“So traditionslos sind wir dann doch nicht”

Faszination Fankurve 01.07.2008 0 Kommentare

Foto: Stephan Hoogerwaard

In der Hinrunde noch abgeschlagen, belegte der VfL Wolfsburg am Saisonende Platz fünf der Tabelle und nimmt somit im diesem Jahr am UEFA-Cup teil. Wie die Fans die Spielzeit 07/08 erlebten, berichtet Louie von den Weekend Brothers Wolfsburg.

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Stadionwelt: Europa hat Euch wieder. Kam das für Euch nach der abgelaufenen Saison überraschend?
Louie: Vor einem Jahr hätte sicherlich niemand erwartet, dass wir uns im Sommer 2008 darüber Gedanken machen dürfen, wie man am schnellsten und günstigsten in welche Ecken Fußball-Europas gelangt. Die große Hoffnung war eher, nach zwei Spielzeiten, in denen man dem Abstieg jeweils denkbar knapp entronnen ist, endlich einmal wieder nicht mehr zittern zu müssen. Schon im Laufe der Hinrunde zeigte sich, dass es Felix Magath gelungen war, eine vollkommen andere Mannschaft zu formen, die auch bei einem 0:3-Rückstand wie gegen Bochum nicht ans Aufgeben dachte. Der Start in die Rückrunde war natürlich der Hammer und der eine oder andere hat sicherlich schon etwas vom UEFA-Cup geträumt; die großen Hoffnungen kamen dann allerdings bei den meisten Anhängern wohl nach dem 33. Spieltag und dem 4:0 gegen Stuttgart auf. Dass am letzten Spieltag alles für uns läuft, konnte natürlich niemand voraussehen, macht die ganze Sache aber umso fantastischer. Insgesamt kann man sagen, dass der VfL wohl das Überraschungsteam der abgelaufenen Saison war und letztlich verdient in den Europapokal eingezogen ist.

Stadionwelt: Was erwartet Ihr Euch von den Spielen im UEFA-Cup?
Louie: Das sportliche Abschneiden ist sicher davon abhängig, wie in der Sommerpause am Kader gearbeitet wird, denn die Dreifachbelastung, die man mit Bundesliga, DFB- und Europapokal zumindest zu Beginn haben wird, kann einer Mannschaft auch das Genick brechen. Herr Magath wird da allerdings ein großer Vertrauensvorschuss gewährt, so dass es sicher nicht unmöglich ist, die eine oder andere Runde zu überstehen. Je mehr, desto besser! Aus Fansicht wünschen wir uns natürlich attraktive Gegner, möglichst viele schöne, gut frequentierte Auswärtsfahrten und einen erfolgreichen VfL. Außerdem würden wir uns natürlich freuen, wenn die Fanszene durch das Erlebnis Europapokal noch ein bisschen dichter zusammenrückt und sich auch der eine oder andere ältere Ex-Allesfahrer wieder regelmäßiger blicken lässt.

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In Dortmund feierten die Fans des VfL Woflsburg die UEFA-Cup-Teilnahme ihrer Mannschaft.
Bild: www.groundhopping.de

Stadionwelt: Vor dem letzten Spiel gegen Dortmund war ja eine riesige Euphorie in Wolfsburg zu spüren. War es für Euch ungewöhnlich, mit so vielen Fans auswärts zu reisen? Und war es für Euch schwieriger den Support zu koordinieren?
Louie: Mit 3.000 oder 3.500 Leuten auswärts aufzuschlagen, ist für uns in der Tat nicht alltäglich, denn die Zahl der Auswärtsfahrer schwankt doch erheblich, wobei man anmerken muss, dass in den letzten Jahren – von Spielen wie Frankfurt unter der Woche, wo viele Fans schlicht arbeiten müssen, einmal abgesehen – schon eine deutliche Steigerung zu beobachten ist. Das Anheizen der mitgereisten VfL-Fans hat beim Spiel in Dortmund ziemlich reibungslos geklappt. Die Euphorie hat da ihr übriges getan, so dass viele der Mitgereisten schon von vornherein sehr viel „sangeswilliger“ waren. Auch der Spielverlauf mit den beiden frühen Toren und dem gehaltenen Elfmeter haben dafür gesorgt, dass unsere beiden Vorsänger einen vergleichsweise leichten Job hatten. Es ist da schon immer ein gutes Zeichen, wenn viele Fans die Mannschaft von sich aus anfeuern, so dass man die Gesänge nur noch aufnehmen und weiter tragen muss. An diesem Tag hat es einfach gepasst!

