„Ganz Giesing war endlich mal wieder blau”

Faszination Fankurve 20.06.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Sportlich hat der TSV 1860 München in der abgelaufenen Saison ein Auf in der Hinrunde und ein Ab in der Rückrunde erlebt. Was die Fanszene in der Saison alles durchgemacht hat, verrät Basti Stömmer von der Cosa Nostra im Sommerpausen-Interview mit Stadionwelt.

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Stadionwelt: Kürzlich fand die Aktion XX-Tausend statt. Zum Regionalligaspiel gegen Jahn Regensburg kamen sagenhafte 13.000 Zuschauer…
Stömmer: Das Ziel war ja eine zweistellige Tausender-Zahl zu erreichen. Mit 13.000 ist das Ziel sogar deutlich übertroffen worden. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Zuschauerzahl fast verdoppelt werden.

Stadionwelt: Erzähl bitte etwas zur Stimmung im und außerhalb des Stadions.
Stömmer: In Giesing war die Hölle los. Ganz Giesing war endlich mal wieder blau. Überall hingen Schals und Fahnen, Haupttreffpunkt wie immer der Wienerwald. Im Stadion selber war die Stimmung wirklich gut, selbst wenn das Sportliche angesichts der 0:1 Niederlage leider nicht ganz gepasst hat. Ein Tor hätte das 60er wohl zum Explodieren gebracht.

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13.000 Zuschauer kamen ins Stadion an der Grünwalder Stadion.
Alle Bilder: Claude Rapp

Stadionwelt: Das ganze nächstes Jahr mit einer Aktion XXX-Tausend zu toppen, dürfte angesichts der Kapazität des Grünwalder Stadions schwer fallen. Ist eine Fortsetzung geplant?
Stömmer: An den eigentlich Planungen waren wir von der Cosa Nostra nicht wirklich beteiligt. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es auch in der kommenden Saison eine ähnliche Aktion geben wird.

Stadionwelt: Beteiligt seid Ihr aber an der Choreo gewesen, oder?
Stömmer: Das stimmt, daran haben wir mitgewirkt und haben uns dieses Mal bemüht, die ganze Szene daran teilhaben zu lassen. Letztendlich gab es sogar zwei Choreos. In der ersten Halbzeit wurden neben 3.000 verschiedensten selbstgebastelten Plastikfähnchen, vielen Doppelhaltern, Schwenkfahnen auch sechs etwa drei Meter hohe Figuren gezeigt. Die sollten das ganze Spektrum der Stadiongänger, beispielsweise Vater mit Sohn oder einen Ultra, darstellen. Eine Blockfahne haben wir bewusst erst in der zweiten Hälfte präsentiert, um die Emotionen zu Spielbeginn nicht darunter zu ersticken. Auf der Blockfahne war die Westkurve mit Anzeigentafel und einige Wahrzeichen der Stadt wie die Frauenkirche zu sehen. Darunter stand auf einem Spruchband „Münchens Wahrzeichen sind unantastbar”. Ich denke, die Botschaft „FINGER WEG VOM SECHZGERSTADION“ ist angekommen!

Stadionwelt: Es gab sogar noch eine dritte Choreo.
Stömmer: Zur 70. Minute gab es eine Aktion gegen Stadionverbote. Es war eine der Figuren, der Ultra, mit Bengalo im Block zu sehen, der von einem Polizisten gejagt beziehungsweise verjagt wurde. Dazu gab es ein “Eure Verbote kotzen uns an”-Spruchband und ein komplettes Stadion, dass „Fussballfans sind keine Verbrecher” anstimmte. Wir wollten unbedingt, dass unsere SV-Problematik auch an diesem Tag im Stadion präsent ist. Unter anderem auch deswegen, weil unsere Stadionverbotler bis zur Stadionöffnung stundenlang beim Aufbauen geholfen hatten. Da war es natürlich umso härter, dass sie das Stadion zur Öffnung verlassen mussten.

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Protest gegen Stadionverbote.

