Münchens Anhänger konnten sich über das Double freuen. Im Interview mit Stadionwelt erzählt ein Mitglied der Schickeria, was das Jahr aus Sicht der Gruppe geprägt hat. Dabei geht es um unbekannte Reiseziele und erfreuliche Entwicklungen in der Kurve.
Erfreuliche Entwicklungen in der Südkurve
Foto: Marcus Hapke
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Stadionwelt: Mal wieder eine aufregende Spielzeit für Euch. Wie war das Jahr?
Schickeria: Sportlich gesehen liegt eine sehr erfolgreiche Spielzeit hinter uns. Alles in allem war das Jahr aber geprägt von den tragischen Ereignissen von Würzburg, deren Auswirkungen für uns als Gruppe bis heute in hohem Ausmaß präsent sind.
Blick aus der Bayern-Kurve beim Pokalfinale in Berlin.
Bild: Marcus Hapke
Stadionwelt: Mit Meisterschaft und Pokal gab es mal wieder das nationale Double. Was waren die Höhepunkte der Saison.
Schickeria: Zu den Highlights zählen sicherlich die UEFA-Cup-Auswärtsspiele, was wohl daran liegt, dass diese Städte mal eine interessante Abwechslung zu „Dauerreisezielen“ wie Madrid oder Mailand waren. Ein weiteres Highlight war der Sieg im ersten Pokalderby seit 40 Jahren.
Stadionwelt: Auch international hat es der FCB weit geschafft. Bis ins Halbfinale des UEFA-Cups führte der Weg. Hier dürfte das Rückspiel in Getafe kaum zu überbieten gewesen sein, oder?
Schickeria: Sicherlich war das Spiel in Getafe mit seinem Spielverlauf emotional gesehen einer der Höhepunkte. Aber auch die Reise nach Sankt Petersburg war aufgrund der Anreise eines Teils der Gruppe per Auto ein Highlight. Einige der Reisen in dieser UEFA-Cup-Saison werden uns in guter Erinnerung bleiben.
Heimspiel gegen Hertha am 34. Spieltag.
Bild: Maggi66
Stadionwelt: Ein großes Thema war die Stimmung in der Allianz Arena. Zum Ende gab es den Aufruf das Fahnenmehr vergangener Tage zu reaktivieren, im Derby gegen 1860 war mal wieder eine Choreo zu sehen. Ist die Arena auf dem richtigen Weg?
Schickeria: Von der ganzen Arena zu sprechen, wäre etwas vermessen. Aber die Entwicklungen in der Südkurve selber sind erfreulich und lassen auf mehr hoffen. Wir müssen an dieser Stelle aber nochmal ausdrücklich betonen, dass wir uns am Anfang eines Weges befinden und von dem, was wir unter FANKURVE verstehen, noch meilenweit entfernt sind. Seit wir uns mit Beginn der Rückrunde wieder an der Organisation der Stimmung beteiligen und wieder einen Vorsänger stellen, kommt aber wieder Bewegung in den Block. Um einen Schritt in Richtung „Fahnenmeer“ zu machen, haben wir die Aktion „Für eine rot-weiße Südkurve“ initiiert. Fanclubs konnten bei uns rot-weiße Fahnen bestellen. Zum Saisonende hat der Club Nr.12 ebenfalls etliche Fahnen verteilt. Bleibt zu hoffen, dass viele der neuen Fahnen auch zur kommenden Saison den Weg ins Stadion finden.Die Choreo beim Pokal-Derby war eine Aktion des Club Nr. 12. Auch wenn sie uns im Großen und Ganzen gefallen hat, gibt es derzeit eine Entscheidung der Gruppe, keine Choreos durchzuführen. Das hängt mit den Stadionverboten aus Duisburg zusammen, die erst mit Beginn der Saison 08/09 auslaufen.
Stadionwelt: Hat sich der Verein, der ja auch in die Kritik geraten ist, in punkto erlaubter Supportmaterialien ein bisschen in Eure Richtung bewegt?
Schickeria: Was die Einschränkungen in diesem Bereich angeht, bleibt unser Verein wohl weiterhin trauriger Spitzenreiter. Viele Materialien bedürfen einer gesonderten Genehmigung, bei der sich Verein, Polizei, Feuerwehr und das Kreisverwaltungsreferat den schwarzen Peter munter hin und her schieben können. Auch wenn es in diesem Bereich in letzter Zeit erste Anzeichen einer Verbesserung gibt, wollen wir erstmal abwarten, was sich jetzt wirklich tut, bevor wir in Jubelströme ausbrechen.
Stadionwelt: Beim Pokalfinale ist die Fahne “Ausgesperrte immer bei uns“ verboten worden. Kann man sich über derartige Dinge überhaupt noch aufregen?