Stadionwelt: Gibt es sonstige Highlights der vergangenen Saison aus Fansicht zu nennen?
Louie: Es gab tatsächlich einige Highlights in diesem Jahr, angefangen beim Sieg der zweite Mannschaft gegen das erste Team von Eintracht Braunschweig über das 4:0 gegen Dortmund, den wahnsinnigen Beginn der Rückrunde mit den Siegen in Gelsenkirchen und Bremen bis hin zum Verlauf des DFB-Pokals, wo mit Schalke 04 und dem Hamburger SV ja zwei Mannschaften geschlagen werden konnten, die als haushohe Favoriten galten. Und nicht zuletzt stand der VfL ja auch im Halbfinale gegen den FC Bayern, bei dem man sich eigentlich gut verkauft hat und am Ende gegen einen cleveren, überlegenen Gegner die Waffen strecken musste. Zu gefallen wussten auch die Auftritte bei den Spielen im Norden wie Hamburg, Bremen oder Hannover und die Choreos, bei denen wir merkliche Fortschritte gemacht haben.

Stadionwelt: In der Tat, in Wolfsburg waren in der letzten Saison einige schöne Choreographien zu sehen. Ist es mittlerweile einfacher für euch große Kurvenshows durchzuführen? Findet der ultraorientierte Support eine größere Akzeptanz in der VW-Arena?
Louie: Schön, dass auch von außen eine qualitative Verbesserung bemerkt wird! Es ist natürlich so, dass man mit den Jahren einiges an Erfahrung gesammelt hat, so dass die Organisation von Choreos – genügend helfende Hände vorausgesetzt – inzwischen recht routiniert von der Hand geht, auch wenn die obligatorischen Zeitprobleme wohl dazugehören. Die höhere Auslastung der Kurve bringt es zudem mit sich, dass wir auf mehr verschiedenartige Materialien zurückgreifen können und statt der Standard-Blockfahnen etwas kreativere, aufwendigere Ideen umsetzen können. Nicht zu vergessen ist die Zusammenarbeit mit den Supporters, ohne deren finanzielle und tatkräftige Unterstützung die Organisation dieser Choreos mit Sicherheit sehr viel komplizierter gewesen wäre. Die Akzeptanz in der Kurve ist wohl da, denn inzwischen macht ein deutlich größerer Teil bei der Unterstützung der Mannschaft mit und auch die Choreos verlaufen reibungslos. Dass hin und wieder Kritik an uns laut wird, ist angesichts dessen, dass man als Ultrà-Gruppe den beklopptesten und auf gewisse Weise radikalsten Flügel der Szene bildet, nicht weiter verwunderlich; das ganze hält sich aber sehr in Grenzen und solange man sich gegenseitig respektiert, kann das sehr fruchtbar sein. In puncto Auswahl der Gesänge ist es nicht immer einfach, den Mittelweg zwischen Kreativität und Eingängigkeit zu finden, aber auch daran wird gearbeitet.

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Choreo beim Heimspiel gegen Stuttgart.
Bild: Stephan Hoogerwaard

