„Themen sind dabei solche, die die aktive Fanszene bewegen“

Faszination Fankurve 27.11.2010 0 Kommentare

Foto: Kopfstoss.FM

Kopfstoss.FM ist eine Radiosendungen, die in mehreren freien Radios zu hören ist und auch im Internet angehört werden kann. Thematisch befassen sich die Sendungen unter anderm mit Fankultur, Kommerzialisierung und Diskriminierung im Fußball. Stadionwelt sprach mit den Machern.

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Stadionwelt: Stellt doch mal kurz euer Radio Magazin Kopfstoss.FM vor. Was sind eure Themen, wen wollt ihr erreichen und was sind eure Ziele?
Jörg Depta: Als wir, ein paar Fußballfans und Enthusiasten der Freien Radio-Szene, Kopfstoss.FM ins Leben riefen, taten wir das vor allem deswegen, weil Fußball als Thema in den Freien Radios nicht stattfand. Und das, obwohl Fußball ist in den Medien überall präsent war. Dabei fällt bis heute auf, dass die Fans als Akteure und ihre Initiativen und Erfahrungen kaum auftauchen. Die aktiven Fußballfans laufen Gefahr, im Zeichen der vollständigen marktwirtschaftlichen Ausgestaltung des Fußballs als Unterhaltungsbranche nur noch als Sicherheitsrisiko oder atmosphärisches Beiwerk thematisiert zu werden. Wir fanden, dass es höchste Zeit sei, Fußballfans, über die bis dato immer nur berichtet wurde, selbst zu Wort kommen zu lassen. Und nirgendwo geht das unserer Meinung besser als da, wo der Fußball sein vielleicht wichtigstes mediales Zuhause hat: im Radio. Die Themen sind dabei solche, die die aktive Fanszene bewegen, wie Fankulturen, Kommerz, Gewalt und Rassismus.

Stadionwelt: Wie ist die Redaktion von Kopfstoss.FM aufgebaut?
Jörg Depta: Unser Wunsch war es immer, eine große bundesweite Redaktion mit Menschen aus vielen Städten zu haben, die die Sendung gemeinsam gestaltet. Zur Zeit sieht es aber leider so aus, dass der harte Kern der Redaktion eigentlich nur aus vier Leuten aus Halle, Leipzig und Berlin besteht. Hinzu kommen noch einmal etwa zehn Menschen, die die Sendung im Hintergrund begleiten. Darüber hinaus gibt es lose Kontakte zu Leuten von „Fußballfans beobachten die Polizei“ und zum Bündnis aktiver Fußballfans.

Stadionwelt: Sind Mitglieder der Redaktion auch in den Fanszenen aktiv?
Jörg Depta: Nun ja, wie man es nimmt. Alle von uns gehen mehr oder weniger regelmäßig in Stadion. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Vorlieben. Einige gucken Fußball in Cottbus, andere wiederum haben vor kurzem ein Stück ihres Herzens einer neuen Liebe geschenkt. Sie gehen nun zum neuen Leipziger Verein. Noch andere finden, aus welchen Gründen auch immer, St. Pauli oder Werder Bremen ganz toll. Aber so richtig aktiv sind wir nicht mehr in irgendwelchen Fanszenen. Obwohl: Die gesamte Redaktion ist natürlich Mitglied beim einzigen Fanclub der TSG Hoffenheim in Ostdeutschland, bei den „Karstadtindianern“. Erwähnen muss man auch, dass die Hälfte der Redaktion beim Roten Stern Leipzig spielt, soweit es die Kreuzbänder zulassen.

Stadionwelt: Wie oft erscheint eine Sendung und wo kann man sie hören?
Jörg Depta: Kopfstoss.FM gibt es monatlich eine Stunde lang. Die Heimat von Kopfstoss.FM ist bei Radio Corax in Halle/Saale und Radio Blau in Leipzig. Darüber hinaus wird die Sendung aber bei vielen anderen Freien Radios in Deutschland ausgestrahlt, z.B. in Dresden, Freiburg, Nürnberg und Marburg. Und natürlich ist Kopfstoss.FM auch im Internet zu Hause. Dort findet man die aktuelle Sendung immer als Podcast.

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Bild: Kopfstoss.FM

Stadionwelt: Eure Redaktion ist offen für neue Leute. Wie kann man bei euch mitmachen und welche Erfahrung habt ihr damit bisher gemacht?
Jörg Depta: Wir freuen uns immer sehr, wenn es neue Leute gibt, die bei und mitmachen wollen. Wer das möchte, soll sich einfach bei uns melden (info@Kopfstoss.FM). Bisher arbeiten wir unter anderem mit „Fußballfans beobachten die Polizei“ zusammen. Wie gesagt, unser Wunsch war und ist es, eine bundesweite Redaktion für Kopfstoss.FM zu schaffen, in der das verhandelt wird, was die Fans bewegt.

Stadionwelt: Auch immer mehr Ultragruppen nutzen die Möglichkeit einen Podcast zu veröffentlichen oder gehen bei lokalen freien Radios auf Sendung. Worin seht ihr die Vorteile des Mediums Radio und wie seht ihr die Entwicklung von Radiosendungen mit Fanszenebezug?
Jörg Depta: Radio bietet die Möglichkeit, nicht nur ein Verlautbarungsmedium zu sein, sondern die Kommunikation untereinander zu fördern. Nirgendwo anders als im Radio kann man sich so gut austauschen und Dispute, Debatten und Gespräche führen. Und wie bereits gesagt, nirgendwo hat der Fußball ein solches Zuhause wie im Radio. Hier ist Fußball in der medialen Berichterstattung groß geworden. Nichtkommerzielle Radios, die so genannten Freien Radios, und Offene Kanäle erreichen bundesweit eine technische Reichweite in zweistelliger Millionenhöhe. Fast in jeder größeren deutschen Stadt existiert ein Programmanbieter. Wir freuen uns, dass viele Fans die Möglichkeit ergreifen und im Radio selbst aktiv werden. Vielleicht findet ja der eine oder andere auch den Weg zu uns.

Stadionwelt: Rassismus und Diskriminierung beim Fußball ist immer wieder Thema in euren Sendungen. Warum ist es in euren Augen immer wieder notwendig sich mit diesen Themen zu beschäftigen?
Jörg Depta: Ganz einfach: Weil uns Rassismus und Diskriminierung, und das nicht nur im Fußball, maximal ankotzen. Man kann sich nicht oft genug damit beschäftigen. Solange es Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie im Fußball gibt, solange werden wir bei Kopfstoss.FM darüber reden. Wenn es all das nicht mehr geben sollte, dann berichten wir nur noch über schöngeistige Themen. Versprochen.

Stadionwelt: Nach der Fandemonstration in Berlin werden Faninteressen wieder mehr diskutiert. Was sind eurer Meinung nach die Themen, die die Fanszenen in nächster Zeit besonders beschäftigen werden und was könnte eurer Meinung nach zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen Fußballfans, Polizisten und Verbands- und Ligavertretern verbessern?
Jörg Depta: Wir denken, dass sich die Themen in der nächsten Zeit nicht grundlegend ändern werden. Es wird sich auch in Zukunft um Stadionverbote, Mitbestimmung, Partizipation, Kommerz und Diskriminierung drehen. Unserer Meinung nach kann nur ein Dialog auf gemeinsamer Augenhöhe das Verhältnis zwischen Fans und Polizei, Verbands- und Ligavertretern verbessern.
(Stadionwelt, 27.11.2010)

Die aktuelle Sendung und auch älter Sendungen gibt es hier:
http://www.kopfstoss.fm/

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Bild: Kopfstoss.FM
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