"…Version der Regionalliga war eine Totgeburt"

Faszination Fankurve 21.06.2010 0 Kommentare

Foto: Ultras Darmstadt

In Darmstadt trafen sich 24 Vereine, um für eine Reform der Regionalliga zu plädieren. Die Fans stehen hinter ihren Vereinen und wollen die Idee so gut es geht unterstützen. Stadionwelt sprach mit Alexander Lehné von der Faninitiative Pro Regionalliga Reform 2012.

Werbung

Stadionwelt: Vor ungefähr einer Woche wurde die Initiative „Pro Regionalliga Reform 2012“ geboren. Wer steht alles hinter der Initiative und was war der ausschlaggebende Punkt für die Gründung?
Pro Regionalliga Reform 2012: Der ausschlaggebende Punkt für die Gründung war das Treffen der Regionalligavereine in Darmstadt. Die Vereine selbst haben dort ein Konzept für eine neue Regionalliga erarbeitet. Da wir als Fans genau die gleichen Probleme in der aktuellen Liga sehen und die entwickelte Lösung geradezu als Traumvorstellung empfanden, war uns schnell klar, dass wir die Idee bestmöglich unterstützen wollten. „Wir“ waren im ersten Augenblick der Fanverein Darmstadt 98 e.V. als Dachverband der Lilienfans. Aber schon von der ersten Minute ab standen wir mit der Kasseler Fanszene in Kontakt, die unabhängig davon ähnliches vorhatte. Mittlerweile stehen hinter der Initiative Fans aus allen Teilen der Bundesrepublik.

Stadionwelt: Wie Euer Name schon verrät, fordert Ihr eine grundlegend reformierte Regionalliga. Was genau sind Eure Ziele?
Pro Regionalliga Reform 2012: Das Ziel ist eine attraktivere Regionalliga, in der es sich wieder lohnt zu spielen. Damit zielen wir natürlich auf die massiv vertretenen zweiten Mannschaften der Bundesligavereine ab. Ganz platt ausgedrückt: Die will einfach keiner sehen.
Das spiegelt sich in den Zuschauerstatistiken wieder. Wenn gar die Zwoten untereinander spielen, muss man ja schon froh sein, wenn die – dafür genutzten – Bundesligastadien wenigstens von ein paar Familienangehörigen besucht werden. Die Wettbewerbsverzerrungen aufgrund der wechselnden Kader und der nicht vorhandenen Lizenzierungspflicht brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen.

Bild: C. Hesse“ loading=“lazy“>

Proteste gegen die Zweitvertretungen in den Ligen gibt es schon länger
Bild: C. Hesse

Stadionwelt: Die aktuellen Regionalligen scheinen für viele Vereine zum finanziellen Stolperstein zu werden. Was ist Eurer Meinung nach das größte Problem?
Pro Regionalliga Reform 2012: Das größte Problem in der Regionalliga ist die Spanne zwischen den Anforderungen an die Vereine und der Rentabilität der Liga. Die Clubs werden zu Sicherheits- und Baumaßnahmen gezwungen, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Anforderungen stehen. Als Belohnung dafür bekommen sie unattraktive Zweitmannschaften als Gegner, die keine Zuschauer anlocken.
Da fordert der DFB zum Beispiel eine Stadionkapazität von 5.000 Plätzen, davon 1.000 Sitzplätze, wovon mindestens 500 überdacht sein sollen. Schauen Sie sich die Zuschauerzahlen an, stellen Sie fest, dass ein Drittel der Vereine nicht mal auf einen Zuschauerschnitt von diesen 500 kommt.
Auf die Dauer kann kein Verein in dieser Liga überleben. So bleibt im Grunde nur die Wahl sich mehr oder weniger freiwillig zurückzuziehen (dieses Jahr gab es kaum einen sportlichen Absteiger) oder mit vollem Risiko in den Aufstieg zu investieren. Klappt dies nicht, geht es ohne Lizenz weiter nach unten.

Stadionwelt: Nun wurde die Regionalliga erst vor zwei Jahren neu aufgestellt. Wie hoch schätzt Ihr selbst die Erfolgsaussichten?
Pro Regionalliga Reform 2012: Anscheinend hat der DFB immerhin verstanden, dass die vor zwei Jahren eingeführte Version der Regionalliga eine Totgeburt war. Erste Ansätze etwas ändern zu wollen, konnte man ja schon aus der Otto-Fleck-Schneise vernehmen. Diese (sprich: sechs Staffeln mit noch weniger Aufstiegschancen) hätten die Lage allerdings nur noch verschlimmert, weshalb wir nun einfach nicht mehr weiter zusehen konnten.
Dadurch, dass wir Seite an Seite mit unseren Clubs kämpfen, eine breite Basis stellen und beim Verband zumindest der allgemeine Konsens herrscht, dass es so nicht weiter gehen kann, sehen wir unsere Erfolgsaussichten sogar als recht hoch an. Schließlich bietet der Vorschlag, den wir unterstützen, für alle Seiten die Wahrung des Gesichts und eines Teils der eigenen Interessen.