Stadionwelt: Wie ist die Ultrastruktur in Wolfsburg derzeit gekennzeichnet? Seht Ihr einen Entwicklungsschub in der Hinsicht?
Louie: Die Mitgliederzahl der Weekend Brothers ist in der letzten Zeit recht konstant. Dass es immer Verschiebungen innerhalb einer Gruppe gibt, was die Aktivität, den Einfluss und den Elan der einzelnen Mitglieder angeht, liegt wohl in der Natur der Sache. Der Kern der Gruppe ist wieder ein bisschen größer geworden und mehr Mitglieder nehmen an den „außerfußballerischen“ Aktivitäten teil. Sehr positiv fällt das Engagement unserer jungen Mitglieder auf, die oft ihre gesamte Freizeit für Verein und Szene opfern, was insbesondere bei Schülern durchaus bemerkenswert ist, die aber damit eben auch viel bewegen und beträchtliche Verantwortung übernehmen. Neben unserer Gruppe gibt es inzwischen etliche andere, kleinere Fanclubs und Fangruppierungen, deren Einstellung mit dem Begriff „ultrà-orientiert“ wohl am besten zu fassen ist. Gerade diese Gruppen, die größtenteils im Unterrang der Nordkurve stehen, erleben einen großen Zulauf und sind teils sehr engagiert. Natürlich funktioniert die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos, weil es dann doch einige Unterschiede in Bezug auf die Einstellung gibt. Grundsätzlich ist aber allen an einer bunten, kraftvollen Unterstützung unseres VfL gelegen und da ist es natürlich begrüßenswert, dass sich inzwischen so viele Leute diesbezüglich engagieren.

Stadionwelt: Wie macht sich die Mikrophonanlage und Euer Standort im Stadion bemerkbar? Hat dies positive Auswirkungen auf den Support?
Louie: Die neue Anlage ist deutlich leistungsfähiger als die alten beiden Megaphone, die oft übersteuerten oder ganz ausfielen. Mit den neuen Boxen kann ein viel größerer Teil der Nordkurve abgedeckt werden, so dass unsere Vorsänger bei viel mehr Leuten ankommen. Das ganze hat natürlich auch Auswirkungen auf die Beteiligung, denn die „Sangeswilligen“ in den Teilen der Kurve, die vorher im toten Winkel lagen, haben es nun deutlich leichter. Leider gibt es momentan immer wieder Aussetzer, was an den Funkmikros liegt, die für die Power unserer Jungs am Pult nicht ausgelegt sind und auch die Handystrahlung im Block nicht richtig zu vertragen scheinen. Da wird aber schon an einer Lösung gebastelt. Von unserem Standort im Oberrang aus kann man den Support ansonsten eigentlich ganz gut organisieren, denn durch die Nähe zum Dach und die Konzentration der Supportwilligen wird auch der eine oder andere im Unterrang zum Mitmachen animiert. Wenn im gesamten Supporters Block noch etwas euphorischer an den Support heran- und vor allem aus sich herausgegangen wird, dann kann man doch einiges reißen.

Stadionwelt: Der Support scheint ja die Mannschaft zu beflügeln. Einen großen Anteil am Erfolg hatte aber auch Felix Magath. Wie kommt das „System Magath“ bei den Fans an?
Louie: Zugegebenermaßen gab es nach Bekanntgabe der Verpflichtung von Herrn Magath Zweifel, ob es wirklich so eine gute Idee ist, derart viel Macht, aber auch Verantwortung, in die Hände einer einzigen Person zu legen. Die Art und Weise, wie Herr Magath damit umgeht, ist allerdings über alle Zweifel erhaben, denn er leistet wirklich hervorragende Arbeit. Man merkt, dass er in der Zeit nach seiner Beurlaubung beim FC Bayern sehr hart gearbeitet und Spieler beobachtet hat, so dass er nach der Vertragsunterzeichnung beim VfL schnell handeln konnte. Das Understatement, mit dem Herr Magath an diese Aufgabe herangegangen ist, ist angesichts der in den letzten Jahren oft sehr nach Aufmerksamkeit und Schlagzeilen heischenden Aussagen diverser Vereinsangestellter sehr wohltuend. Die Verpflichtung von Spielern wie Schäfer und Gentner hat den Kader sehr bereichert. Natürlich ist dabei viel Geld in die Hand genommen worden – aber mal ehrlich: welcher Verein würde das nicht tun, wenn die finanziellen Mittel vorhanden sind? Der Club muss erst noch gegründet werden… Dadurch hat sich die Spielkultur sehr zum Positiven entwickelt. Statt des Augenthalerschen Rumpel-Defensiv-Gekickes spielt unser VfL einen wirklich attraktiven Fußball, der bestimmt auch dem einen oder anderen neutralen Zuschauer gut gefällt. Last but not least ist, wie oben bereits angedeutet, die Moral der Mannschaft einfach fantastisch. Da wird dem verlorenen Ball hinterher gerannt, gegrätscht und gekämpft, dass es eine wahre Freude ist. Auch diese Einstellung des Teams muss man als Trainer erst einmal erarbeiten. Alles in allem gibt es an der Arbeit von Herrn Magath einfach nichts auszusetzen.

