„Das ist ja nicht der heilige Krieg“

Faszination Fankurve 05.06.2008 0 Kommentare

Foto: Stadionwelt

Die Fans von Borussia Mönchengladbach konnten sich über die Rückkehr ihres Clubs in die Bundesliga freuen. Im Gespräch mit Stadionwelt verriet der Fanbeauftragte Thomas „Tower” Weinmann wie die Fohlen die Saison im Unterhaus überstanden haben.

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Stadionwelt: Ein aufregendes Halbjahr liegt hinter der Borussia. Fangen wir mit dem Positiven an. Wie wurde der Aufstieg in die erste Liga gefeiert?
Weinmann: Es gab eine große Feier in der Innenstadt. Im Durchlauf hat die Polizei 85.000 Leute gezählt. Alles war sehr emotional. Ich habe den Abstieg nicht nur als „Betriebsunfall“ angesehen wie in Mönchengladbach gerne behauptet wurde. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir das geschafft haben.

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Mönchengladbach in Köln.
Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: Hat der Anhang das Jahr in der Unterklassigkeit denn einigermaßen überstanden?
Weinmann: Der Schnitt von 40.000 ist angesichts von vielen Fanclubs, die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind, sicherlich sehr gut. An einem Freitag ist die Anreise eben schwer zu realisieren. In der ersten Liga wird das Stadion fast immer voll sein. Die Nordkurve ist schon jetzt dicht. Nur das Fanprojekt hat noch ein paar Plätze geblockt. Auswärts mobilisieren wir regelmäßig 4.000 bis 5.000 Leute. Selbst in Aue waren an einem Freitagabend 2.500 Borussen. Dieses hohe Niveau konnte auch in Liga 2 gehalten werden.

Stadionwelt: Die volle Medienwucht dürfte Euch getroffen haben, als die Fahne der Ultras Mönchengladbach aus einem Raum im Borussia Park von Kölner Fans entwendet wurde.
Weinmann: Wir haben das alles runtergespielt. Es haben sich zu viele Leute mit einem Thema beschäftigt, von dem sie keine Ahnung haben. Wir haben eindeutig klargemacht, dass wir gegen Gewalt und eine Eskalation der Situation sind. Bis zum Spiel in Köln war das alles auch nur unter den beiden Ultra-Lagern ein richtiges Thema. Aber durch die Gesänge des gesamten Kölner Publikums im Stadion a la „Wir wollen die Fahne sehen“ hat sich das auf sehr viele Fans der Borussia verlagert. Letztendlich haben wir der Fanszene aber erklärt, dass wir über eine Minderheit im Stadion sprechen. Natürlich nehmen wir die Wünsche und Probleme der Ultras sehr ernst, aber der Prozentsatz im Vergleich zum Rest der Stadionbesucher ist relativ gering. Und Scharmützel beider Fanlager gab es auch schon vorher. Zudem sollten alle Seiten etwas spaßiger an das Thema Fußball herangehen. Das ist ja nicht der heilige Krieg.

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Auswärts, hier in Augsburg, konnte sich die Borussia stets auf eine große Anhängerschaft verlassen.
Bild: Dirk Päffgen

Stadionwelt: Wie ist das Verhältnis zu den Verantwortlichen des 1. FC Köln?
Weinmann: Aus meiner Sicht war das alles ein Vertrauensbruch, dennoch müssen wir natürlich sachlich und professionell miteinander arbeiten.

Stadionwelt: In Folge des Fahnenverlusts haben sich die Ultras aufgelöst. Gibt es schon eine Nachfolgegruppe?
Weinmann: Unter dem Namen „Block 1900“ wird es bald eine Art „Dachverband“ geben, der die Fans bündeln soll, die bereit sind, aktiv Stimmung zu machen. Der „Block 1900“ soll wohl nicht nur Ultras umfassen. Darunter wird es dann viele einzelne neue Ultra-Gruppen geben.

Stadionwelt: Dieser „Block 1900“ wird ab der neuen Saison einen neuen Standort haben, oder?
Weinmann: Er wird innerhalb der Nordkurve umziehen. Die Nordkurve hat unten Steh- und oben Sitzplätze. Bisher war die Stimmungskern unten im Block 16, der nach dem Stimmungsblock des Bökelberg benannt worden ist, sowie im Block 16a im Oberrang. Umgezogen wird nun in diesen Block 16a, der 788 Sitzplätze umfasst. Die Jungs wollen nach oben, weil es schwer ist, den Block von unten anzuheizen. Dort wurde bereits vier Jahre lang alles Mögliche probiert und diskutiert, jedoch hat alles bei der Riesenkurve von knapp 21.500 Leuten nicht gefunzt, das müssen leider auch die zugeben, die immer meinen es gehe auch ohne Anheizer. Geht es leider nicht. Das war früher anders!

Stadionwelt: Die Plätze waren vorher doch sicher belegt.
Weinmann: Es sind 200 Plätze geblockt worden, die nicht mit Dauerkarten besetzt waren. Darum herum wird es aber vielleicht noch kleinere Problemchen geben. Alle Dauerkarteninhaber in diesem Bereich wurden aber angeschrieben und es wurde ihnen ein Alternativplatz angeboten, einige sind bereits umgezogen.

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Ab der kommenden Saison wird die Stimmung aus dem Oberrang angeheizt.
Bild: www.dirkpaeffgen.de

Stadionwelt: Wird es im 16a ein Podest und eine Lautsprecheranlage geben?
Weinmann: Nein. Was mit dem alten Podest vor dem Block 16 geschehen wird, ist noch nicht klar. Ich hoffe aber, dass auch von unten möglichst bald wieder etwas Stimmung ausgehen wird und sich so ein gesunder Konkurrenzkampf entwickelt der nur ein gemeinsames Ziel hat: Die Borussia nach vorne zu singen!

Stadionwelt: Was sonst ist oder war Thema bei der Borussia?
Weinmann: Wie gerade schon angedeutet ist mir wichtig zu sagen, dass es allen Fans nicht um Selbstdarstellung oder so gehen sollte, sondern nur um die Raute, das heißt nur um Borussia Mönchengladbach. (Stadionwelt, 5.6.2008)

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Mönchengladbach in Köln.
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Auswärts, hier in Augsburg, konnte sich die Borussia stets auf eine große Anhängerschaft verlassen.
Bild: Dirk Päffgen
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Ab der kommenden Saison wird die Stimmung aus dem Oberrang angeheizt.
Bild: www.dirkpaeffgen.de
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