Choreo zum Fünfjährigen und ein erstes Fanzine

Faszination Fankurve 05.01.2009 0 Kommentare

Foto: Björn Butter

In Freiburg haben die Fans sportlich keinen Grund zu meckern. Die Breisgauer überwintern auf Platz 3. Was das für die Stimmung bedeutet, ob man ernsthaft von der ersten Liga träumt und was die Freiburger Szene, sonst noch bewegt, erzählt Marius von den Wilden Jungs im Interview.

Werbung

Stadionwelt: Sportlich läuft es gut. Wirkt sich das auf die Stimmung aus?
Marius: Allgemein ist die Stimmung im Breisgau momentan zufriedenstellend, wobei es noch sehr viel zu erarbeiten und zu erreichen gibt. Wir haben immer noch relativ viele Freiheiten und einen guten Draht zum Verein. Die Auswirkung des sportlichen Erfolgs unseres Teams auf die Stimmung im Stadion hält sich in Grenzen. So gab es Spiele wie gegen Wiesbaden, die wir mit 5:0 gewonnen haben, bei denen die Stimmung nicht wirklich gut war. Andere Spiele waren sportlich weniger erfolgreich, man konnte aber mit einer guten Stimmung überzeugen. Hier fehlt auf dem Feld, wie auch auf den Rängen, eindeutig die Konstanz.

Stadionwelt: Was würde die Rückkehr in die erste Liga für die Szene bedeuten?
Marius: Die lang ersehnte Rückkehr in Liga eins ist natürlich das, von dem wir schon einige Jahre träumen. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Fanclubs wieder aktiver werden. Momentan kann man die aktiven an einer Hand abzählen. Für uns als Gruppe wäre ein Aufstieg ein weiterer Schub nach oben, von dem wir uns generellen jungen und ultraorientierten Zulauf versprechen. Natürlich würden wir mit dieser Situation vorsichtig umgehen, um die Qualität zu erhalten, die uns als kleine und auch weiterhin geschlossene Gruppe ausmacht. Ebenso würde der Aufstieg auch wieder viele Eventfans anziehen, doch würden wir auch daraus das Beste machen und versuchen dem neuen Publikum durch viel Aufklärung unsere Gedanken näher bringen.

Bild: Björn Butter“ loading=“lazy“>

Man träumt in Freiburg von der ersten Liga und fangerechten Anstoßzeiten.
Bild: Björn Butter

Stadionwelt: Die Freiburger Fans waren solche, die sich in der Hinrunde gegen die Anstoßzeitenpläne der DFL eingesetzt haben. Ist das Thema nun durch oder wird es weitergehen?
Marius: Für uns ist das Thema noch nicht durch. Wir wollen unseren Teil zum Kampf gegen die Pläne der DFL auch weiterhin beitragen. Das ist in unseren Augen ziemlich wichtig, weil die geplanten Anstoßzeiten sowie die Spieltagszerstückelung ein weiterer Schritt der totalen Kommerzialisierung des Fußballs sind. Und das gilt es eindeutig zu verhindern. Wir werden weiterhin viel Aufklärungsarbeit innerhalb der Szene leisten, um Aktionen wie einen Stimmungsboykott auch zukünftig möglich zu machen. Zudem wird es von uns weiterhin Spruchbänder zu diesem Thema geben, wobei man klar sagen muss, dass diese eindeutig nicht soviel Aufmerksamkeit bekommen wie ein Stimmungsboykott bei Montagsspielen. Wir werden zudem Ideen sammeln und diese auch im Stadion umsetzen. So haben wir zum Beispiel am 3. Spieltag mit den „Roten Karten“ auf eine etwas andere Art protestiert, was erfreulicherweise auch von anderen Szene durchgeführt wurde.

Bild: ATSV“ loading=“lazy“>

Gemeinsame Aktion mit Aachen beim Spiel auf dem Tivoli.
Bild: ATSV

Stadionwelt: Hättet Ihr euch gewünscht, dass sich noch mehr Szenen beteiligen?
Marius: Natürlich wäre man um einiges erfolgreicher, wenn sich dem Protest möglichst viele Szenen anschließen. Wobei man hier auch ganz klar sagen muss, dass es mit einem „für fangerechte Anstoßzeiten“-Spruchband nicht getan ist. Die Aufklärung der breiten Masse ist in unseren Augen mindestens genauso wichtig. Es ist jeder Szene selbst überlassen, was sie gegen die Auswüchse des modernen Fußballs unternimmt. In diesem Fall eben die Einführung fanunfreundlicherer Anstoßzeiten sowie die weitere Spieltagszerstückelung. Hier sind meiner Meinung nach alle Ultras gefragt. So ist es doch der Fußball, um den sich alles dreht. Ohne ihn würden keine Ultragruppierungen existieren und falls es der Fußball durch den Kommerz völlig zerstört wird, sind auch wir Ultras Geschichte. Der Kampf gegen den modernen Fußball sollte für alle Ultras höchste Priorität haben.