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Geschlossener Marsch der Wolfsburger zum Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke.
Bild: www.wobontour.de

Stadionwelt: Der VfL spielt seit 1997 ununterbrochen in der ersten Liga. Würdet Ihr Euch selbst langsam als Traditionsverein der Bundesliga bezeichnen?
Louie: Inzwischen hat sich wohl auch der Rest der Bundesliga daran gewöhnt, dass in Wolfsburg erstklassiger Fußball gespielt wird. Dass für den Großteil der Fans anderer Vereine eine Bundesliga ohne den VfL eher vorstellbar ist als ohne den FC Bayern oder den Hamburger SV, leuchtet eigentlich ein, denn mit unserem Namen ist dann doch nicht der große Zauber verbunden wie mit den wenigen großen „Traditionsvereinen“. Aber da teilen wir das Schicksal von mindestens drei Vierteln der Bundesligaclubs. Was die Frage der Tradition angeht, so sei darauf hingewiesen, dass der VfL bereits 1954 bis 1959 in der damaligen Oberliga gespielt hat und in den Siebzigern mehrmals zwischen Regional- und zweiter Bundesliga wechselte; so traditionslos, wie man uns gerne darstellt, sind wir dann eben doch nicht.

Stadionwelt: Nervt es Euch denn, wenn Ihr immer noch als „graue Maus“ angesehen werdet? Oder könnt Ihr gut mit diesem „Underdog-Image“ leben?
Louie: Wir haben uns daran gewöhnt, dass Wolfsburg nicht unbedingt als eine der Top-Adressen des deutschen Fußballs gilt. Die abgelaufene Saison hat da spielerisch schon Fortschritte gebracht, so dass sicher auch einige neutrale Beobachter angesichts eines attraktiv spielenden Teams ihre Meinung revidieren mussten. Generell sollte man sein Fandasein nicht zu sehr von den Einschätzungen von außen abhängig machen, denn die Beziehung eines jeden Fans zum Verein und die Struktur einer jeden Fanszene ist so individuell, dass sie andere Personen sowieso nur sehr eingeschränkt beurteilen können. Natürlich gibt es immer Steigerungen, aber eigentlich sind wir mit dem momentanen Status quo recht zufrieden.

Stadionwelt: Der Verein versucht sich selbst ja ein positives, junges Image zu schaffen? Wie reagiert Ihr darauf? Befürwortet Ihr die Maßnahmen oder steht Ihr dem im Zusammenhang mit „dem modernen Fußball“ eher kritisch gegenüber?
Louie: Diese Imagekampagnen sind eine sehr zwiespältige Geschichte. Einerseits ist es natürlich eine schöne Sache, wenn sich der Verein – oder, in unserem Falle – die GmbH darum bemüht, möglichst attraktiv in der Öffentlichkeit aufzutreten. Andererseits geht man beim VfL in dieser Hinsicht gerne einen Schritt zu weit. Ein Beispiel wäre die Einführung des neuen Logos im Jahr 2002, als das althergebrachte Vereinswappen mir nichts, dir nichts durch eine Neukreation ersetzt wurde. Viele Fans haben das damals als einen Ausverkauf traditioneller Werte und Symbole zugunsten eines möglichst „hippen“ Images empfunden. Das ganze ist ohne Not geschehen, was diesen Schritt noch unverständlicher macht. Ein zweites Paradebeispiel war das Herausbringen eines enorm peinlichen Fanartikelkatalogs in der letzten Saison, mit dem man wohl auf den in der aktuellen Populärkultur vorhandenen „Bling-Bling-Pimp-My-Ride“-Trend aufspringen wollte. Man hat manchmal das Gefühl, dass auf Teufel komm raus versucht wird, die Leute mit Oberflächlichkeiten zu ködern; die Fanartikel selbst waren nämlich unverändert mittelmäßig… Die Ergebnisse dieser Öffentlichkeitsarbeit sieht man dann im Stadion, wenn zwar der Familien- und der U150-Block (ein Bereich der Nordkurve, der Fans unter 1,50 Meter Körpergröße vorbehalten ist, um auch diesen zumeist jungen Anhängern gute Sicht aufs Spielfeld zu bieten) gut gefüllt, aber in den Mittelblöcken der Nordkurve wieder einmal das Handy, die Freundin oder der neue, gefakete Gucci-Gürtel interessanter als das Spielgeschehen und der Support sind.

