„Ein Spiel komplett ohne Gäste wird es ohnehin nie geben."

Faszination Fankurve 14.05.2010 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

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Rainer Mendel
Rainer Mendel

Ohne Fans musste der 1. FC Köln das Gastspiel bei der TSG Hoffenheim bestreiten. Stadionwelt sprach mit dem Fanbeauftragten Rainer Mendel darüber, wie es soweit kommen konnte und wie doch mehrere hundert Kölner in das Stadion gelangten.

Stadionwelt: Momentan greift der DFB härter durch als zuvor. Auch der 1. FC Köln war von den Strafen betroffen. Aufgrund gleich mehrerer Vorfälle, wie der Einsatz von Pyrotechnik beim Derby in Leverkusen, musste der Gäste-Fanblock beim Auswärtsspiel in Hoffenheim geschlossen bleiben. Wie waren die Reaktionen auf das Urteil beim 1. FC Köln?
Rainer Mendel: Bei dieser Frage muss man vor allem auch den Hintergrund beachten. Das DFB-Sportgericht ermittelte gegen den 1. FC Köln in gleich fünf Verfahren. Unter anderem wurde uns sogar eine Sperre des Heimblocks im eigenen Stadion von Seiten des DFB angedroht, weshalb wir dann letztendlich doch mit dem tatsächlichen Strafmaß zufrieden sein mussten.

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Der 1. FC Köln wurde unter anderem wegen Pyrotechnik verurteilt
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Stadionwelt: Gab es Versuche, das Urteil abzuändern oder in Berufung zu gehen?
Mendel: Nein, wie schon oben erwähnt stand sogar eine Sperre der Südkurve zur Debatte und das wollte der 1. FC Köln auf jeden Fall vermeiden, da ein solches Urteil ja noch mehr Fans getroffen hätte. Die Verhandlung wurde daher kurzfristig sogar vertagt, was nicht zwingend etwas Gutes bedeutet. Am Tag nach der Verhandlung konnten wir uns dann fernmündlich mit dem DFB-Sportgericht auf die Sperrung des Gästeblocks in Hoffenheim verständigen.

Stadionwelt: Was sagten die Fans zu der harten Strafe?
Mendel: Die Stimmung unter den Fans war sehr gemischt, es gab Verständnis für das Vorgehen des 1. FC Köln, auf der anderen Seite aber auch Kopfschütteln gegenüber der vom Verband ausgesprochenen Strafe.

Stadionwelt: Eure Anhänger haben aus der Not eine Tugend gemacht und sich über das Internet mit Karten versorgt. Konnte man im Vorfeld schon so etwas erahnen?
Mendel: Das Spiel war bei der Urteilsverkündigung ausverkauft. Im nächsten Schritt mussten wir die Tickets, die wir an unsere Auswärtsdauerkarteninhaber bereits verschickt hatten, zurückfordern. Aufgrund der sportlichen Situation von Hoffenheim nutzten einige Kraichgauer die Chance, um zusätzlich Geld zu verdienen und verkauften im Internet ihre Karten überteuert. Insgesamt würde ich sagen, dass sich um die 500 FC-Fans so mit Karten für das Spiel versorgt haben, wobei rund 250 der aktiven Fanszene zuzuordnen waren, die sich auch nicht irgendwo im Stadion aufhielten, sondern eben direkt neben dem eigentlichen Gästeblock.

Stadionwelt: Die Aktion der Fans zeugte von Kreativität und wies vor allem auch auf die Lücken bei solch einem Urteil hin. Hat sich der DFB nach dem Spiel nochmals beim 1. FC Köln erkundigt, wie so etwas passieren konnte?
Mendel: Nein, erkundigt wurde sich nicht, da sich solche Dinge ja nicht ausschließen lassen. Ein Spiel komplett ohne Gästeanhang wird es ohnehin nie geben. Es gibt zu viele Kanäle, sich mit Karten einzudecken. Dem 1. FC Köln konnten also keinerlei Versäumnisse diesbezüglich vorgeworfen werden, er hat alles in seiner Macht stehende getan.

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Ein Schock für DFB? FC-Fans trotz Verbots in Sinsheim
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Stadionwelt: Geschlossene Gästeblocke gab es in Deutschland auch schon vor den jüngsten DFB-Sportgerichtsurteilen. Dass aber binnen kürzester Zeit so häufig auf das Urteil zurückgegriffen wird ist neu. Ist das der richtige Weg?
Mendel: Es ist eventuell nicht der richtige Weg, aber es ist nachvollziehbar. Die meisten Vergehen werden nun mal leider von Gästefans verursacht. Der DFB will somit den Gastfan wohl mehr mit in die Verantwortung nehmen. Die Alternativen wären Geisterspiele und Sperren des Heimblocks, und das möchte ja auch niemand. Ob die Urteile die richtige Wirkung zeigen, wird die Zeit zeigen. Wir wollen es auf keinen Fall noch einmal erleben müssen.

Stadionwelt: Gibt es vom 1. FC Köln präventive Bemühungen, ähnliche Strafe schon im Voraus abzuwenden und wenn ja wie sehen diese aus?
Mendel: Der Verein ist immer gesprächsbereit Richtung Fans. Allerdings muss man auch sagen, dass der Großteil, der in den letzten Jahren verhängten Strafen gegen den 1. FC Köln wegen Pyrotechnik war. Und nach den jüngsten Vorfällen mit pyrotechnischen Gegenständen kann man wohl sagen, dass es einen legalisierten beziehungsweise kontrollierten Umgang mit Pyrotechnik, was ich in der Vergangenheit immer mal wieder in meiner Funktion als Fanbeauftragtensprecher bei der DFL und DFB in verschiedenen Gesprächsrunden platziert habe, in den Stadien wohl nicht geben wird. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß.

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Lukas Podolski schwenkt nach dem Auswärtssieg eine „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“-Fahne
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Stadionwelt: Wirkt es da nicht skurril, dass ein Spieler wie Lukas Podolski ausgerechnet nach dem Auswärtsspiel in Hoffenheim mit der Fahne der österreichischen Faninitiative „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ feierte?
Mendel: Das Thema ist schon lange erledigt. Wir haben mit Lukas gesprochen und er bestätigte, dass er nicht wusste was auf der Fahne stand. Er dachte, es sei eine ganz normale Schwenkfahne des 1. FC Köln. Vorwerfen kann man ihn diesbezüglich nichts. (Stadionwelt, 14.05.2010)

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Der 1. FC Köln wurde unter anderem wegen Pyrotechnik verurteilt
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