Am vorletzten Wochenende fand in Köln das Pro-Fans-Treffen statt. Stadionwelt fragte bei Sandra Schwedler von Pro-Fans nach, wie sie die aktuelle Entwicklung der Fans in den Stadien sehen und über was an dem Wochenende in Köln diskutiert wurde.
Stadionwelt: Am vorletzten Wochenende war in Köln das Pro-Fans-Treffen. Was waren die maßgeblichen Themen?
Schwedler: Themen des Treffen in Köln waren Kommerzialisierung, Repression und der Erhalt der Fankultur. Darüber hinaus war das wichtigste der Austausch untereinander und die Umstrukturierung. Wir haben unsere Fehler der Vergangenheit genau analysiert und versucht dagegen vorzugehen. Vor allem freuen wir uns, dass wir über 30 Gruppen aus ganz Deutschland begrüßen durften. Das zeigt, dass wir mit unseren Anliegen nicht alleine dastehen.
Stadionwelt: Was kann man darunter verstehen?
Schwedler: Wir haben uns intern umstrukturiert. Es wurde das neue „Pro-Fans-Büro“ ins Leben gerufen. Dieses soll sich verstärkt um die interne Organisation kümmern und Personen entlasten. Die Verantwortung über bestimmte Bereiche ist dort klar verteilt. Die ganze Arbeit wurde in der Vergangenheit immer nur von denselben Personen erledigt. Dadurch haben wir uns selbst etwas gelähmt und konnten nur schwer und langsam agieren.
Stadionwelt: Vor ungefähr eineinhalb Jahren war der Fankongress in Leipzig. Was hat sich seither getan, kann man schon eine Bilanz ziehen?
Schwedler: Eine Bilanz kann man nicht ziehen. Passiert ist nicht viel. Aus Leipzig fuhren viele noch voller Hoffnung nach Hause, aber die Enttäuschung setzte schnell ein. Obwohl man es ja schon als großen Fortschritt sehen kann, dass sie sich überhaupt mit uns an einen Tisch gesetzt haben und konstruktiv diskutiert wurde. Die Gründung der AG Fandialog war für alle Teilnehmer ein Erfolg. Nur leider passierte danach eben nichts mehr. Nur das Thema Stadionverbotsrichtlinien, welches aber auch abseits der AG Fandialog und des Fankongresses angestoßen wurde, ist auch weiterhin im Fokus des DFB.
Stadionwelt: Vor kurzem kam das Gerücht auf, dass BAFF und Pro-Fans aus der AG Fandialog aussteigen werden. Was ist da dran?
Schwedler: Das stimmt. Wir haben darüber nachgedacht und das auch offiziell geäußert. Was bringt uns eine Mitgliedschaft in einer Arbeitsgruppe, wenn diese ihrem Namen nicht gerecht wird? Gearbeitet wurde nämlich nicht oder besser gesagt kaum, es war ein Austausch von Meinungen. Für uns sind jedoch keine messbaren Ergebnisse sichtbar gewesen. So haben wir beschlossen, unseren Ausstieg mal anzusprechen.
Stadionwelt: Gab es denn eine Reaktion auf die Drohung, die AG Fandialog platzen zu lassen?
Schwedler: Die Bereitschaft etwas zu ändern, war auch auf Seiten des DFB und der DFL da. Der Ball kommt quasi wieder ins Rollen. Die AG Fandialog soll nur noch zum Meinungsaustausch dienen. Es werden des Weiteren Arbeitsgruppen zu den speziellen Themengebieten gebildet. Denn wir müssen jetzt alle zusammen ernsthaft versuchen, die offenen Punkte des Fankongress in Leipzig in diesen Arbeitsgruppen abzuarbeiten.
Stadionwelt: Was sind Eure Vorsätze für die nähere Zukunft?
Schwedler: Wir wollen die drei Hauptthemen, die wir auch beim Treffen thematisiert haben noch mehr in das Blickfeld aller Fans bringen. Dieses zwar auch weiterhin bundesweit, aber verstärkt auch direkt vor Ort. Die Kommerzialisierung, wie beispielsweise die neuen unmöglichen Anstoßzeiten, im Fußball darf einfach nicht noch mehr überhand nehmen, die Fankultur im Stadion muss ihren Platz behalten und darf nicht von Animateuren der Sponsoren übernommen werden. Zudem muss weiterhin kollektiv gegen die zunehmende Repression gegenüber Fans vorgegangen werden. (Stadionwelt, 05.02.2009)




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