Im Rahmen der Sommerpausen-Interviews sprach Stadionwelt mit St. Pauli Fan Michael „snief“ Menges über die Stadionwährung Millerntaler, die dann doch nicht gekommen ist und über fanfeindliche Anstoßzeiten, die es aktuell zu verhindern gilt.
„Allerdings waren wir nicht nur einfach dagegen“
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Stadionwelt: Im letzten halben Jahr haben sich die Fans von St. Pauli erfolgreich gegen die Einführung einer eigenen Stadionwährung gewehrt. Du bist dabei sehr aktiv gewesen. Kannst Du uns die Hintergründe erläutern?
Menges: Verein und Caterer haben uns ziemlich überraschend und kurzfristig damit konfrontiert, dass es eine eigene Stadionwährung, den so genannten Millerntaler geben soll. Anders als bei anderen Clubs sollte es sich nicht um eine Karte, sondern um Geldchips handeln. Wir fanden das alles ziemlich undurchdacht, weil die Interessen der Zuschauer nicht berücksichtigt worden sind.
Es gab vielfältige Proteste gegen den Millerntaler.
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Stadionwelt: Wer ist wir?
Menges: Über das Internet hat sich damals eine Initiative gefunden, der ungefähr zehn Personen angehören. Die hatte keinen richtigen Namen, aber zumindest ein Motto: Eure Taler sind nicht unser Bier. Es gab eine Online-Petition, die von 3.000 Fans unterschrieben wurde Flyer, Aufkleber und die Androhung, den Caterer zu boykottieren.
Stadionwelt: Bei 3.000 Unterschriften konntet Ihr Euch eines ziemlich szeneübergreifenden Rückhalts erfreuen, oder?
Menges: Das stimmt. Viele unterschiedliche Gruppierungen haben sich gegen den Millerntaler ausgesprochen. Allerdings waren wir nicht nur einfach dagegen. Mit konstruktiver Kritik ist es uns gelungen, den Caterer zum Einknicken zu bewegen. Der Millerntaler ist erst einmal vom Tisch. Es gab die Zusage, dass vor einem neuen Anlauf mit den Fans geredet werden soll. Aber man weiß ja nie. In der Folge haben wir uns entschlossen, weiterzumachen. Wir wollten die Entwicklung des Vereins und des Fußballs ganz allgemein kritisch und konstruktiv begleiten. Anfangs gab es keinen ganz konkreten Anlass.
Stadionwelt: Der ist nun allerdings gegeben…
Menges: Die Anstoßzeiten sind natürlich ein Thema. Das geht gar nicht. Und zwar nicht nur für Fans von Zweitligaclubs. Bisher war die Anreise zu Auswärtsfahrten schwer zu realisieren, zukünftig hätten selbst auswärtige Heimfans Schwierigkeiten am Wochenende rechtzeitig ins Stadion zu kommen. Und es gibt noch etliche Punkte, die gegen diese Zeiten sprechen.
Stadionwelt: Was ist bisher an Aktionen geschehen?
Menges: Wir haben eine Homepage gestartet, die auf den Namen Sozialromantiker (www.sozialromantiker-stpauli.de) hört. Den Namen hat uns übrigens St. Pauli Präsident Littmann im Zuge der Millerntaler-Aktion verpasst. Bisher sind weit über 10.000 Unterschriften aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengekommen. Die Tendenz ist steigend. Ein Nachteil für Aktionen ist sicherlich, dass die Saison gerade vorbei ist und sich die gesamte Öffentlichkeit auf die EM konzentriert. Andererseits bringt das auch die Chance, sich untereinander abzustimmen. Ich denke, das von vielen Fanszenen und natürlich den Fanorganisationen wie BAFF, Pro Fans und Unsere Kurve etwas auf die Beine gestellt wird.
Stadionwelt: Die Terminierung von Spielen war auch während der Saison bereits ein Thema bei den Fans des FC St. Pauli. Nach dem Spiel gegen 1860 war der Sender DSF über die Proteste nicht besonders erfreut.
Menges: Derartige Proteste gegen das Montagsspiel gibt es auch anderswo, nur dürfen die in vielen Stadien nicht so artikuliert werden. Aus diesem Grund ist das DSF aus allen Wolken gefallen.
Stadionwelt: Wie ist man damit umgegangen, dass der Sender gerüchteweise nicht mehr nach Hamburg kommen wollte, was wiederum finanzielle Einbußen zur Folge gehabt hätte?
Menges: Die finanziellen Dinge waren sehr vage. Es fehlen bei einem Fernbleiben des DSF ja keine direkten TV-Gelder, weil man für das Montagsspiel nichts extra bekommt. Vielmehr ging es um möglicherweise fehlende Sponsorengelder. Außerdem hat das DSF uns bei einem Treffen versichert, dass es keinen „Boykott“ des Millerntor geben werde.
Die neue Südtribüne im Einsatz.
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Das Millerntor hat sich in der letzten Zeit ziemlich verändert. Wie findest Du es denn?
Menges: Meiner Meinung nach ist es sehr schön geworden. Die Stimmung hat sich zudem sehr verbessert. Dadurch dass Nord- und Südtribüne beide überdacht sind Außerdem bekommt man mehr voneinander mit. Die Südtribüne ist allgemein spannend, weil sich unten Stehplätze, zum Beispiel sind dort die Ultras, und oben sehr hochpreisige Plätze auf ein derselben Tribüne befinden.
Stadionwelt: Wie hat Du die Rückkehr in die zweite Liga allgemein erlebt?
Menges: Die Regionalliga war trotz einiger Derbys nicht sehr reizvoll. Die zweite Bundesliga ist da schon etwas anderes. Ich denke, dass es für uns eine sehr gute Saison war. (Stadionwelt, 4.6.2008)
Bild: Horda Azzuro
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