Schickeria: Auch wenn Verbote und sinnlose Einschränkungen wohl für alle aktiven Fußballfans an der Tagesordnung sind und man sich leider Gottes immer mehr daran gewöhnt, hatte das Verbot dieser Fahne, wie wir finden, eine besondere Qualität. Die Fahne ist für uns als Gruppe besonders wichtig, da sie für unsere Verbundenheit zu den vielen willkürlich und unschuldig ausgesperrten Freunden steht – genau diese Art der Solidaritätsbekundung möchte aber der DFB bei seinen Veranstaltungen in Zukunft nicht mehr dulden. Die Argumentation seitens der Verbands-Oberen ist, dass man auf uns Fans mit den Änderungen der Stadionverbots-Richtlinien sehr weit zugekommen sei und nun im Gegenzug „aggressive, fanpolitische Banner“ aus den Stadien verschwinden sollen, da sich auch die „Allgemeinheit der Stadionbesucher“ angeblich durch Fahnen wie „Ausgesperrte immer bei uns“ bedroht fühle. Für uns absolut nicht nachvollziehbar, wie sich andere Stadionbesucher davon bedroht sehen können. Bedroht sehen sich wohl eher eben jene Verbands-Oberen, die zwar die Höchstdauer der Stadionverbote herabgesetzt haben – was wir an sich natürlich begrüßen –, die grundsätzlichen Kritikpunkte an der Vergabepraxis von Stadionverboten aber nicht berücksichtigt haben. Damit werden weiter Fans willkürlich aus den Stadien verbannt, ohne dass zum Beispiel eine rechtsstaatliche Verurteilung vorliegen muss, um nur einen der Kritikpunkte zu nennen.
Choreo beim Pokalderby gegen 1860.
Bild: Der (PF)LÄSTERSTEIN
Stadionwelt: Im Vorfeld des Pokal-Derbys war mächtig was los: Unter anderem wurden die Stufen der Westkurve des Grünwalder-Stadions rot und weiss bemalt…
Schickeria: Wie schon zu Beginn erwähnt, war das Spiel gegen den Lokalrivalen einer der Saisonhöhepunkte. Das erste Derby seit vier Jahren stand an und allen war klar, dass dieses nicht nur im Stadion, sondern in der ganzen Stadt ausgetragen wird. Im Vorfeld gab es einige gelungene Aktionen der roten Seite, seien es die vielen Spruchbänder am Morgen des Derbytags – „Derbysieger“, „München ist Rot“, „Hier regiert der FCB“ – , die zum Berufsverkehr an den Brücken der Stadtautobahn befestigt wurden, der Derbymarsch mit Treffpunkt am Viktualienmarkt im Herzen der Stadt, Spruchbänder an einigen Münchner Denkmälern oder eben das verschönerte Grünwalder Stadion, welches zur Freude von allen am Derbytag die Titelseiten aller Lokalzeitungen schmückte. Im Stadion wurde mit einer gelungenen Choreo, einer gut aufgelegten Südkurve und dem Sieg in der letzten Minute der Verlängerung dieser schöne Tag vollendet.
Stadionwelt: Kürzlich ist Euer Fanzine “Gegen den Strom” mal wieder erschienen. Leider handelt es sich bei Fanzines scheinbar um eine aussterbende Gattung, weil immer weniger Szenen, Gruppen oder Fanclubs auf dieses Medium setzen. Weswegen haltet Ihr daran fest?
Schickeria: Sicherlich könnte man abwägen und sagen, dass man in Zeiten vom Internet seine Inhalte wesentlich einfacher und effektiver unter die Leute bringen könnte. Gerade der ganze Stress, den wir hier in München damit haben, da wir unser Heft ja im Stadion nicht offen verkaufen dürfen, spricht eigentlich dafür, einfach einen Blog einzurichten. Wir sind aber der Meinung, dass sich die Aufmerksamkeit für den Inhalt dadurch steigert, dass er in etwas verpackt ist, das einen Wert hat, das ansprechend gestaltet ist und das man mit Händen greifen kann.
Stadionwelt: Momentan sind die Anstoßzeiten ab der Saison 2009/10 ein Thema. Bei euch auch?
Schickeria: Die geplante Zerstückelung der Spieltage einhergehend mit den absolut unmöglichen Anstoßzeiten, sind bei uns natürlich auch ein Thema. Sicherlich wird man dazu von uns was hören. Auch an bundesweiten Aktionen werden wir uns beteiligen. Allerdings hoffen wir darauf, dass sich bei diesem Thema mehr Gruppen als die üblichen Verdächtigen Gedanken machen und auch Taten folgen lassen. (Stadionwelt, 25.6.2008)
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