Stadionwelt: Gab es ein aus Fansicht besonderes Highlight in der Hinrunde?
Marius: Zum einen der erfolgreiche Stimmungsboykott, bei dem die komplette Nordtribüne an einem Strang gezogen hat. Zum andern war die Auswärtsfahrt nach Frankfurt ein voller Erfolg. Es gab einen Aufruf von unserer Seite, gemeinsam mit dem Zug anzureisen, dem folgten dann circa 700 Fans. Im Gästeblock fanden sich dann gut 2.000 Freiburger ein, was uns überraschte. Wir hätten nicht mit einem so großen Interesse an Auswärtsfahrten gerechnet. Aus diesem Grund werden wir auch in Zukunft häufiger mit dem Zug reisen, so bindet man einige Leute mehr an die recht überschaubare aktive Fanszene. Zudem sollte man den Pokalsieg gegen Hoffenheim nicht vergessen.

Stadionwelt: Eure Gruppe hat neulich den fünften Geburtstag gefeiert. Es gab auch eine Choreo, oder?
Marius: Genau. Am 16. Spieltag feierten wir fünf Jahre Wilde Jungs Freiburg mit einer Choreo. Diese ist in unseren Augen gelungen und wir haben durchweg nur positives Feedback erhalten, was uns den Rücken stärkt, da wir doch mit einigen negativen Stimmen aus der Fanszene gerechnet haben.

Bild: Wilde Jungs Freiburger“ loading=“lazy“>

Choreo zum fünften Geburtstag.
Bild: Wilde Jungs Freiburger

Stadionwelt: Ist sonst noch etwas an Aktionen in Planung?
Marius: Da die DFL erfreulicherweise die ersten drei Spieltage der Rückrunde terminiert hat, laufen momentan die Planungen für eine Zugfahrt nach München. Gegenwärtig entsteht unser erstes Fanzine, das wir Ende Januar rausbringen werden. Ebenso wird es ab sofort einen Flyer von uns geben. Dieser wird anders als gewohnt unregelmäßig erscheinen, aber mit qualitativ hochwertigem Inhalt und Gestaltung sowie einer hohen Auflage mit Sicherheit eine Bereicherung für den Freiburger Anhang sein. Zudem werden wir beim ersten Spiel der Rückrunde in unseren Augen wieder einen großen Schritt nach vorne gehen. Lasst euch überraschen.

Stadionwelt: Es scheint, dass die Kontakte nach Aachen in der jüngeren Vergangenheit wieder stark intensiviert wurden oder täuscht der Eindruck?
Marius: Da ist was dran. Seit gut einem Jahr wurden die Kontakte nach Aachen wiederbelebt. Es haben sich einige persönliche Freundschaften aufgebaut, die sich nun auf die beiden Gruppen ausgebreitet haben.

Stadionwelt: Ist die Szene immer noch stark von Stadionverboten betroffen oder sind einige mittlerweile ausgelaufen?
Marius: Die NBU (Natural Born Ultras, Anm.d. Red.) ist immer noch so gut wie komplett bis zum Ende der Saison ausgesperrt. Aufhebungen gab es keine.

Stadionwelt: Gibt es sonst noch etwas Wichtiges?
Marius: Im Kompetenzteam, ein Treffen verschiedener Vertreter aus der Fanszene und dem Verein, haben wir erfahren, dass der Oberrang im Gästeblock umgebaut wird. Hier werden wir bei einem Treffen mit dem Architekten versuchen, möglichst gute Gegebenheiten für die Gästefans zu erhandeln. Zudem verabschiedet sich Volker Finke gen Japan, da wünschen wir natürlich viel Erfolg und hoffentlich lebt er sich schnell ein. (Stadionwelt, 05.01.2009)

Bild: Björn Butter“>
Man träumt in Freiburg von der ersten Liga und fangerechten Anstoßzeiten.
Bild: Björn Butter
Bild: ATSV“>
Gemeinsame Aktion mit Aachen beim Spiel auf dem Tivoli.
Bild: ATSV
Bild: Wilde Jungs Freiburger“>
Choreo zum fünften Geburtstag.
Bild: Wilde Jungs Freiburger
Werbung
Werbung

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.

weitere Beiträge