Vom 19. bis 21. Juni fand in Karlsruhe ein Treffen zwischen diversen Fanvertretern und Fanprojekten aus Deutschland sowie Frankreich und ausgesuchten Polizeibeamten statt. Stadionwelt sprach mit Volker Goll von der KOS über das Treffen.
Stadionwelt: Um was für ein Treffen handelte es sich am vergangenen Wochenende in Karlsruhe, von wem ging es aus und wer was alles anwesend?
Goll: Das dreitägige Treffen ging von der Daniel-Nivel-Stiftung aus, die unter anderem vom DFB und der FIFA getragen wird. Die Leitung übernahm Franciska Wölki und Gunter A. Pilz. Ziel war es mit Vorträgen, Diskussionen und einem Workshop das Feinbild Polizei und das Feindbild Fan zu verringern. An der Tagung nahmen unter anderem BAFF, Pro-Fans, Unsere Kurve, Vertreter von Fanszenen aus Deutschland und Frankreich von der Fanseite teil und wir, die KOS,. Die Seite der Polizei war durch diverse Beamte vertreten, darunter auch Einsatzleiter, Verantwortliche der LIS, ZIS und der Bundespolizei .
Stadionwelt: Wenn man sich die Namen anschaut, war es ein sehr gewichtiges Aufeinandertreffen. Wieso las man im Voraus so wenig darüber und vor allem keine Inhalte?
Goll: Es gab offiziell keinen Aufruf für das Treffen und es gab auf Seiten der Fans auch eine erkennbare Zurückhaltung. Erstmalig standen sich ja Ultras und Fans Auge in Auge mit leitenden Polizisten auf einer solchen Tagung gegenüber, weshalb viele Fanszenen auf die Einladung von Gerald von Gorrissen sehr verhalten reagierten. Die Veranstaltung begann am Freitag mit Vorträgen und ersten Dialogen. Ein Vertreter der Ultras Düsseldorf, wie auch ein Ultra aus Straßburg legten den in einem Vortrag ihre Sichtweise des Verhaltens und des Auftretens der Polizei bei Fußballspielen dar, was bei den Beamten durchaus auf Verständnis stieß. Am Samstag wurde das Thema „Fußballfans und Polizei – Abbau von Feindbildern“ dann in kleinen Arbeitsgruppen erörtert.
Stadionwelt: Wie genau wurde denn dabei vorgegangen?
Goll: Das Thema wurde durch die Methode der Zukunftswerkstatt erörtert. Das heißt, dass als erstes die Kritik geäußert wurde und alle Punkte gesammelt werden. Da gab es einerseits natürlich zu hartes und willkürliches Eingreifen der Polizei und andererseits dann die Gewalt und Pyroaktionen der Fans. All das wurde zusammengeworfen und man ging über zur Utopiephase, also den Äußerungen der größten Träume, wie polizeifreie Stadien und so weiter. Es sollten wirklich alle Wünsche ausgesprochen werden. Sobald alle Wünsche geäußert wurden, kam die Realisierungsphase. Dort wurden alle Wünsche sortiert und bewertet und mit dem Ist-Zustand verglichen. Daraus entstand natürlich eine sehr kommunikative Diskussion, wie man sich nach und nach den Wünschen beider Seiten annähern kann.
Stadionwelt: Zu was für einem Ergebnis kamen die Teilnehmer?
Goll: Also grundsätzlich kann man sagen, dass alle von der Diskussion und dem regen Austausch positiv überrascht waren, womöglich auch, weil beide Lager mit keinen hohen Erwartungen in das Treffen gingen. Doch es herrschte allgemeine Gesprächsbereitschaft unter allen Teilnehmern in Karlsruhe. Beide Seiten konnte sich dem Anschein nach in die Lage des Gegenüber versetzen, weshalb in Zukunft verstärkt Dialoge gesucht werden sollen. Es ist ja schon ein Ansatzpunkt, wenn beide Seiten mangelnden Respekt kritisieren und das aber vom Gegenüber erwarten.
Stadionwelt: Gab es denn schon konkrete Zukunftspläne in Karlsruhe zu verkünden?
Goll: Wie gesagt, man versucht, zukünftig mehr Dialoge zu miteinander zu führen. Aber diese müssen vor Ort stattfinden, da alle Bundesländer auch wieder unterschiedliche Polizeiverordnungen haben. Das erschwert die Zusammenarbeit erheblich. Aber beide Parteien sahen auch, dass das Aufeinanderzugehen, wie beispielsweise mit dem Kurvengespräch in München, Wirkung zeigen könnte, wenn man das dort Besprochene auch nachvollziehbar umsetzt. Allerdings muss die Polizei in meinen Augen etwas aufpassen, nicht zu viel von den Fans zu verlangen, denn von ihrer Seite muss man mehr Entgegenkommen erwarten können, als von den Fans. Der Polizeibeamte übt schließlich eine Beruf aus in einer sehr verbindlichen bis hierachischen Struktur. Der Fan/Ultra lebt seine Überzeugungen und Vorlieben im Rahmen seiner Freizeit aus, dort gibt es – trotz Capos – keine solche verbindliche Struktur. (Stadionwelt, 29.06.2009)




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