Ab der Saison 2009/10 müssen Fans der ersten beiden Ligen sich möglicherweise auf veränderte Anstoßzeiten einstellen. Einigen Plänen zufolge könnte es im Unterhaus schon um 12:30 Uhr losgehen. Stadionwelt sprach mit Sebastian Elbe von “Kein Kick vor Zwei!”.
„Das Thema betrifft ja alle Fußball-Fans in Deutschland”
Foto: Wilde Horde
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Stadionwelt: Erzähl uns bitte etwas über das Projekt „Kein Kick vor Zwei!“.
Elbe: Kein Kick vor Zwei! war zunächst mal eine spontane Idee von mir persönlich. Nachdem ich von den neuen Anstoßzeiten hörte, hatte ich endgültig die Schnauze voll. Freitag um 18.00 Uhr habe ich schon geschluckt, unter der Woche um 17.30 Uhr habe ich schon geschluckt, aber bei sonntags um 12.30 Uhr hört es nun endgültig auf. Mittlerweile sind wir drei Leute, die hier in Hamburg zentral alles koordinieren und nach und nach eine Struktur von Ansprechpartnern in ganz Deutschland aufbauen. An vielen Bundesliga-Standorten sind wir mittlerweile schon gut vernetzt.
Stadionwelt: Warum ist es wichtig, eine landesweite Seite zu machen, die sich mit dem Thema Anstoßzeiten ab der Spielzeit 2009/10 beschäftigt?
Elbe: Das Thema betrifft ja alle Fußball-Fans in Deutschland. Insofern ist es sinnvoll, die Anhänger aller Vereine der 2. und auch ausdrücklich der 1. Liga einzubinden. Denn auch, wenn die Erstligisten bisher noch nicht so stark von der geplanten Spieltagsreform betroffen sind, kann man an der Entwicklung der letzten Jahre ja deutlich erkennen, das der Weg in Richtung fanfeindlicher Anstoßzeiten immer weiter gegangen wird und im nächsten Schritt vor dem Oberhaus garantiert nicht Halt macht.
Osnabrück in Köln in der letzten Saison.
Bild: Wilde Horde
Stadionwelt: Häufig ist es schwierig Fangruppen viele verschiedener Vereine zu vereinen. Hier scheint das – wie schon damals beim Thema Anstoßzeit 15:30 Uhr – zu gelingen. Liegt das an der Thematik?
Elbe: Die Thematik war schon immer präsent. Bisher haben sich die Veränderungen aber immer in einem Rahmen bewegt, der scheinbar für viele Fans noch im Rahmen des Erträglichen war. Das ist jetzt anders. Auch deswegen, weil die Leute mitbekommen, dass die DFL versucht, die Öffentlichkeit mit irreführenden Informationen zu blenden. Zum Beispiel, indem behauptet wird, dass die Reformpläne ausreichend mit Fanvertretern abgesprochen wurden. Das ist nachweislich falsch und das können wir auch beweisen. Das war ein klassisches Eigentor der DFL, denn jetzt fühlen sich viele Leute erst recht verarscht und sind umso motivierter, bei unserem Widerstand mitzumachen.
Stadionwelt: Durch die Anstoßzeiten wäre nicht nur die aktive Fanszene betroffen, sondern auch die „normalen“ Heimspielbesucher. Beispielsweise fällt bei einem Spiel um 12.30 in der zweiten Liga das sonntägliche Mittagessen weg. Wie weit wollt Ihr auch diese Fußballfans einbinden?
Elbe: Wir wollen alle Fußball-Fans einbinden, die sich von den geplanten Änderungen betroffen sehen und tun dies auch. Jeder Verein der 1. und 2. Liga hat auch ein ländliches Einzugsgebiet und dort sind Themen wie Familie, Kirche oder ehrenamtliches Engagement am Wochenende ein besonders großes Thema. Da geht es nicht um längeres Ausschlafen, sondern um gewachsene Traditionen wie das gemeinsame Essen am Wochenende oder den Kirchgang am Sonntag. In diese Bereiche will die DFL nun mit Macht vordringen und in direkte Konkurrenz treten.
