„Es war wirklich totenstill“

Faszination Fankurve 02.01.2009 0 Kommentare

Foto: Jens Liebscher

Die Ultras Nürnberg feiern am kommenden Wochenende ihr 15-jähriges Bestehen. Vor der Party geht es mal wieder zu den Handballdamen des Clubs. Was sonst beim 1. FC Nürnberg Thema ist, erzählt Vorsänger Basti Grau im Interview mit Stadionwelt.

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Stadionwelt: An den Protesten gegen die neuen Anstoßzeiten habt Ihr euch besonders aktiv beteiligt. Erzähl doch mal etwas über die Nürnberger Initiative für fanfreundliche Anstoßzeiten (NIFA).
Grau: Das ganze hat vor etwa einem Jahr begonnen, als das erste Mal über die Änderung der Anstoßzeiten geredet wurde. Damals haben wir uns gewundert, dass der Aufschrei in den deutschen Szenen eigentlich relativ gering ausgefallen ist. Es war zum Beispiel viel weniger als bei Pro 15:30. Erst einmal wollten wir regional über die Thematik aufklären, was wir dann auch getan haben. Dennoch war allen klar, dass, wenn man etwas bewegen wollte, es nur über bundesweite Aktionen gehen konnte. Anfangs gab es sogar die Idee, sämtliche Montagsspiele 45 Minuten zu bestreiken. Letztendlich haben wir uns dann aber auf 20 Minuten geeinigt. Das haben alle aktiven Fanclubs mitgetragen, weil allen klar war, dass das Thema nicht nur Ultras und Allesfahrer betrifft, sondern es um den Erhalt des Volkssports geht.

Stadionwelt: Wie hat der 20-minütige Stimmungsboykott bei Montagsspielen funktioniert? Gab es Fanszenen, die sich nicht beteiligt haben?
Grau: Die 20 Minuten beim Spiel gegen Duisburg waren beeindruckend. Es war wirklich totenstill. Das hatte auch der Verein so nicht erwartet und einige Club-Spieler haben sich darüber beschwert. Auch das DSF wollte sich mit uns an einen Tisch setzen, was bisher aber nicht passiert ist. Einige Szenen wie Kaiserslautern haben den Stimmungsboykott nicht mitgetragen. Irgendwas, beispielsweise Spruchbänder, haben aber eigentlich alle gemacht. Da wäre zum Beispiel Ahlen zu erwähnen.

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Schweigen für fangerechte Anstoßzeiten.
Bild: Jens Liebscher

Stadionwelt: Werden die Proteste trotz der Änderungen durch die DFL fortgeführt?
Grau: Schon beim Spiel gegen Rostock gab es ja keinen Stimmungsboykott mehr. Nach der Entscheidung machte das aus unserer Sicht keinen Sinn mehr. Stattdessen wurden über 10.000 rote Karten gegen die „Deutsche Fernseh Liga“ hochgehalten. Es wird bestimmt noch weitere Aktionen geben. Zum Wie kann ich aber nichts sagen.

Stadionwelt: Durch die Proteste gegen Montagsspiele scheint sich die Bereitschaft der Nürnberger Fanszene an szeneübergreifenden Protesten teilzunehmen geändert zu haben, oder?
Grau: Das wurde eigentlich immer missverstanden und von anderen Szenen so an die Öffentlichkeit getragen. Wir haben niemals gesagt, dass wir bundesweite Aktionen grundsätzlich ablehnen. In einigen Aktionen, wie der Demo in Frankfurt, haben wir für uns einfach keinen Sinn gesehen. Wir sehen es als wichtig an, zuerst vor Ort aufzuklären und damit etwas zu bewegen. Genau das haben wir beim Thema Anstoßzeiten in Nürnberg getan, dann haben wir es auf eine bundesweite Schiene getragen.

Stadionwelt: Die Gruppe Ultras Nürnberg feiert am Wochenende ihr 15-jähriges Bestehen. Was gibt es an Aktionen, die ihr schon verraten könnt?
Grau: Am 3. Januar spielen unsere Handballdamen in der Champions League, danach gibt es eine große Party mit Live-Musik. Die Eintrittskarte für das Handballspiel ist zugleich die Eintrittskarte für die Party. Wir freuen uns bei der Party auch Gäste von Rapid Wien, aus Brescia beziehungsweise Göteborg begrüßen zu dürfen, zu denen wir seit Jahren freundschaftliche Kontakte bestehen.

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Support der Handballerinnen des FCN.
Bild: Jens Liebscher

Stadionwelt: Im letzten Jahr erfreuten sich die Nürnberger Handballdamen häufig Besuchen der Fanszene. Die Freude am Supporten in der Halle hat also nicht nachgelassen?
Grau: Ein bisschen weniger ist es geworden. Das hängt zum Beispiel damit zusammen, dass die Amateure größere Unterstützung erhalten. Die machen ihre Heimspiele im Frankenstadion. Zum Spiel der Damen am Tag der Party hoffen wir allerdings auf einen Supportblock von bis zu 1.000 Leuten.

Stadionwelt: Seit über einem Jahr gibt es nun die „Rot-Schwarze Hilfe“, die Clubfans im Umgang mit Justiz, Polizei und Vereinen helfen soll. Wird das Angebot in der Fanszene gut angenommen und gibt es bereits Erfolgsmeldungen?
Grau: Die hat sich gut bewährt. Schon einige Leute wurden finanziell unterstützt. Dabei wird darauf geachtet, dass es sich auch um Vorfälle handelt, die beim Fußball geschehen sind. Tatsächlich gab es auch schon Fälle, bei denen kein Stadionverbot ausgesprochen wurde, weil sich der Fan beispielsweise einen Anwalt leisten konnte.

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Choreo beim Derby gegen Fürth.
Bild: Faszination Fankurve

Stadionwelt: Was für eine Entwicklung hat der Block 8, euer Standort bei Heimspielen genommen? Ihr nehmt nun auch den vorderen Teil des Blocks ein. Hat man damit alle Ziele erreicht?
Grau: Ich denke mal, dass das Thema Block 8 in circa anderthalb Jahren abgeschlossen sein wird. Wir man sehen kann, wurden mittlerweile auch die ersten Reihen heimlich, still und leise erobert. Die Leute von früher, die da immer noch stehen, machen beim Support mit. Bald kommen die Zäune weg. Allgemein würde ich als Vorsänger sagen, dass das Stimmungsniveau im Vergleich zu anderen Städten bei uns allgemein ganz gut ist. Natürlich gibt es auch schlechte Tage, auch viele gute. Zum Beispiel war das Derby gegen Fürth fantastisch (Stadionwelt, 02.01.2009)

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Schweigen für fangerechte Anstoßzeiten.
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Support der Handballerinnen des FCN.
Bild: Jens Liebscher
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Choreo beim Derby gegen Fürth.
Bild: Faszination Fankurve
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