Stadionwelt: Ist zu befürchten, dass das familiäre Flair, auf das viele Wolfsburger Fans (zumindest die ältere Generation) jahrelang Wert legten, langsam abhanden kommt?
Louie: Da kommt es ganz darauf an, was man unter „familiärem Flair“ versteht. Es ist ganz klar so, dass das Stadionerlebnis sich im Laufe der letzten zehn Jahre generell in Richtung einer professionell organisierten Unterhaltungsveranstaltung entwickelt hat, so dass die Atmosphäre natürlich im neuen Stadion am Allerpark auch eine ganz andere ist als früher im VfL-Stadion am Elsterweg. Auch angesichts der ganzen Annehmlichkeiten, die speziell unser neues Stadion für uns bedeutet, trauert man der alten Zeit schon öfter hinterher. Die Beziehungen untereinander betrifft das allerdings nicht in dem Maße, denn der Kern der Szene ist letztlich noch so überschaubar, dass es gar nicht möglich ist, sich untereinander nicht zu kennen. Es ist zwar ein Anwachsen der Zahl der aktiven Gruppen und Einzelpersonen zu beobachten, doch sieht es momentan nicht so aus, als würden sich die Verhältnisse allzu radikal ändern.

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Die Fans des VfL sind mit dem derzeitigen status quo zufrieden.
Bild: www.glubb-online.de

Stadionwelt: Wie ist generell Euer derzeitiges Verhältnis zum Verein?
Louie: Dahingehend gibt es eigentlich nur überwiegend Positives zu berichten. Der Verein bemüht sich sehr um seine Fans. So beginnen gerade die Arbeiten für ein Fanhaus direkt am Stadion, das in Zukunft mehr Raum für Geselligkeit bieten soll. Auch im Stadion gibt es wenig zu bemängeln; alle Materialien – Pyrotechnik logischerweise einmal ausgenommen – sind erlaubt, die Fahnen- und Doppelhalterpässe werden abgeschafft. Auch das Verhältnis zum Sicherheitsbeauftragten des VfL ist gut, so dass wir wirklich nicht klagen können.

Stadionwelt: Wie fielen die Reaktionen auf den Leuchtkugelschuss beim Pokalspiel gegen den HSV aus?
Louie: Die Reaktion des Vereins war ein Verbot von Doppelhaltern, bis der Schuldige ermittelt war, denn die Leuchtspur wurde hinter einem Doppler gezündet. Außerdem wurden die Eingangskontrollen verschärft. Unsererseits wurde klargemacht, dass derjenige, der die Leuchtkugel abgefeuert hat, und seine Helfer der Fanszene einen Bärendienst erwiesen haben. Das Zünden von Pyrotechnik wird nicht ohne Grund von der Szene seit Jahren nicht mehr praktiziert. Gegen das Doppelhalterverbot wurde im darauf folgenden Heimspiel in Form eines 9:45-minütigen Schweigens protestiert, denn so nachvollziehbar es auch ist, dass der VfL sich zum Handeln gezwungen sah, ist es doch unverhältnismäßig, wegen des Fehlverhaltens einer Person direkt allen anderen die Doppelhalter zu verbieten.

