„Circa 100.000 Euro sind durch uns zusammengekommen“

Faszination Fankurve 19.06.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Die Lilien aus Darmstadt mussten im Laufe der vergangenen Saison aufgrund finanzieller Probleme Insolvenz anmelden. Die Fans des Oberligisten haben sich für den Fortbestand des Clubs extrem eingesetzt. Tim Strack erzählt, was alles angestellt wurde.

Werbung

Stadionwelt: Trotz der eher uninteressanten Oberliga Hessen, dürfte Euch die Spielzeit immer in Erinnerung bleiben. Eine Insolvenz macht man schließlich nicht alle Tage mit, oder?
Strack: Das ist wahr. Die ersten Gerüchte über Schulden beim Finanzamt machten im Dezember die Runde. Natürlich war keinem das Ausmaß klar. Im Februar hat der neue Vorstand eine Steuerschuld in Höhe von 1,1 Millionen bekannt gegeben, die auf den Mist des alten Präsidiums inklusive des zuständigen Beraters gewachsen ist. Das war schon ein großer Schock, weil keiner wusste wie er reagieren sollte.

Stadionwelt: Dennoch gab es recht schnell Reaktionen aus der Szene.
Strack: Noch am selben Abend haben sich um die 100 Fans in der Vereinsgaststätte „Lilienschänke“ eingefunden und haben über die Situation diskutiert. Bald gab es auch Gespräche zwischen Fanverein und Vereinsverantwortlichen und die klare Ansage, helfen zu wollen. In der Folge haben wir eng zusammengearbeitet.

Alle Bilder: Ultras Darmstadt“ loading=“lazy“>

Um die 800 Fans der Lilien nahmen am Sternmarsch teil.
Alle Bilder: Ultras Darmstadt

Stadionwelt: Neben dem Spiel gegen Bayern, das von Vereinsseite organisiert worden ist, habt auch Ihr viel Geld gesammelt. Wieviel war es denn letztendlich und was für Aktionen gab es?
Strack: Circa 100.000 Euro sind durch uns zusammengekommen. Als größte Aktion ist sicherlich der Sternmarsch aus verschiedenen Stadtteilen auf einen zentralen Platz in der Innenstadt zu nennen. Dort haben sich etwa 800 Leute getroffen, die geschlossen zum Stadion gezogen sind. Wir hatten mit weniger gerechnet.

Stadionwelt: Von Eurer Seite hat man sich auch um kulturelle Rettungsaktionen bemüht, oder?
Strack: Ja, verschiedene Künstler haben unter dem Motto „Kunst für die Lilien” ihre Werke für insgesamt 17.000 Euro versteigert. Bei der „Lilienmusiknacht“ fanden in insgesamt 25 Lokalitäten musikalische Veranstaltungen statt. Das hat 11.000 Euro gebracht und war der Punkt, ab dem die ganze Stadt aufgehorcht hat. Das Image des Idiotenclubs, der mal wieder finanzielle Probleme hat, wich dem des Traditionsvereins, den es zu erhalten gilt.

Stadionwelt: Also hat die an sich negative Erfahrung der Insolvenz auch eine gute Seite gehabt?
Strack: Ich denke schon. Wie ich mit dem angesprochenen Imagewechsel angedeutet habe, ist die Motivation in Darmstadt momentan sehr hoch. Auch in der Szene wurde ohne Wenn und Aber zusammengearbeitet. Vergangene Streitereien haben keine Rolle mehr gespielt. Unsere Gruppe wurde gebeten in den F-Block zurückzukehren, was wir auch gemacht haben. Ab 2006 haben wir ja auf der Gegengerade gestanden, weil die Karten für den Sitzplatzblock F zu teuer waren. Für die eigene Entwicklung war das wichtig, aber natürlich haben wir uns damit auch vom Rest der Fanszene abgekoppelt.

“ loading=“lazy“>

Heimspiel gegen Buchonia Flieden im F-Block.

Stadionwelt: Hat sich in dem „neuen“ Block seit Eurer Rückkehr denn schon etwas entwickeln können?

Strack: Er hat sich schon einigermaßen gefunden. Insgesamt hat sich die Stimmung klar verbessert. Dabei sind vor allem die letzten Partien gegen Wehen oder Aschaffenburg im Landespokalfinale zu nennen. Dauerhaft bleibt sicher abzuwarten, ob man die Leute permanent motivieren kann. Wir wollen einen Block, der jedes Heimspiel „durchdreht“.

Stadionwelt: Wie viele Fans der Lilien passen denn in den F-Block?
Strack: Der Block hat eine Kapazität von 600. Ich würde sagen, dass momentan etwa 300 aktive und 300 konsumierende Fans darin sind.

Stadionwelt: Habt Ihr das mit den hohen Preisen denn Regeln können?
Strack: Der Fanverein verwaltet ab der kommenden Saison 300 Dauerkarten, die jeweils 98 Euro kosten. Mit dieser Preisgestaltung sind wir sehr zufrieden und die Gespräche mit dem Verein waren sehr gut und konstruktiv.

Stadionwelt: Du hast das Landespokalfinale gegen Aschaffenburg bereits erwähnt. Ihr habt gewonnen und Euch damit für den DFB-Pokal qualifiziert. Ist das noch etwas Besonderes?
Strack: Wir sind das dritte Jahr in Folge dabei. Letztes Jahr war Fürth der Gegner. Natürlich hoffen wir auf ein attraktiveres Los. Eher was Richtung Derby. Also die Eintracht, Offenbach, Mainz oder auch Lautern.

Stadionwelt: Noch wichtiger als die Quali für den Pokal, ist die Regionalliga, an der Darmstadt teilnehmen wird. Nach jetzigem Stand verschlägt es Euch in die Südstaffel. Ist das in Ordnung?
Strack: Von den Fahrten wäre der Westen auch interessant gewesen. Im Ruhrgebiet hätte man viele neue Plätze kennengelernt. Die Regionalliga Süd bietet aus Fansicht höchstwahrscheinlich interessantere Gegner wie Mannheim, Worms oder vielleicht Kassel. Nicht zu vergessen Cottbus II, die wohl im Süden spielen werden. Endlich können wir mal wieder neue Orte bereisen. (Stadionwelt, 18.6.2008)

Alle Bilder: Ultras Darmstadt“>
Um die 800 Fans der Lilien nahmen am Sternmarsch teil.
Alle Bilder: Ultras Darmstadt
„>
Der F-Block im Stadion am Böllenfalltor.
„>
Heimspiel gegen Buchonia Flieden im F-Block.
Werbung
Werbung

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.

weitere Beiträge