenigstens ans Telefon gehen! Ich hatte im Kopf schon meine schriftliche Beschwerde an die FIFA formuliert, aber der Weltverband ist ja genauso schlecht, nur auf eine andere Art und Weise. Wohin sollte ich nur mit meinem Ärger? Es half alles nichts, the show must go on, das Land wird ja vermutlich noch einige Jahre existieren. Aber dennoch ist die ganze Sache reichlich ärgerlich, wenn man schon mal mit dem Auto und damit verbundener maximaler Flexibilität dort unten unterwegs ist und sogar durch Albanien fährt, den Länderpunkt aber trotzdem nicht machen kann. Arrrggg…

Nun konnten wir es nicht mehr ändern, wir saßen machtlos vor dem Bildschirm und konzentrierten uns darauf, die weitere Tour zu planen. Wir entschieden uns, am morgigen Sonntag nach Bitola zu fahren, dort dem südlichsten Erstligisten des Landes einen Besuch abzustatten, und am Montag weiter nach Thessaloniki zu fahren, um das kleine Derby PAOK – Iraklis zu sehen. Als eine sehr gute Sache, speziell in Ländern, in denen es personalisierte Tickets gibt, empfinde ich immer wieder die sogenannte „print @ home“ – Möglichkeit. Man bekommt die Eintrittskarten als pdf-Dokument per E-Mail zugeschickt und spart dadurch reichlich Versandkosten und Ärger. Daran sollten sich die italienischen Vereine mal ein Beispiel nehmen. Bei PAOK klappte diese Funktion reibungslos und so hatten wir wenige Sekunden später unsere Eintrittskarten für Übermorgen schon in der Tasche. Schöne Sache! Als Kartensammler muss man sich dann halt vor Ort noch ein schönes Ticket organisieren, was ja in den meisten Fällen kein Problem darstellt. Trotzdem ging es mit reichlich Wut im Bauch über albanische Terminverbrecher zurück in die Unterkunft.

04.10.2009 15:00 Uhr
FK Pelister Bitola – FK Teteks Tetovo 2:0
Stadion Tumbe Kafe
Zuschauer: ca. 800
0 Gäste
Am darauf folgenden Tag ging es in westlicher Richtung auf der Stadtautobahn weiter nach Tetovo, wo die mehrspurige Straße einen Knick nach Süden macht. Selbstverständlich ist auch hier ein gewisse Mautgebühr zu entrichten, die sich aber im Rahmen hält und, falls nötig, auch in Euromünzen beglichen werden kann. Der Betrag wird dann natürlich großzügig zu Gunsten des Empfängers aufgerundet.

Nach weiteren 20 Kilometern endet die Schnellstraße und die recht kurvige Landstraße führt einen durch bergiges Gebiet weiter zum Ohridsee, der auf jeden Fall einen Abstecher wert ist. Leider reichte es für uns heute nur zu einem kurzen Blick auf das weite Blau. In einer Höhe von teilweise 1.200 Metern legten wir weitere knapp 80 Kilometer bis nach Bitola, der größten Stadt im Südwesten Mazedoniens, zurück. Bitola ist ringsherum von vielen schönen Bergen eingebettet, im Süden der Stadt öffnet sich ein Tal, dessen Straße den Weg zur griechischen Grenze weist. Von hier aus sind es keine 20 Kilometer mehr, bis man sich wieder auf EU-Territorial befindet.

Das Stadion befindet sich direkt an der Ausfallstraße gen Hellas, auf der rechten Seite konnte man es gut durch einen kleinen Park erkennen. Wir bogen ab und parkten den Golf hinter der Haupttribüne. Da wir noch reichlich Zeit hatten wollte ich das gerne nutzen, um 1. Bilder vom leeren Ground zu machen und um mich 2. von der Anstoßzeit zu überzeugen, die wir tags zuvor im Internet gelesen hatten.

Im Stadion schlenderten schon einige Polizisten herum und checkten gelangweilt die Sicherheitslage ein paar Stunden vor dem Anpfiff. Ich erkundigte mich, ob ich durch ein großes Loch im Zaun den Platz betreten und ein paar Fotos von der Tribüne machen dürfte. Dies wurde bejaht und da ich nun natürlich als Ausländer entlarvt war wurde ich gleich gefragt, ob ich von der FIFA wäre. Oh nein, ihr guten Männer, keine Angst, ich bin so einiges, aber das bestimmt nicht. Irgendwie schien das die Herren der Polizei zu beruhigen.