Bild: Ultras Darmstadt“ loading=“lazy“>

Mehr als 100 Fangruppen sind bisher offizielle Unterstützer der Aktion. Egal ob aus Darmstadt…
Bild: Ultras Darmstadt

Stadionwelt: Bei der Gründung von „Pro Regionalliga Reform 2012“ wurde darauf hingewiesen, dass 24 Vereine auf die Einladung des SV Darmstadt 98 und des KSV Hessen Kassel eingingen und sich bezüglich einer Reform trafen. Seid Ihr als Initiative dort auch vertreten gewesen und was waren die Ergebnisse?
Pro Regionalliga Reform 2012: Diese Veranstaltung war – wie gesagt – eher die Initialzündung unserer Initiative. So begannen unsere Vorbereitungen nur wenige Stunden vor diesem Treffen.
Beim Treffen selbst vereinbarten die Vereine ihr Konzept. Sprich: Zwei Regionalligen von ersten Mannschaften und einer eigenen Liga für U23-Teams. Um den Vorschlag überhaupt gegenüber den DFL-Vereinen abstimmungsfähig zu machen, ist vorgesehen, dass der Meister der U23-Runde in die 3.Liga aufsteigt und dort jährlich das schlechteste U23-Team ersetzt. Die anderen drei Aufsteiger sollen aus den Regionalligen mit den ersten Mannschaften stammen.
Natürlich bringt solch ein Konzept viele Kleinigkeiten und Details mit sich, die zu klären sind. Das diese Aufgaben jedoch bei der „Interessengemeinschaft Regionalliga“, also dem Zusammenschluss der Vereine liegen, leuchtet ein.
Wir sehen uns als emotionale Begleiter, die zeigen wollen, dass diese Reform auch von den Leuten, den Fußballfans, gewollt ist. Und zwar ganz egal, ob sie im Ligabetrieb miteinander rivalisieren – in dieser Frage sind sich alle einig. Das sieht man ja allein schon daran, welche Clubs und Fans die Initiative gestartet haben.

Stadionwelt: Aus den ursprünglich 24 Vereinen sind nach nicht einmal einer Woche 26 geworden und Eure Aktion hat mittlerweile tausende Unterstützer, darunter sogar Fangruppen aus den beiden Bundesligen. Wie zufrieden seid Ihr mit der Resonanz?
Pro Regionalliga Reform 2012: Die Resonanz hat uns insbesondere in den ersten Stunden überwältigt. Uns war nicht mal so recht bewusst, dass die Seite schon online ist, da standen da schon mehr als 300 Unterschriften. Nun sind es mehr als 5.000 Einzelpersonen und 115 Fangruppen von 53 Vereinen, quer durch alle Ligen. Schön, dass auch viele Fans der Bundesligisten verstanden haben, dass die Regionalliga in der aktuellen Form die Basis des deutschen Fußballs gefährdet.
Beeindruckend ist ebenfalls, dass es keinerlei Dissonanzen zwischen den Fangruppen gibt. Keinen interessiert, welche Art Fan jemand ist, wer nun der bessere sei und wer mit wem zusammenarbeitet. Es geht einfach nur um die Sache und darum etwas zu bewegen.

Bild: www.knockemdown.com“ loading=“lazy“>

… oder aus Kassel. Bei diesem Thema sind sich alle Fans einig
Bild: www.knockemdown.com

Stadionwelt: Auf der Internetseite www.pro-regionalliga-reform-2012.de ist nachzulesen, dass für die kommende Spielzeit verschiedene Protestaktionen geplant sind. Kann man diesbezüglich schon einen Ausblick wagen?
Pro Regionalliga Reform 2012: Sicherlich. Unser klares Ziel ist es, die Initiative aus dem Internet in die Stadien zu bekommen. Schließlich spielt sich genau dort das ab, wofür wir kämpfen. Der Großteil der genannten Fangruppen wird mit uns ab dem ersten Spieltag mit Spruchbändern und Infoständen auf die Problematik aufmerksam machen. Natürlich sollen dabei auch noch viele Unterschriften gesammelt werden. Ein paar Überraschungen haben wir noch im Ärmel, aber davon werden wir rechtzeitig berichten.
Nun freuen wir uns erstmal ein wenig, dass die Statistik unserer Homepage erstaunlich viele nervöse Klicks aus Pretoria in Südafrika verzeichnet und rufen alle Freunde des Fußballs dazu auf uns per Unterschrift auf www.pro-regionalliga-reform-2012.de oder im Stadion (kontakt@pro-regionalliga-reform-2012.de) zu unterstützen! (Stadionwelt, 21.06.2010)

Bild: C. Hesse“>
Proteste gegen die Zweitvertretungen in den Ligen gibt es schon länger
Bild: C. Hesse
Bild: Ultras Darmstadt“>
Mehr als 100 Fangruppen sind bisher offizielle Unterstützer der Aktion. Egal ob aus Darmstadt…
Bild: Ultras Darmstadt
Bild: www.knockemdown.com“>
… oder aus Kassel. Bei diesem Thema sind sich alle Fans einig
Bild: www.knockemdown.com
Werbung
Werbung

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.

weitere Beiträge