„Der 1. FC Nürnberg setzt sehr viel auf soziales Handeln“

Faszination Fankurve 05.05.2010 0 Kommentare

Foto: Faszination Nordkurve

Mit einem Teilausschluss der Fans war der 1. FC Nürnberg von den jüngsten harten Urteilen des DFB-Sportgerichts betroffen. Stadionwelt sprach mit Heino Hassler vom Fanprojekt Nürnberg über die Entwicklungen im Frankenland nach dem Urteil.

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Stadionwelt: Der 1. FC Nürnberg ist der Verein, der als erstes von der neuen Gangart des DFB betroffen war. Für die Auswärtsspiele in Freiburg und Hamburg durften keine Stehplatztickets und nur personalisierte Sitzplatzkarten in den Verkauf gehen. Wie reagierte der Verein auf das Urteil des DFB-Sportgerichts?
Heino Hassler: Das Ganze war ein sehr heikles Thema. Der 1. FC Nürnberg war ja ein so genannter Mehrfachtäter und spielte seit den Vorfällen in Frankfurt vor zwei Jahren mehr oder weniger auf Bewährung. Weshalb viele im Verein nach dem schlimmen Unfall in Bochum wirklich mit dem Worst-Case-Szenario gerechnet hatten. Aber die Eigeninitiative des 1. FC Nürnberg, dass bereits beim darauffolgenden Auswärtsspiel in Bremen vom Verein aus nur personalisierte Eintrittskarten für die Glubb-Fans verkauft wurden, bewahrte uns letztendlich vor einer noch härteren Strafe. Martin Bader wollte, als er das Urteil akzeptierte, niemandem etwas Böses, sondern hat noch das Beste aus der ganzen Angelegenheit gemacht.

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Die Nürnberger Fans wichen kurzerhand auf andere Tribünen aus.
Bild: Faszination Nordkurve

Stadionwelt: Aber die Fans waren mit dem Urteil bestimmt nicht zufrieden, oder?
Hassler: Natürlich waren unsere Ultras darüber nicht erfreut, sondern erbost. Zeigten aber gleichzeitig teilweise Verständnis darüber. Mit einer Sperrung des gesamten Gästebereichs bei den Spielen in Freiburg und Hamburg wären schließlich alle Fans des FCN bestraft worden, und das nur weil einige wenige Mist gebaut haben. Nach den Vorfällen in Bochum hat der Verein auch reagiert und es wurde eine neue halbe Stelle im Fanprojekt zur Verfügung gestellt, um in Zukunft noch besser mit den Fans zusammen zu arbeiten. Das war definitiv eine sehr gute Idee, auch wenn wir im Verhältnis zur Masse der Fans immer noch unterbesetzt sind, war es ein Schritt, der zu begrüßen war. Der Verein scheint begriffen zu haben, dass die Arbeit, die wir täglich verrichten, Früchte trägt und wir Verstärkung brauchen. Früher gingen wir in die Nordkurve und kannten unsere 80 Pappenheimer. Wenn du heute in die Nordkurve gehst und fragst, wer sich als Ultra sieht, melden sich 4.000 Fans.

Stadionwelt: Aber auch die Fans haben reagiert, Auf der Internetseite der Ultras Nürnberg konnte man lesen, dass eine Soli-Feier für die in Bochum verletzten Fans stattfand. Kannst Du etwas darüber erzählen?
Hassler: Das ist richtig. Nach dem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 stellten die Ultras eine Feier zugunsten den Verletzten auf die Beine. Dort wurde unter anderem eine Tombola veranstaltet, bei der alle Einnahmen direkt weitergegeben wurden. Insgesamt wurde dort ein doch beachtlicher Betrag eingenommen, der auch wirklich bei den Bedürftigen ankam. Denn die Krankenkassen übernehmen nicht alles und einige Verletzte müssen zum Verband wechseln öfters weitere Strecken zurücklegen, all diese Kosten sollten mit der Soli-Feier gedeckt werden. Und es sieht ganz danach aus, als ob es geklappt hat.

Stadionwelt: Die neue Gangart des DFB scheint nicht überall auf Gegenliebe zu stoßen. Vielerorts melden sich Kritiker. Wie stehst Du zu den Urteilen des DFB-Sportgerichts?
Hassler: Meines Erachtens sollten die ausgesprochenen Sanktionen ein deutlicher erhobener Zeigefinger sein, dass eben auch hierzulande härte Urteile gefällt werden können. Aber eine hundertprozentige Sicherheit wird es in den Stadien niemals geben. Über Vorschläge, wie Nacktscanner an den Eingängen der Stadien braucht man auch nicht ernsthaft diskutieren. Wenn Fans etwas mit ins Stadion schmuggeln wollen, dann schaffen sie es auch. Mehr Kontrollen und mehr Videoüberwachung würden nur einen noch größeren Keil zwischen Fans und Ordnungsdienst beziehungsweise die Polizei treiben. Die Fanszene muss Vernunft und Einsicht von innen heraus bringen.

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Protest der Hamburger Fans für die „Glubberer“ beim Auswärtsspiel in der Hanssestadt.
Bild: Tobias M.

Stadionwelt: Gab es denn vom 1. FC Nürnberg speziell nach dem Bochum-Spiel Maßnahmen, wie solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können?
Hassler: Der 1. FC Nürnberg setzt sehr viel auf soziales Handeln, wie eben die neue halbe Stelle im Fanprojekt. Das ist meiner Meinung nach auch langfristig der richtige Weg. Mit Sanktionen gegen die eigenen Fans oder Kartenpreiserhöhungen werden alle Glubb-Fans bestraft und das will der Verein nicht. (Stadionwelt, 05.05.2010)

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Die Nürnberger Fans wichen kurzerhand auf andere Tribünen aus.
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Protest der Hamburger Fans für die „Glubberer“ beim Auswärtsspiel in der Hanssestadt.
Bild: Tobias M.
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