Das Stadion Tumbe Kafe gibt ein gutes Beispiel für Stadien in (Süd)Osteuropa, die mit Sicherheit einmal ziemlich schick und neu ausgesehen haben, für dessen Pflege sich aber offensichtlich niemand zuständig fühlt und das folgerichtig immer mehr verkommt, was zweifelsohne aus groundhoppingtechnischer Sicht seinen Reiz hat, aber doch irgendwie ziemlich unnötig und schade ist. Die Fenster an der Rückseite der Haupttribüne sind allesamt zerbrochen, die Eingangstore sind verrostet und eingedrückt, überall liegt Müll, Schmutz und unsäglich viele Hülsen konsumierter Sonnenblumen- und Kürbiskerne, ein Teil der grünen Schalensitze befindet sich längst nicht mehr an seinem angestammten Platz und die Sitze, die noch benutzt werden können, sind überzogen mit Dreck.

Dennoch bzw. auch gerade deswegen hat der Ground einiges an Scharm zu bieten. Die Gegengerade besteht aus unterschiedlich großen Teilen und ist daher ziemlich unförmig. Hinter den Toren zieht eine sehr alte Mauer die Grenze zwischen drinnen und draußen und im Schwimmbad nebenan drehte zu diesem Zeitpunkt des Jahres eine kleine Entenfamilie ihre Kreise.

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Stadion Tumbe Kafe
Bild: Schlomm

Nachdem ausreichend Schnappschüsse im Kasten waren machten wir uns auf die Suche nach einer preisgünstigen Unterkunft. In Gegenden, in die es eher selten Touristen verschlägt, gestaltet sich so ein Vorhaben zuweilen als relativ schwierig. Entweder gibt es kaum Unterkünfte oder sie sind ziemlich kostspielig. Im Zentrum der Stadt findet man das Hotel „Bitola“, das außer diesem ziemlich extravaganten Namen eigentlich nichts aufzubieten hat. Gerade recht für eine Nacht. Na ja, bei näherem Betrachten kam einem die Bude schon ziemlich eigenartig vor. Von dem Schild „Bitola“ auf dem Dach dieses ehrenwerten Hauses versagten mehr als 50% der Leuchtbuchstaben den hellen Dienst, auf dem Parkplatz zeugte ein Haufen Scherben von einer eingeschlagenen Scheibe eines Vorgängerparkers, beim Nutzen der Treppe sind Bergsteigerkenntnisse durchaus von Vorteil und die brummige Dame an der Rezeption hätte auch gut bei Psycho im schwarz-weiß-Original mitspielen können, dann hätte man wenigstens ihre gelb gerauchten Zähne nicht gesehen. Na ja, der Preis schien aber recht fair.

Das änderte sich allerdings, als wir die Zimmer betraten. Man muss wirklich sagen, dass Jennifer für eine Frau absolut genügsam ist was Unterkünfte angeht. Aber hier wurde der Bogen eindeutig überspannt. Beim Öffnen der Tür schwappte einem ein Modergeruch entgegen, der kaum zu ertragen war, der Putz kam von der Decke und dem Bad hätten wir am nächsten Morgen sicherlich die Nutzung aus hygienischen Gründen verweigert. Hier hätte ich vielleicht mit irgendeiner Hopperkombo eine Nacht verbracht, wenn wir vorher beim Kick ordentlich Pivo gekippt hätten, aber so kam ich dem Wunsch meines Weibchens nur zu gerne nach, diese Absteige wieder zu verlassen. Ein paar Straßenzüge weiter fanden wir ein zugegebenermaßen teureres Hotel vor, doch die hygienischen Gegebenheiten waren hier auf alle Fälle vollkommen in Ordnung. Und dieser Grundanforderung meiner Frau an ein Hotel möchte ich nun wirklich gerne entsprechen.

So, nun aber endlich zum Ground, schließlich sollte ein schönes Spielchen den letzten Frust des vorerst verpassten Länderpunktes Albanien vertreiben. Zu unserer Freude fand sich auf der Haupttribüne neben uns sogar ein knapp 30 Mann starker Mob zusammen, der die grün-weiße Heimelf mit Gesängen anfeuerte.

Die Gastmannschaft, ein Aufsteiger aus Tetovo im Nordosten des Landes, hatte keine Fans mit nach Bitola gebracht. Aber das störte uns heute eher wenig, wir genossen es, dem bunten Treiben auf dem Feld zu beobachten und zu sehen, wie Bitola einen ungefährdeten 2:0-Heimdreier einfuhr.

Während es sich Jenny nach dem Spiel im Hotel gemütlich machte ging ich zu Fuß noch ein bisschen in die nette Innenstadt. Im Zentrum gibt es eine kleine Meile mit Fressbuden und Sitzmöglichkeiten. So ließ ich den Tag bei mazedonischem Bier und leckerem Fast Food ausklingen und beobachtete die vorbeilaufenden Menschen, ehe es, der einziehenden Kälte entfliehend, ebenfalls auch für mich hieß, ins Hotel zurückzukehren.
(Stadionwelt, 29.12.2010)

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Gradski Stadion Skopje
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Stadion Tumbe Kafe
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