Stadionwelt: In der Hinrunde wurden beim Leverkusen-Heimspiel Banner präsentiert, die sich gegen die Polizei richteten. Was war der Anlass für die Spruchband-Aktion und was ist aus dieser Geschichte geworden?
Louie: Der Auslöser war das unmissverständliche Verbot der „Unruheherd“-Fahne in ihrer damaligen Form. Stein des Anstoßes war die Aufschrift „1312“, so dass mit Blocksturm und Stadionverboten für die Umstehenden gedroht wurde. Wir haben den beanstandeten Schriftzug dann mit einem „Zensiert!“-Aufdruck überklebt. Um die Spruchbänder gab es dann einen riesigen Wirbel, zumal wir einen recht drastischen Ton angeschlagen hatten, letzten Endes ist aber nichts weiter geschehen. Inzwischen hängt am Platz der „Unruheherd“-Fahne übrigens unser „Sektion Stadionverbot“-Banner.

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Um die „Unruheherd“-Fahne gab es einen großen Wirbel.
Bild: Speedy – www.eintr8-4ever.de

Stadionwelt: Wir würdet ihr im Allgemeinen Euer Verhältnis zur Polizei beschreiben. Hat sich die Lage in Wolfsburg etwas entspannen können?
Louie: Tja, das leidige Thema. In der Rückserie ist es dahingehend mit „unseren“ Staatsdienern etwas besser gelaufen, unter anderem weil wir bewusst auf Deeskalation gesetzt haben, indem zum Beispiel bei Heimspielen ein anderer Weg von unserer Kneipe zum Stadion gewählt wurde. Auswärts haben wir allerdings auch wieder Erschreckendes erleben müssen. So wurden in Karlsruhe die beiden aus Wolfsburg angereisten Busse während des Spiels durch Polizeibeamte durchsucht, angeblich um mögliche Wurfgeschosse aus dem Innenraum zu entfernen. Dabei wurden auch Taschen, die im Bus lagen, geöffnet und durchwühlt. Dass so etwas „mal eben“ geschehen kann, ist ein Armutszeugnis für diesen, unseren Rechtsstaat und trägt nicht unbedingt dazu bei, dass sich das Verhältnis zur Polizei entspannt.

Stadionwelt: Wie beurteilt Ihr den Umgang mit Gästefans in der VW-Arena? Muss aus Eurer Sicht etwas verbessert werden?
Louie: Sehr positiv ist, dass unseren Gästen im Gästeblock viel erlaubt ist, so dass man öfter einmal Choreographien bewundern darf. Das ist angesichts der Tatsache, dass uns auswärts vieles verboten wird, eine gute Entwicklung und kann durchaus Vorbildcharakter für den Rest der Liga haben. Dagegen hört man von unseren Gästen oft Klagen, was die Organisation des Ordnungsdienstes und dessen Eingreifen im Gästebereich angeht. Da muss sicherlich nachgebessert werden.

Stadionwelt: Zum Schluss noch einmal zurück zum Thema „Moderner Fußball“: Was haltet Ihr von der geplanten Spielplanreform der DFL?
Louie: Bei dieser „Reform“ haben wir es doch wieder einmal mit einer absoluten Schnapsidee zu tun. Als ob es nicht momentan schon schwierig genug wäre, an einem Freitagabend nach Nürnberg zu gurken oder sonntags nach Leverkusen zu eiern, soll nun auch noch an acht Spieltagen eines der dann drei Sonntagsspiele am Samstagabend ausgetragen werden. Wer fährt nicht gerne nachts nach einem Auswärtsspiel quer durch die Republik, um dann irgendwann früh morgens anzukommen und den Sonntag vollkommen abschreiben zu können? Und wie man darauf kommt, die Spiele der zweiten Liga mittags austragen zu wollen, ist ein echtes Rätsel. In der Presseerklärung von ProFans wurde ja bereits darauf hingewiesen, dass damit vielen Amateurspielern der Gang ins Stadion verwehrt bleiben wird. Das wiederum zeigt nur, wie weit man sich bei der DFL von der Fußballbasis entfernt hat. Alle Bundesligaspiele gehören am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen, da gibt es kein Vertun! (Stadionwelt, 01.07.08)

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In Dortmund feierten die Fans des VfL Woflsburg die UEFA-Cup-Teilnahme ihrer Mannschaft.
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Choreo beim Heimspiel gegen Stuttgart.
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Geschlossener Marsch der Wolfsburger zum Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke.
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Die Fans des VfL sind mit dem derzeitigen status quo zufrieden.
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Um die „Unruheherd“-Fahne gab es einen großen Wirbel.
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