Stadionwelt: Gutes Stichwort: Ihr seid von Stadionverboten kürzlich heftig betroffen worden. Was genau ist passiert?
Stömmer: Im Zuge des Amateur-Derbys gegen die Roten sind 38 Stadionverbote auf blauer Seite ausgesprochen worden. 28 davon gingen an Personen aus unserer Gruppe. Insgesamt sind am Vormittag vor dem Spiel am Wienerwald beim Stadion um die 90 Personen in Gewahrsam genommen worden. Die Polizei hat unserem Verein eine Liste mit Namen vorgelegt, die die Clubverantwortlichen einfach abgenickt haben und unsere Gruppe im Stadion damit praktisch handlungsunfähig gemacht haben. Viele dieser Stadionverbote laufen jetzt zum Saisonende aus. Wegen einiger Fälle finden derzeit Anhörungen beim Verein statt. Alles ist übrigens „zufällig“ kurz vor dem Derby der ersten Mannschaften im Pokal geschehen…

Stadionwelt: Also konntet Ihr das vermeintliche Highlight der Saison gar nicht richtig genießen?
Stömmer: Freude ist nicht wirklich aufgekommen. Angesichts des Derbys hätte man sicherlich mehr Aktionen in- und außerhalb des Stadions machen können, auch wenn der Gästeblock in der Arena nicht toll ist. Durch die Stadionverbote ist das allerdings weggefallen, so mussten wir uns das Spiel in einer Kneipe in Giesing anschauen. Die Stimmung im Stadion war von blauer Seite allerdings ganz gut, trotzdem wären allgemein an diesem Tag ganz an andere Dimensionen möglich gewesen. Das verpasst zu haben, werden wir unseren Verantwortlichen nie verzeihen!

Stadionwelt: Auch der Verein 1860 hat kürzlich mal wieder für Schlagzeilen gesorgt. Wie steht Ihr dazu?
Stömmer: Ziffzer und v. Linde sind weg. Die Machtspielchen haben hoffentlich ein Ende. Jetzt hoffen wir, dass das neue Präsidium Ruhe in den Verein bringt
und Sechzig finanziell weiterbringt. Vereinspolitik ist nicht unser Ding.

Stadionwelt: Kürzlich wurden Pläne vorgestellt wie die Anstoßzeiten ab der übernächsten Saison aussehen könnten. Als derzeitiger Zweitligist, der zudem regelmäßig weite Fahrten hinter sich bringen muss, wäre eine Anstoßzeit um 12.30 Uhr am Sonntag eine Katastrophe, oder?
Stömmer: Na ja, für Auswärtsfahrten bleibt es sich egal, ob ich um 1 oder um 3 Uhr in der Nacht aufstehe, „Gammelticketfahrten“ mit der Bahn sind bei weiteren Anfahrten fast unmöglich. Der normale Fan, der meist nur Heimspiele besucht, wird wohl Abstriche machen. Das Mittagessen mit der Familie und danach zu den Löwen ist selbst mit dem 14 Uhr-Termin der letzten Saison nur noch für Leute möglich gewesen, die nah am Stadion in München wohnen. Darüber, inwiefern man sich überhaupt sinnvoll gegen solche Vorhaben wehren kann, muss man sich mit Sicherheit Gedanken machen. Leider ist insbesondere 1860 ein Verein, der normalerweise sehr DFL-hörig agiert, insbesondere wenn es irgendwo Geld zu holen gibt.

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Heimspiel gegen Augsburg.

Stadionwelt: Letztendlich kann man sich nur wehren, indem man nicht mehr hingeht.
Stömmer: Wahrscheinlich, das will man aber auch nicht. Andererseits kann man sich als aktiver Fussballfan auch nicht jegliche Kommerzialisierung, die auf unserem Rücken ausgetragen wird, gefallen lassen.

Stadionwelt: Die Wege von München ins EM-Gastgeberland Österreich sind nicht wirklich weit. Spielt das Turnier bei Euch in der Szene eine Rolle?
Stömmer: Vereinzelt fahren die Leute hin. Als Gruppe ist das Turnier bei uns kein Thema. (Stadionwelt, 20.6.2008)

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Protest gegen Stadionverbote.
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Heimspiel gegen Augsburg.
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