Stadionwelt: Wie viele Fanclubs, Gruppierungen und Dachverbände haben sich der Initiative bisher angeschlossen?
Elbe: Bislang haben sich uns 450 Gruppen von 34 Vereinen aus der 1. und 2. Liga angeschlossen, zudem auch einige Vereine aus dem unterklassigen Amateurbereich, die nicht weiter zusehen wollen, wie ihr traditioneller Sonntag immer weiter durch den Profifußball ausgehöhlt wird.
Stadionwelt: Umfasst das Spektrum Anhänger großer und kleiner Clubs?
Elbe: Anhänger von zwei Vereinen sind bis jetzt noch nicht dabei, nämlich vom FC Ingolstadt und vom FSV Frankfurt. Das kann ich nachvollziehen, weil die das als Aufsteiger bis jetzt wohl eher noch für ein Luxusproblem halten und vergleichsweise kleine Fanszenen haben. Aber das wird sich sicherlich bald ändern. Ansonsten haben wir von den Bayern über Schalke und Stuttgart bis hin zum sehr stark vertretenen HSV Anhänger aller großen Vereine mit an Bord. Am häufigsten vetreten sind die Fanszenen vom 1. FC Nürnberg und vom 1. FC Kaiserslautern mit jeweils über 50 angeschlossenen Gruppen.
Stadionwelt: Wie und gegenüber Wem wird „Kein Kick vor Zwei!“ auftreten?
Elbe: Unsere Ansprechpartner sind in erster Linie die Fans, denn ohne deren Unterstützung läuft nichts. Außerdem sprechen wir alle anderen Parteien an, die an diesem Konflikt beteiligt sind: Die Vereine, die Rechteverwerter, die Sponsoren der Vereine und eben auch die DFL. Letztere übrigens mit dem geringsten Erfolg, da wurden unsere Anfragen bis jetzt komplett ignoriert.
Stadionwelt: Wie soll das Auftreten aussehen?
Elbe: Konstruktiv. Wir wollen allen zeigen, dass wir nicht zwanghaft auf Konflikte aus sind, sondern signalisieren in alle Richtungen Gesprächsbereitschaft. Konflikte lösen sich unserer Meinung nach, indem man sich darüber austauscht und gemeinsam Lösungen sucht. Das wird im Moment noch eher recht schleppend aufgenommen. Aber wir gehen davon aus, dass sich dies ändert, sobald alle gemerkt haben, das es uns ernst ist.
Stadionwelt: Existieren auch Planungen, die Proteste über das Internet auszuweiten. Beispielsweise Flyer oder Transpis im Stadion?
Elbe: Es gibt wahnsinnig viele Vorschläge, die von den uns angeschlossenen Gruppen an uns herangetragen werden und man kann davon ausgehen, dass in der gesamten kommenden Saison flächendeckend Aktionen in den Stadien stattfinden. Da wollen wir eng mit allen anderen aktiven Gruppen zusammenarbeiten, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen.
Stadionwelt: Ist vielleicht eine Demonstration wie vor einigen Jahren in Frankfurt denkbar?
Elbe: Warum nicht? Wenn die DFL nicht mit uns reden will, dann müssen wir eben zur DFL gehen. Alle Aktionen, die friedlicher und konstruktiver Natur sind, werden dabei helfen, unsere Sache nach vorne zu bringen.
Stadionwelt: Möchtest Du eine Prognose wagen, ob die DFL bei den Anstoßzeiten bleibt?
Elbe: Gewisse Entwicklungen werden wir nicht stoppen können, weil wir wissen, dass die Vereine wirtschaftlich konkurrenzfähig sein müssen. Aber wir können dafür sorgen, dass einige Werte im deutschen Profifußball unantastbar werden. Wie zum Beispiel fanfreundliche Anstoßzeiten. Dafür werden wir alles geben. (Stadionwelt, 14.7.2008)
Bild: Wilde Horde




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